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Eine Blase, die zum Himmel stinkt

20.10.2013  |  Manfred Gburek
Die vermeintliche Rettung der USA vor der Staatspleite hat mir in den vergangenen Tagen keine Ruhe gelassen. Also habe ich noch einmal wichtige Daten unter die Lupe genommen und bin dabei zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen. Zum Beispiel sitzen die Amerikaner auf einem Schuldenberg von insgesamt gut 16,7 Billionen Dollar. Das entspricht einer Verdoppelung in den vergangenen sieben Jahren.

Donnerwetter, werden Sie sich jetzt fragen, wie haben die das nur geschafft? Zu einem erheblichen Teil mit Staatsanleihen. Deren wichtigste Besitzer, sprich Gläubiger der USA, waren einmal die Japaner, zu denen sich im Zuge der Globalisierung die Chinesen gesellten. Dagegen sind es heute die Amerikaner selbst. Sie besitzen über ihre Notenbank Fed nahezu 2 Billionen Dollar an US-Staatsanleihen, und Monat für Monat kommen im Zuge ihrer ultralockeren Geldpolitik, Quantitative Easing oder kurz QE genannt, 85 Milliarden Dollar hinzu. Davon fließt ein großer Teil weiterhin in diese Anleihen, ein anderer in amerikanische Aktien.

Der erfolgreiche Vermögensverwalter Jens Ehrhardt hat neulich vorgerechnet, dass die Gewinne der US-Unternehmen in diesem Jahr nur um durchschnittlich 5 Prozent, die Aktienkurse dagegen um 18 Prozent gestiegen sind. Zu dieser Blasenbildung hat die Fed kräftig beigetragen, Ende offen. Japan handhabt es ähnlich, von China kann man es zumindest vermuten. Und die Europäische Zentralbank unternimmt über die Käufe von Anleihen hoch verschuldeter Euroländer alles, damit die Unternehmen dort, deren Aktien inbegriffen, nicht in ein tiefes Loch fallen.

Welche Ausmaße die Blase noch annehmen kann, bleibt derweil offen. Bei Aktien gab es jedenfalls immer wieder mal Blasenbildungen. In den USA beispielsweise zu Beginn der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als die zu den "Nifty fifty" (sinngemäß etwa: modische 50) gehörenden Aktien irrsinnig hoch bewertet wurden, darunter Xerox und Polaroid, von denen junge Börsianer nicht einmal mehr die Namen kennen. Dafür hat das Jungvolk um die Jahrtausendwende den Irrsinn am Neuen Markt und an der Nasdaq mitgemacht.

Beide Male war die Zeit günstig für Goldkäufe. Und heute? Lassen wir auch hier erst die Zahlen sprechen, allerdings mit größter Vorsicht, denn sie vermitteln nur einen Teil der Wahrheit. Nehmen wir uns dazu die Oktober-Statistik des World Gold Council mit den offiziellen Goldreserven vor. Darin stehen die USA, seit Jahren unangefochten, an erster Stelle, aktuell mit 8133,5 Tonnen. Diese entsprechen beim Goldpreis von 1300 Dollar je Unze (31,1 Gramm), um den die Notierungen sich in den vergangenen Tagen bewegt haben, einem Wert von zirka 340 Milliarden Dollar. Verrückte Welt: Dieser Wert bedeutet, dass die US-Notenbank Fed über ihr QE-Programm in nur vier Monaten jeweils 85 Milliarden Dollar in die Märkte zu pumpen braucht, und schon erreicht sie einen Betrag, der den ganzen Goldschatz der USA repräsentiert.

Wie erwähnt, können Statistiken nur einen Teil der Wahrheit vermitteln. Doch wenn sie dies derart eklatant tun, stinkt offenkundig etwas zum Himmel. Und selbst wenn man all die Tonnen an Gold, über die der Internationale Währungsfonds, Deutschland, Italien, Frankreich und andere Länder verfügen, die sich mehr oder weniger der Freundschaft der Amerikaner (und umgekehrt) erfreuen, kommt bestenfalls ein Betrag zusammen, der gerade mal acht Monate à 85 Milliarden Dollar aufwiegt.

