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Christopher Puplava: Anschnallen - Die Anleihe-Vigilante sind zurück

22.01.2025
- Seite 3 -
Hinzu kommt, dass der ISM-Dienstleistungsindex vor kurzem einen starken Anstieg seiner Komponente „gezahlte Preise“ aufwies. Dies ist insofern von Bedeutung, als dass er Veränderungen des US-Verbraucherpreisindex (CPI) häufig um mehrere Monate vorausgeht, was die Daten der San Francisco Fed weiter stützt.

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Quelle: Financial Sense, Bloomberg


Die Gefahr von nicht verankerten Erwartungen

Ein Hauptziel der Fed ist es, die Inflationserwartungen sowohl bei den Unternehmen als auch bei den Verbrauchern zu „verankern“. Wenn die Menschen erwarten, dass die Inflation außer Kontrolle gerät, werden sie höhere Löhne fordern, und die Unternehmen werden die Preise erhöhen, um die gestiegenen Kosten zu decken. So entsteht eine gefährliche Rückkopplungsschleife, die Preise und Löhne immer weiter in die Höhe treibt. Wie die 1970er Jahre gezeigt haben, erfordert die Eindämmung der Inflation drastische Maßnahmen, wie z. B. zweistellige Zinssätze, wenn sie erst einmal begonnen hat.

Trotz der höchsten Inflationsraten seit über 40 Jahren blieben die langfristigen Inflationserwartungen relativ stabil, da die Verbraucher den jüngsten Anstieg im Allgemeinen als vorübergehend betrachteten. Dies ändert sich jedoch gerade. Der Verbraucherindex der University of Michigan zeigt, dass die 5-10-Jahres-Inflationserwartungen den höchsten Stand seit 2008 erreicht haben, als die Inflation bei rund 6% lag und der Ölpreis fast 150 US-Dollar je Barrel betrug. Im Gegensatz zum Inflationsschub in den Jahren 2021-2023, der sich nicht wesentlich auf die langfristigen Erwartungen auswirkte, steigen die aktuellen Verbrauchererwartungen für die künftige Inflation rapide an und erreichen ein 17-Jahres-Hoch.


Die Auswirkungen auf Anleiherenditen und Laufzeitprämien

Wenn Anleiheinvestoren glauben, dass die Inflation steigen wird, werden sie höhere Zinsen für längerfristige Anleihen verlangen, um das erhöhte Risiko einer zukünftigen Inflation zu kompensieren, die den Wert ihrer Anlage schmälert. Diese zusätzliche Rendite wird als Laufzeitprämie bezeichnet. Es handelt sich dabei um die zusätzliche Rendite, die Anleger für das Halten von Anleihen mit längerer Laufzeit verlangen, verglichen mit einer wiederholten Wiederanlage in Schuldtitel mit kürzerer Laufzeit. Die Laufzeitprämie war über ein Jahrzehnt lang kein großes Problem, aber das ändert sich jetzt. Eine steigende Laufzeitprämie signalisiert, dass die Regierungen die Kontrolle über ihre Anleihemärkte verlieren.

Mitte bis Ende der 1960er Jahre, bevor die Inflation in die Höhe schoss, lag die 10-jährige Laufzeitprämie bei nahezu 0%. Dies bedeutete, dass die Anleger nur ein geringes Risiko deutlich höherer Zinsen im nächsten Jahrzehnt sahen. Anfang der 1980er Jahre jedoch, als die Inflation in die Höhe schoss, war die Laufzeitprämie auf über 5% angestiegen, was die drastisch gestiegenen Inflationserwartungen widerspiegelte.

Die Beziehung zwischen der 10-jährigen US-Staatsanleiherendite und der 10-jährigen Laufzeitprämie ist eindeutig. Besorgniserregend ist, dass die Laufzeitprämie kürzlich ein 10-Jahres-Hoch erreicht hat. Ein weiterer Anstieg wird die Anleiherenditen in die Höhe treiben und sowohl für die Aktien- als auch für die Anleihemärkte ein schwieriges Umfeld schaffen.


Ausblick und Strategie

Nach einer relativ ruhigen Phase für den Anleihemarkt und den US-Dollar (USD) haben diese Märkte in letzter Zeit Anzeichen von Volatilität gezeigt, wobei die Anleiherenditen nahe den Höchstständen von zwei Jahrzehnten liegen. Ein Anstieg der Renditen könnte ein schwieriges Umfeld für Aktien schaffen und möglicherweise den Marktabschwung von 2022 wiederholen.

In Anbetracht dieser Risiken halten wir eine neutrale Allokation in Risikoanlagen derzeit für gerechtfertigt - eine Strategie, die wir seit Ende letzten Jahres in unseren Portfolios umsetzen. Es ist ratsam, geduldig zu sein, die Marktdaten zu beobachten und die Strategien entsprechend anzupassen. Sollten sich Zins-, Dollar- und Inflationssorgen als unbegründet erweisen, wird sich unser Investitionsschwerpunkt wahrscheinlich wieder auf Wachstumsbereiche wie KI, Robotik, Energie für Rechenzentren und Quantencomputer verlagern. Sollten sich diese Bedenken jedoch bewahrheiten, dürften höhere Cash-Positionen die Möglichkeit bieten, zu attraktiveren Bewertungen zu investieren.

Für das Jahr 2025 wird eine erhöhte Volatilität erwartet. Eine sorgfältige Überwachung und ein umsichtiges Risikomanagement sind unerlässlich, um sich in dieser sich entwickelnden Marktlandschaft zurechtzufinden.


© Christopher Puplava
www.financialsense.com



Dieser Artikel wurde am 17. Januarr 2025 auf www.financialsense.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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