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Schrumpfwirtschaft und Inflationsinferno

03.07.2022  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Die Regierungen des Westens betreiben mit ihrer "grünen Politik" eine Anti-Wachstumspolitik. Sie bedroht den Wohlstand der Menschen, auch weil sie die Kaufkraft des Geldes zu zerstören droht.

“Es gibt keinen Zufall; und was uns blindes Ohngefähr nur dünkt, gerade das steigt aus den tiefsten Quellen”, so schrieb einst Friedrich von Schiller (1759-1805).

Beherzigt man Friedrich von Schillers Worten, sollte man nicht naiverweise glauben, die hohe Inflation - also das fortgesetzte Ansteigen der Güterpreise auf breiter Front, die die westliche Welt gerade heimsucht - sei ein Zufall oder eine Naturkatastrophe. Sie ist vielmehr menschengemacht, ist nicht zufällig entstanden, sondern Ergebnis geldpolitischer Entscheidungen. Die politisch diktierten Lockdowns, die “grüne Politik” und (ja auch) der Ukraine-Krieg haben zu einem “negativen Preisschock” geführt.

Dass dieser negative Preisschock aber zu hoher Inflation führt - zu einem fortgesetzten Ansteigen aller Güterpreise -, liegt in letzter Konsequenz an dem gewaltigen Geldmengenüberhang, den die Zentralbanken erzeugt haben.

Die Inflation kommt den Staaten gut zupass. Sie entwertet die erdrückenden Staatsschulden auf Kosten der (nichts Böses ahnenden) Gläubiger. Die Inflation kommt vor allem auch diejenigen, die den “Großen Neustart”, die “Große Transformation” vorantreiben, wie gerufen. Schließlich bewirkt sie zu einem Verarmungseffekt bei der breiten Masse: Die Menschen können sich weniger leisten, müssen ihren Konsum einschränken, sind gezwungen, weniger umweltschädliche Energie zu verbrauchen. Die mittlerweile hohe Inflation setzt wirkungsvoll das Wohlstandsniveau drastisch herab: Sie zerstört über Nacht das wirtschaftliche Bemühen, dass die Menschen über viele Jahrzehnte an den Tag gelegt haben.

Gleichzeitig setzt die Politik alle rhetorischen und manipulativen Hebel in Bewegung, um der breiten Bevölkerung die hohe Inflation der Güterpreise als moralisch gut und richtig zu verkaufen (Stichwort: "grüne Inflation") und damit eine "Post-Wachstumsphase" einzuläuten.

Doch das wird - wenn es anstandslos hingenommen wird - noch sehr ungemütlich. Stagnation oder gar Schrumpfung der Wirtschaft - und das scheinen viele Umwelt- und Weltreformer geflissentlich zu übersehen - schürt gesellschaftliche Konflikte.

Wächst die Wirtschaft, wird jeder bessergestellt, ohne dass andere dabei schlechter gestellt werden. Wächst die Wirtschaft nicht, oder schrumpft sie gar, kann sich eine Person nur besser stellen auf Kosten der übrigen. Schrumpfwirtschaft zieht daher wachsende Konflikte in der Gesellschaft nach sich.

In der Schrumpfwirtschaft nehmen aber nicht nur die Konflikte über Mein und Dein zu, auch die erreichte Arbeitsteilung, national wie international, wird zurückgebaut. Das wiederum setzt das Wohlstandsniveau der Menschen zusätzlich herab, es gefährdet sogar die Existenzgrundlage von vielen Millionen, wenn nicht gar Milliarden von Menschen auf dieser Welt, beschwört im Extremfall ihren Hungertod herauf.

Schicken die Regierungen die Volkswirtschaften also auf einen Schrumpfkurs, gerät zudem das Fiat-Geldsystem in schwierigeres Fahrwasser. Eine Kreditkrise größten Ausmaßes ist dann vorprogrammiert. Unabwendbare Zahlungsausfälle werden die Kreditmärkte in Panik versetzen. Das Fiat-Geldsystem und mit ihm die Wirtschaft werden kollabieren, weil Schuldner reihenweise umfallen, und die Güter- und Vermögenspreise rauschen in die Tiefe.

Im Zuge der Kreditausfälle auf breiter Front geht das verpfändete Vermögen der Privaten und Unternehmen auf die Banken über, die, selbst ihres Eigenkapitals beraubt, verstaatlicht werden müssen, damit sie überleben - und folglich wachen die Menschen sprichwörtlich plötzlich im Sozialismus auf.

Oder aber die Zentralbanken verhindern den großen Kreditausfall. Dazu müssen sie jedoch die Geldmenge noch stärker als bisher ausweiten. Denn nur so lassen sich strauchelnde Schuldner wie vor allem Staaten, Banken und Großunternehmen über Wasser halten. Die absehbare Folge ist Hoch-, wenn nicht gar - im leidvollen Extremfall - Hyperinflation. Ein Szenario, das ebenfalls einen dunklen Schatten auf Freiheit, Wohlstand und friedvolles Zusammenleben wirft - wie die Wirtschaftsgeschichte un-umwunden zeigt.

“Es gibt keinen Zufall; und was uns blindes Ohngefähr nur dünkt, gerade das steigt aus den tiefsten Quellen.“
- Friedrich von Schiller

Wer jedoch die niederträchtigen Wirkungen der Inflation kennt, der wird befürchten müssen, dass gerade die Regierungen der westlichen Wohlfahrtsstaaten von ihr noch gehörig Gebrauch machen, wohlmöglich ein Inflationsinferno herbeiführen werden.

In der Not erscheint nämlich das Drucken von immer mehr Geld Regierenden und Regierten als das vergleichsweise kleinste Übel - als ein akzeptables Übel, wenn es gilt, einem vermeintlich noch größeren Übel zu entkommen. Dieser Gedankengang - so viel Verständnis man auch für ihn aufbringen möchte - ist jedoch leider der sichere Weg in die Geldwertzerstörung. Was also an dieser Stelle bleibt, ist die Hoffnung, dass es vielleicht doch nicht so schlimm kommen wird. Eine zwar vage, aber nicht völlig unbegründete Hoffnung - weil ja das menschliche Vorstellungsvermögen beschränkt ist, weil es immer wieder Entwicklungen gibt, die wir uns hier und heute noch nicht vorstellen können.

Und daher ist es sicherlich nicht zu weit hergeholt, diesen Aufsatz mit Worten von Friedrich Schiller zu enden: "Soweit die Sonne leuchtet, ist die Hoffnung auch". Die Warnung jedoch bleibt: Schrumpfwirtschaft und Inflationsinferno gehen Hand in Hand.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


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