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Dem Goldpreis auf der Spur

24.08.2014  |  Manfred Gburek
Sobald der Goldpreis sich nur ein bisschen stärker bewegt als üblich, folgen von Seiten diverser Kommentatoren die Begründungen. Das ist dann nicht anders als bei Aktien. Beispielsweise fand das Edelmetall - Derivate inbegriffen - am vergangenen Donnerstag nicht genug Abnehmer, und schon fiel sein Preis vorübergehend unter 1280 Dollar je Unze, die international übliche Messlatte.

Kaum waren die amerikanischen Börsen geschlossen, hieß es, die US-Zinsen würden wahrscheinlich früher als erwartet erhöht; das sei nicht zuletzt den Protokollen zur Sitzung der Notenbank Fed von Ende Juli zu entnehmen. Wem diese Begründung nicht genügte, bekam noch zu hören, Fed-Chefin Janet Yellen werde aus Anlass des traditionellen Treffens der wichtigsten Notenbanken im amerikanischen Bergnest Jackson Hole Klartext zu den Zinsen reden; das könne den Goldpreis weiter nach unten treiben.

Wie Sie merken, herrscht hier der Konjunktiv vor. Er reimt sich tendenziell mit den Preisprognosen, die zuletzt von führenden Investmentbanken abgegeben wurden, denen das Edelmetall ansonsten aber ziemlich schnuppe ist: Goldman Sachs und Credit Suisse für das kommende Jahr 1050 Dollar, Société Générale bis Ende 2015 immerhin 1100 Dollar, Deutsche Bank für dieselbe Zeit sogar 1150 Dollar usw.

Erinnern wir uns: Janet Yellen sagte noch am 15. Juli vor dem Bankenausschuss des amerikanischen Senats nicht mehr und nicht weniger, als dass die US-Leitzinsen bis auf Weiteres niedrig bleiben werden. Eine Notenbankchefin mit derart viel Verantwortung wie sie nimmt nur gut einen Monat später nicht mal eben die Kurve in eine andere Richtung. Und was die Prognosen der Banken angeht: Sie bedeuten nichts.

Aber was bedeutet etwas, was beeinflusst den Goldpreis derzeit am meisten? Wer im Internet gold.org anklickt, wo Statistiken mehrerer Researchhäuser zu finden sind, erhält zumindest eine Teilantwort: Die Nachfrage der Schmuckindustrie ist im zweiten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum selben Vorjahresquartal um 30 Prozent zurückgegangen, die Nachfrage nach Barren und Münzen um 56 Prozent, die gesamte Nachfrage allerdings bloß um 16 Prozent, was in allererster Linie darauf zurückzuführen ist, dass die Nettokäufe der Notenbanken um 28 Prozent gestiegen sind. Dagegen haben sich Anleger, die einen börsengehandelten Fonds (ETF = Exchange Traded Fund) bevorzugen, mit Käufen zurückgehalten; erst in den vergangenen Wochen sind sie per Saldo wieder ein wenig gestiegen.

Die dicksten Brocken bei der Nachfrage entfallen auf die Schmuckindustrie sowie mit gehörigem Abstand auf die Anlage in Barren und Münzen. Üblicherweise hält sich die Nachfrage für Schmuckzwecke - in aufstrebenden Schwellenländern auch als Geldersatz - auf dem Niveau zwischen 500 und 600 Tonnen pro Quartal. Jedoch gab es im zweiten Quartal 2013 mit fast 727 Tonnen einen merklichen Ausreißer nach oben, vor allem zurückzuführen auf den damals deutlich gefallenen Goldpreis. Dadurch erklärt sich der starke Nachfragerückgang beim Vergleich der beiden zweiten Quartale 2013 und 2014. Aktuell kann man jede Wette darauf eingehen, dass die Schmuckindustrie beim nächsten Rückgang des Goldpreises - sollte es überhaupt so weit kommen - wieder antizyklisch zugreifen wird.

