QE-Forever
15.12.2025 | Michael Pento
Die letzte Sitzung der US-Notenbank im Jahr 2025 war eine Meisterleistung in Sachen Verschleierung und geldpolitischem Fehlverhalten. Der Vorsitzende Jerome Powell kündigte mit seiner gewohnten Gelassenheit eine weitere Senkung um 25 Basispunkte an, wodurch der Leitzins auf 3,5% bis 3,75% sank. Dies ist die dritte Senkung in Folge seit September, was einer kumulativen Senkung um 75 Basispunkte in nur drei Monaten entspricht. Powell selbst räumte ein: „Der Leitzins liegt nun innerhalb einer breiten Spanne von Schätzungen seines neutralen Werts, und wir sind gut positioniert, um abzuwarten, wie sich die Wirtschaft entwickelt.“ Übersetzung: Die Fed hat ihre Politik an das obere Ende der Neutralität herangeführt, weigert sich jedoch zuzugeben, dass sie damit bereits die Inflation anheizt.
Doch hinter der Schlagzeile über die Zinssenkung verbirgt sich die wahre Geschichte. Der Offenmarktausschuss erklärte, dass die Reservebestände „auf ein ausreichendes Niveau gesunken“ seien und daher Staatsanleihen gekauft würden, um sicherzustellen, dass die Reserven ausreichend bleiben. Im Klartext: Powell hat ein stillschweigendes QE-Programm in Höhe von 40 Milliarden Dollar pro Monat aufgelegt.
Hier geht es nicht um eine neutrale Geldpolitik, sondern um eine heimliche Monetarisierung. Powell hat sich als einer der größten Fälscher in der Geschichte der Fed erwiesen. Die Menschen müssen wissen, dass Powell sich darum sorgt, die Schuldendienstzahlungen für das Finanzministerium zu reduzieren und die Liquidität der Banken aufrechtzuerhalten. Die Mittelschicht kann ihm gestohlen bleiben.
Die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Ausschusses unterstreichen die Verwirrung. Gouverneur Stephen Miran wollte eine Senkung um 50 Basispunkte, während Austan Goolsbee und Jeffrey Schmid für keine Änderung stimmten. Drei Gegenstimmen – die meisten seit sechs Jahren – signalisieren eine gespaltene Fed, die nicht in der Lage ist, ihr doppeltes Mandat mit der Realität in Einklang zu bringen.
Das BIP wächst mit einer Jahresrate von über 3%, die Inflation liegt seit fast fünf Jahren über dem Zielwert, und dennoch besteht Powell auf einer weiteren Lockerung. Wenn die Inflation ein halbes Jahrzehnt lang über 2% liegen kann, warum dann die Eile, die Zinsen zu senken, bevor sie überhaupt unter das Ziel sinkt? Die Glaubwürdigkeit der Fed wird durch ihre asymmetrische Toleranz untergraben – sie tendiert immer zu einer höheren Inflation und niemals zu Zurückhaltung.
Die Märkte stehen nun vor einer gefährlichen Leere. Powells Zinssenkung und sein stillschweigendes QE-Programm sind heute Realität, aber seine Amtszeit endet am 15. Mai 2026, und Trumps Kandidat wird bei der Sitzung am 17. Juni sein Amt antreten. Bis dahin müssen sich die Anleger in einem politischen Vakuum zurechtfinden, in dem Powells QE entweder nicht ausreicht, um die Kreditmärkte liquide zu halten, oder zu weit geht, die Inflation in die Höhe treibt und das lange Ende der Zinsstrukturkurve durcheinanderbringt.
Die wirtschaftliche Lage verschärft die Widersprüche nur noch. Laut Charles Schwab ist die Ablehnungsquote für alle Arten von Krediten – Hypotheken, Kreditkarten, Autokredite – auf einen historischen Höchststand von 24,8% gestiegen. Unterdessen meldet Challenger, Grey & Christmas für dieses Jahr mehr als 1,1 Millionen Entlassungen, die schlimmsten Zahlen seit dem Pandemiejahr 2020.
Dies sind keine Anzeichen für eine Wirtschaft, die eine lockerere Politik benötigt – es sind Anzeichen für strukturelle Schwächen, die durch geldpolitische Maßnahmen nicht behoben werden können. Eine Zinssenkung bei gleichzeitigem Kreditverbot und steigenden Entlassungen ist so, als würde man Benzin ins Feuer gießen und es Wasser nennen.
Powells Verteidiger argumentieren, dass die Fed ein Gleichgewicht zwischen den Risiken für die Beschäftigung und der Inflation herstellen muss. Aber die eigenen Prognosen der Fed zeigen ein BIP-Wachstum von über 3% und eine weiterhin hohe Inflation. Der Arbeitsmarkt kühlt sich zwar ab, bricht aber nicht zusammen.
Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,4% und ist damit kaum katastrophal. Die Besessenheit der Fed von präventiven Lockerungsmaßnahmen offenbart ihre wahre Voreingenommenheit: Sie ist kein neutraler Vermittler der Stabilität, sondern ein politischer Akteur, der verzweifelt versucht, die Vermögenspreise zu stützen, um Powells Vermächtnis zu stärken.
Die Auswirkungen für Anleger sind gravierend. Powells 40-Milliarden-Dollar-QE-Programm mag zwar vorübergehend die Kreditmärkte schmieren, birgt jedoch die Gefahr, die Inflation wieder anzukurbeln. Steigen die Inflationserwartungen, könnte die Zinsstrukturkurve explosionsartig ansteigen, was langfristige Staatsanleihen untergraben und Aktien destabilisieren würde.
Umgekehrt könnte die Liquidität versiegen, wenn die QE-Maßnahmen die verschärften Kreditbedingungen nicht ausgleichen können, wodurch übermäßig verschuldete Sektoren einem Zusammenbruch ausgesetzt wären. Beide Ergebnisse würden Chaos zur Folge haben.
Ich warne seit langem davor, dass die Sucht der Fed nach geldpolitischer Manipulation zu Boom- und Bust-Zyklen führt. Die heutige Sitzung bestätigt, dass Powell bereit ist, Glaubwürdigkeit zugunsten von Opportunismus zu opfern.
Er senkt die Zinsen, startet unter dem Deckmantel der Reserveverwaltung ein QE-Programm und überlässt es den Märkten, zu erraten, was als Nächstes kommt. Wie Powell selbst sagte: „Die Geldpolitik folgt keinem vorgegebenen Kurs, und wir werden unsere Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung treffen.“ Das ist keine Orientierungshilfe – das ist Abdankung.
Mit Blick auf das Jahr 2026 sind die beiden zu beobachtenden Kennzahlen klar:
1. Liquidität des Kreditmarktes – Wird Powells QE ausreichen, um die fragile Kreditblase zu stützen?
2. Inflationsentwicklung – Wird ein Volumen von 40 Milliarden Dollar im Monat die Preise noch weiter in die Höhe treiben und Chaos auf dem Anleihemarkt verursachen?
Vorerst gebietet es die Vorsicht, eine Netto-Long-Position beizubehalten, jedoch mit Absicherungsmaßnahmen. Die Fed hat erneut Inflation vor Disziplin und Liquidität vor Glaubwürdigkeit gestellt. Anleger müssen sich auf Volatilität einstellen, denn Powells vorgetäuschte Ruhe täuscht über einen Sturm hinweg.
© Michael Pento
www.pentoport.com
Der Artikel wurde am 11. Dezember 2025 auf www.pentoport.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.