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Marc Faber über die Unvermeidbarkeit einer Finanzkrise

27.12.2013  |  Redaktion
Als außenstehender aber interessierter Beobachter der Geschichte und der Investmentmärkte sei er fasziniert, wie große Ereignisse, die aus längerfristigen Trends erwachsen, oft mithilfe kurzfristiger Ursachen erklärt würden, schreibt Marc Faber über sich selbst in einem Beitrag, der zu Beginn des Monats auf The Daily Reckoning veröffentlicht wurde.

So habe es geheißen, der Erste Weltkrieg sei die Konsequenz der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinands gewesen oder der Zweite Weltkrieg sei von Hitler verursacht worden. In gleicher Weise werde die Inflation nach 1980 der strengen Geldpolitik Paul Volckers zugeschrieben, für den Börsencrash von 1987 werde die Portfolio-Versicherung verantwortlich gemacht und die Asienkrise wie auch den Börsencrash von 1997 schließlich hätten Ausländer durch einen Angriff des Bahts verursacht. Eine genauere Analyse all dieser Geschehnisse jedoch zeige, dass die Ursachen weit komplexer seien und zu jeder Zeit eine gewisse "Unvermeidbarkeit" im Spiel war.

So sei im Sommer des Jahres 1987 eine Korrektur an den Aktienmärkten längst überfällig gewesen, sodass der Dow Jones von seinem Hoch im August 1987 bis zu seinem Tief im Oktober des gleichen Jahres um 41% sank. Dies zeige uns, so der Autor des Gloom, Boom & Doom Reports weiter, dass in längeren Trends erhebliche Korrekturen keine Seltenheit darstellen würden.

Die Asienkrise in den Jahren 1997 und 1998 sei insofern ebenfalls interessant, als dass sie einsetzte, lange nachdem die makroökonomischen Grundlagen Asiens sich zu verschlechtern begannen. Nachdem der Nikkei und der Aktienmarkt Taiwans 1990 ihren Höhepunkt erreichten, ging deren Trend entweder seitwärts oder gar nach unten, bis sich 1994 schließlich andere Aktienmärkte in Asien durchsetzten. In der Tat sei der thailändische SET-Index bereits um 60% von seinem Höchststand im Jahr 1994 gesunken gewesen, als die asiatische Finanzkrise in nur wenigen Monaten für einen 50%-Verlust des Baht sorgte.

Faber gebe er J.R. Hicks Recht, der behauptet habe, mit einer wirklich katastrophalen Depression sei genau dann zu rechnen, wenn eine tiefgreifende Währungsinstabilität vorliegt. Mit einfachen Worten: Eine Finanzkrise, so Faber, ist keineswegs ein Zufall, sondern die Folge einer längeren Zeit der Exzesse - einer expansiven Geldpolitik und/oder einer Fiskalpolitik, die zu übermäßigem Kreditwachstum und übermäßiger Spekulation führe.

In der Regel würden sich die makroökonomischen Umstände lange vor dem Ausbruch einer Krise verschlechtern, so Faber. Im Falle Asiens seien die Bedingungen ab 1988 schlimmer geworden, als die Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse asiatischer Länder umschlugen und 1990 schließlich zum Defizit wurden. Die wirtschaftliche Expansion jedoch setzte sich fort - zum Großteil finanziert durch übermäßiges Auslandskapital.

1994 erhöhte die Fed die Federal Funds Rate von 3 auf fast 6%. Die Folge dessen: Eine Flucht in den Anleihemarkt. So stieg die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen binnen eines Jahres von weniger als 5,5% Ende 1993 auf 8% im November 1994. Im Gegenzug seien die Anleihe- und Aktienmärkte der Schwellenländer eingebrochen. Im Jahr 1994 wurde schließlich offensichtlich, dass die Welt sich allmählich auf dem Weg zu einer Konjunkturflaute befand oder gar zu einer Rezession.

Als Präsident Clinton dann jedoch trotz Gegenwehr des Kongresses entschied, Mexiko mit mehr als 20 Milliarden Dollar aus der Patsche zu helfen, hätten sich die Märkte stabilisiert, so Faber. Die Kredite des US-Finanzministeriums, des Internationalen Währungsfonds und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich summierten sich unterdessen auf 50 Milliarden Dollar.

Die Folge der Rettung Mexikos letztlich, so fährt der Starinvestor fort, sei ein bedeutender Anstieg bei den Anleihen und Aktien, insbesondere denen der Schwellenländer, gewesen. Die Bereitstellung von Auslandskapital habe die wirtschaftliche Expansion dieser Länder zunächst verlängert, zugleich jedoch zu einer weit ernsteren Krise in Asien im Jahr 1997 sowie in Russland und den USA im Jahr 1998 geführt.

Nach Ansicht des Experten hätte Asien bereits 1994 vor dem Aus gestanden. Dass dies durch die Rettung Mexikos zunächst verhindert wurde, hätte verheerende Folgen gehabt, denn die Fremdfinanzierung habe zu einem Ungleichgewicht zwischen Aktiva und Passiva geführt, da erstere in lokalen Währungen vorlagen, letztere dagegen in Fremdwährungen.

Diese Diskrepanz wiederum habe die Asienkrise verschärft, da die Währungen zu schwächeln begannen, nachdem sich Unternehmen gezwungen sahen, ihre lokalen Währungen zum Zwecke der Absicherung gegen Außenhandelsrisiken schnellstmöglich in US-Dollar zu tauschen. Diese Schwächung der asiatischen Währungen wiederum habe zu einer Wertminderung der Sicherheiten geführt und einheimische wie auch ausländische Investoren dazu veranlasst, ihre Anleihen und lokalen Aktien zu liquidieren. Und so sei der Aktienmarkt Indonesiens zwischen 1997 und 1998 um 65% eingebrochen, in US-Dollar dank dem Einsturz der Indonesischen Rupiah sogar um ganze 92%.

Die Moral von der Geschichte? Ereignisse wie diese, so Faber abschließend, würden zeigen, dass Rettungsaktionen wie im Falle Mexikos aufgrund natürlicher Zyklen eine Reihe unangenehmer Konsequenzen und größerer Probleme nach sich ziehen können. Entsprechend sollten die Verantwortlichen etwaige Maßnahmen sparsam und stets mit Bedacht einsetzen.


© Redaktion GoldSeiten.de



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