Das Goldangebot ist unter anderen Auspizien zu betrachten als die Goldnachfrage. Auf der Angebotsseite dominieren bekanntlich die Minen, ohne dass allerdings einzelne von ihnen den Preis beeinflussen können (weshalb sie im Branchenjargon als "price taker" bezeichnet werden). Sie können das Edelmetall, vereinfacht gesagt, direkt oder per Termin verkaufen. Im zweiten Fall sichern sie sich einen festen Preis. Das war besonders in den 90er Jahren gang und gäbe. Nun schon wieder? Die Researchfirma GFMS hat das zuletzt angedeutet.

Von daher gesehen, bedingt durch das sogenannte "net hedging", kann man mit einem gewissen Druck auf den Goldpreis rechnen. Wird der Preisdruck dazu führen, dass es demnächst zu nur noch dreistelligen Notierungen kommt? Um eine Antwort gleich vorweg zu geben: Das ist allein schon deshalb unwahrscheinlich, weil die 90er Jahre sich nicht wiederholen werden. Denn nach den damaligen Erfahrungen kann kein Minenchef riskieren, dass ihm der Preis kurzfristig wie im September 1999 und nachhaltig wie von 2001 bis 2011 davonläuft, während die Mine an einen viel niedrigeren Preis gefesselt bleibt.

Es gibt indes noch eine weitere Antwort zu Angebot und Nachfrage nachzutragen, und die hat es mit nur einem Wort in sich: China. Das Riesenreich ist mittlerweile weltgrößter Produzent wie auch weltgrößter Importeur von Gold. Sein rasantes Wirtschaftswachstum basiert auf einem Kreditboom, den das Land nicht abrupt beenden kann, ohne einen Crash zu riskieren. Also wird es die Geldschleusen allen gegenteiligen Behauptungen von dritter Seite zum Trotz weit geöffnet lassen. Das ist die eine Seite der chinesischen Goldmedaille. Die andere: Schwäche der eigenen Währung Renminbi und daraus resultierend etwas mehr Inflation.

Unter diesen Umständen muss China versuchen, Misstrauen in den Renminbi erst gar nicht aufkommen zu lassen. Das kann am besten durch dessen Unterlegung mit Gold funktionieren. Zuverlässige Statistiken dazu gibt es nicht, weil das Land viel Gold auf Umwegen kauft. Die vom World Gold Council, der internationalen Gold-Interessenvertretung, zu den vergangenen chinesischen Goldkäufen veröffentlichten Zahlen ergeben zwar nur vage Anhaltspunkte; aber die Prognosen, ermittelt von derselben Quelle, sind imposant. So sollen die privaten Käufe der Chinesen in drei Jahren mindestens 1350 Tonnen erreichen.

Man stelle sich nur vor: Erst 2004 wurde der private Goldbesitz in China wieder erlaubt, nachdem er seit 1950 verboten war. Was für eine Nachfragewelle da in den nächsten Jahren auf den Markt zukommt, nachdem sie bereits bis 2011 übergeschwappt war, lässt sich nur mit viel Phantasie abschätzen. Wobei noch zu ergänzen wäre, dass die Kommunistische Partei Chinas die privaten Anleger in etwas fernerer Zukunft quasi mit einem Federstrich zwingen kann, das angesparte Gold abzugeben.

Unter den hier geschilderten Umständen kann China aktuell kein Interesse an einem höheren Goldpreis haben; der soll ja möglichst lange niedrig bleiben, damit das Land und seine Bewohner sich mit dem Edelmetall geradezu vollsaugen. Wie lange diese Phase dauern wird, ist zwar nicht abzusehen, aber ein - nur hin und wieder unterbrochenes - Warten auf den nächsten Preisauftrieb wie zwischen 1980 und 1999 ist ausgeschlossen. Eher wird der Goldpreis uns allen schon in den nächsten zwei bis drei Jahren um die Ohren fliegen. Bestes Indiz: Die chinesische Regierung hat ihre Bürger zuletzt wiederholt aufgefordert, den niedrigen Goldpreis für Käufe zu nutzen.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu

Herr Gburek ist Fachjournalist und Buchautor. Seine letzten Werke waren: "Das Goldbuch" (2005), das Wörterbuch "Geld und Gold klipp und klar von A bis Z" (2007) und "Die 382 dümmsten Sprüche der Banker" (2008).



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