Was stinkt zum Himmel? Ganz einfach: die Wertrelationen. Doch damit ist es so eine Sache: Als die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Nifty fifty-Aktien erst auf das 20-, dann auf 30- und 40-Fache stiegen, fand sich immer wieder eine illustre Analystenschar, die genug Gründe erfand, um diese Kennziffern zu rechtfertigen. Als es am Neuen Markt in Deutschland immer mehr zu dreistelligen Kurs-Gewinn-Verhältnissen kam, ersann ein Fondsmanager namens Kurt Ochner einfach das Kurs-Umsatz-Verhältnis, und wieder fanden viele Analysten nichts Anrüchiges daran.

Heute stecken Anleger wie damals in einem Dilemma: Aus den irreführenden Wertrelationen lässt sich nicht ableiten, dass sie zwangsläufig von heute auf morgen korrigiert werden. Man kann allerdings mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Korrektur irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft kommen wird. Die Initialzündung dazu ist allein schon durch die geringsten Andeutungen aus Fed-Kreisen möglich, QE einzudämmen, außerdem durch den weiteren Dollar-Verfall gegenüber dem Euro, durch einen weltweiten Abwertungswettlauf, wie Japan ihn ja bereits zu initiieren versucht hat, durch die Verschärfung des Streits zwischen Republikanern und Demokraten um die Schuldengrenze der USA, aber auch durch einen massiven Goldpreisanstieg, den zu verhindern der verschworenen Gemeinschaft der Amerika-AG eines Tages nicht mehr gelingen könnte. Darüber hinaus sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Man braucht kein Pessimist zu sein, um daraus zu schließen, dass Aktien- und Anleihenkurse in Erwartung solcher Gefahren ein gewisses Abwärtspotenzial bergen. Aber auch kein Optimist, um weiteres Aufwärtspotenzial zu erkennen, das sich durch die QE-Fortsetzung ergeben kann. So viel steht indes fest: Mit einem ordentlichen Batzen Gold, verwahrt an einer Stelle, die nur Sie und Ihre nächsten Angehörigen kennen, sind Sie auf der sicheren Seite. Wer es etwas volatiler, aber mit größerem Kurspotenzial haben möchte, bevorzugt Edelmetallaktien, wie ich sie hier zuletzt genannt habe.

Wie bringt man die Geduld auf, die erforderlich ist, um auf ein Ereignis zu warten, dessen Eintritt zwar so gut wie sicher erwartet werden kann, aber nicht der Zeitpunkt des Eintritts? 1. Mühevoll durch eiserne Disziplin. 2. Strapaziös intensives Beobachten der Märkte. 3. Ignorant durch Beschäftigung mit Themen weit jenseits der Geldanlage. 4. Anregend durch eine längere Reise irgendwohin auf der Welt. 5. Variabel durch eine Kombination von 1. bis 4. mit mehreren Möglichkeiten.

Ich persönlich neige eher zu 1. und 2., weil ich mich ohnehin ständig mit Geldthemen in allen erdenklichen Konstellationen beschäftige. Das schließt allerdings 4. nicht aus, vorausgesetzt, ich kann einen W-Lan-Anschluss auftreiben. Falls Sie sich für Geldthemen täglich weniger als zwei Stunden Zeit nehmen können, rate ich Ihnen von 1. und 2. ab. Stattdessen sollten Sie für 4. oder 5. votieren. Viel Glück!


© Manfred Gburek
www.gburek.eu

Herr Gburek ist Fachjournalist und Buchautor. Seine letzten Werke waren: "Das Goldbuch" (2005), das Wörterbuch "Geld und Gold klipp und klar von A bis Z" (2007) und "Die 382 dümmsten Sprüche der Banker" (2008).



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