Der Krieg um Rohstoffe und Hegemonie - eine neue Zeitrechnung
09.01.2026 | Marc Friedrich

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Hinzu kommt der währungspolitische Aspekt. Das Dollar-System lebt nicht nur von Vertrauen, sondern von struktureller Nachfrage. Jahrzehntelang war Öl einer der größten Nachfragemotoren für den US-Dollar. Wenn diese Nachfrage bröckelt, wird das Schuldensystem der USA angreifbarer. Kontrolle über reale Güter wie Energie und Rohstoffe ist deshalb auch Währungspolitik. Venezuela wirkt hier wie ein Hebel, um Dollar-Nachfrage wieder an reale Ströme zu koppeln.
All das fügt sich nahtlos in ein sehr altes, aber nie aufgegebenes Denken ein: die Monroe-Doktrin. Der Anspruch der USA, externe Mächte aus der westlichen Hemisphäre fernzuhalten, war nie Geschichte, sondern lediglich eingefroren. Nun wird er reaktiviert. Lateinamerika ist aus US-Sicht kein neutrales Ausland, sondern sicherheitspolitischer Vorraum. Der wachsende Einfluss Chinas und Russlands war für Washington nicht länger akzeptabel.
Bedeutung für die Märkte
Für die Märkte ist diese Entwicklung eindeutig. Kontrolle über Ölpreise wirkt inflationsdämpfend, senkt den Druck auf Notenbanken und schafft mittelfristig Raum für niedrigere Zinsen. Das ist ein positives Umfeld für Aktien, Edelmetalle und Bitcoin. Gold und Silber profitieren nicht trotz, sondern wegen niedriger Inflation, da diese mehr monetären Stimulus ermöglicht. Zentralbanken kaufen weiter Gold, während Staaten sich zunehmend gegen geopolitische Risiken absichern.
Der US-Dollar bleibt dominant, aber nicht mehr selbstverständlich. Er wird verteidigt, nicht mehr einfach akzeptiert. Ein klassisches Merkmal des Fourth Turning. Diversifikation, Gold, alternative Abrechnungssysteme nehmen zu. Öl selbst wird zur steuerbaren Reserve, mit der Preise gezielt beeinflusst werden können.

Das Beispiel Venezuelas macht damit unmissverständlich klar: Die Spielregeln haben sich geändert. Politik, die auf Ideologie, Umverteilung und moralische Narrative setzt, funktioniert nur in einer Welt stabiler Globalisierung. Diese Welt existiert nicht mehr. In einer Phase hoher Schulden, knapper Ressourcen und offener Machtkonkurrenz zählt nicht, was gut klingt, sondern was real funktioniert.
Wer reale Werte kontrolliert, behält Souveränität. Wer sich auf Versprechen verlässt, verliert Handlungsspielraum. Das gilt für Staaten genauso wie für jeden Einzelnen.
Die beschleunigte Flucht in Sachwerte ist keine Mode, sondern eine logische Reaktion auf eine neue Weltordnung. Und genau in solchen Phasen entsteht langfristig Vermögen – nicht durch politische Heilsversprechen, sondern durch Eigentum an realen, begrenzten Werten, was das Narrativ des von mir prognostizierten Rohstoffsuperzyklus weiter befeuert. Silber wird langfristig dreistellig werden, Gold wird langfristig fünfstellig werden und auch Bitcoin wird als digitaler Rohstoff seinen Platz in der Welt der limitierten Werte finden.

© Marc Friedrich
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