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Der Kampf gegen das Bargeld und die Auswirkungen auf das Gold

22.02.2016  |  Thorsten Proettel
Thema seit einigen Jahren virulent

Pressebereichte über eine mögliche Abschaffung des Bargelds sind nichts Neues. Ungefähr seit Anfang dieses Jahrzehnts erscheinen in unregelmäßigen Abständen immer wieder Artikel über die angebliche Fortschrittlichkeit von Dänemark und Schweden mit der dort schon bestehenden fast bargeldlosen Wirtschaft.

Umgekehrt wird versucht, die Rückständigkeit von Münzen und Scheinen zu demonstrieren oder es wird regelrecht vor den negativen Folgen des Bargelds gewarnt. Neben kuriosen Argumenten wie der vom Kreditkartenanbieter MasterCard finanzierten Studie über Bakterien auf europäischen Geldscheinen vom März 2013 lauten die Schlagwörter meistens Verbrechensbekämpfung und Terrorabwehr.


Obergrenze für Barzahlungen

Der bislang eher theoretische Diskurs über eine Bargeldabschaffung ist nun innerhalb von wenigen Tagen ein Stück weit Realität geworden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble fordert die Einführung einer Obergrenze für Barzahlungen in Höhe von 5.000 Euro. Höhere Beträge dürften demnach nur auf solchen Wegen übertragen werden, die elektronisch Datenspuren für Finanzämter, Verfassungsschützer, Geheimdienste und all die anderen Behörden mit Informationsinteresse hinterlassen. Presseberichten zufolge diskutierte Schäuble seinen Vorstoß bereits mit seinen EU-Ministerkollegen.

Sollte er verwirklicht werden, wovon momentan auszugehen ist, dann könnte dieser Schritt übrigens als Teil der europäischen Harmonisierung bezeichnet werden. In einer ganzen Reihe unserer Nachbarstaaten existieren bereits heute Obergrenzen für Barzahlungen (siehe Tabelle).

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500-Euro-Note wird abgeschafft

Der zweite Schlag gegen das Bargeld ging von EZB-Chef Mario Draghi aus, der die Abschaffung der 500-Euro-Note kürzlich ins Spiel gebracht hat. Während Pressemeldungen zufolge anfänglich nur noch offen stand, mit welchen Argumenten dieser Schritt begründet werden solle, ist die offizielle Begründung sogar jüngst in den Hintergrund gerückt. Es geht vielmehr um praktische Details.

Beispielsweise stellt sich die Frage, ob lediglich auf die Herstellung neuer 500-Euro-Noten verzichtet wird oder ob auch alte Banknoten irgendwann ihren Wert verlieren werden. Der erste Fall würde der in Deutschland üblichen Verfahrensweise entsprechen. So können alte D-Mark-Noten weiterhin unbegrenzt in Bundesbank-Filialen umgetauscht werden. Ein Verfallsdatum für Geldscheine gab es hierzulande in der jüngeren Geschichte dagegen nicht.


Trend zu kleinen Nominalen trotz fortwährender Geldentwertung

Auch die Abschaffung des 500-Euro-Scheins könnte als Angleichung an internationale Gepflogenheiten dargestellt werden, da in vielen Staaten selbst die größten Banknoten einen vergleichsweise geringen Gegenwert haben. In den USA ist dies die 100-USD-Note mit einem aktuellen Gegenwert von circa 90 Euro und in Großbritannien der 100-GBP-Schein, der etwa 129 Euro entspricht. Der geringe Gegenwert ist zumindest teilweise der Geldentwertung geschuldet.

Beispielsweise hat die in der Diskussion stehende 500-Euro-Note bereinigt um die offizielle Inflationsrate heute nur die Kaufkraft, die ein 500-DM-Schein im Jahr 1980 hatte. Vor diesem Hintergrund müsste aktuell weniger über die Abschaffung der 500-Euro-Banknote, sondern eher über die Einführung eines 1.000-Euro-Scheins gesprochen werden.


Große Scheine früher üblich

Früher waren große Nominale übrigens keine Seltenheit. In Deutschland gab es ab 1881 den 1.000-Mark-Schein, der gemessen am Goldwert eine Kaufkraft wie heute 12.000 Euro hatte. In Österreich kursierte in dieser Zeit die 1.000-Gulden-Note mit fast doppelt so hohem Gegenwert. Und das höchste für den massenhaften Gebrauch hergestellte Nominal war vermutlich die schon in den 1870er Jahren umlaufende 1.000 USD-Note mit einem heutigen Gegenwert von etwa 50.000 Euro.


Begründungen unglaubwürdig

An dieser Stelle muss wohl kaum ausführlich dargestellt werden, dass die von Politik und Notenbank genannten Argumente für beide Maßnahmen nicht die wahren Gründe sein können. Wer im großen Stil kriminelle Geschäfte wie beispielsweise den Rauschgifthandel betreibt, der dürfte sich kaum davon abhalten lassen, nur weil die Barzahlung über 5.000 Euro illegal geworden ist.

Und wenn bislang für unerlaubte Transaktionen 500-Euro-Scheine verwendet wurden, dann können Kriminelle auch einfach auf kleinere Nominale ausweichen. Der ehemalige Berater der Bundesregierung, Bert Rürup, kommentierte im Handelsblatt, "Man müsste an der Intelligenz unserer Politiker und Notenbanker zweifeln, wenn sie mit der Abschaffung der großen Geldscheine und den Bargeldobergrenzen wirklich nur den Terrorismus und die organisierte Kriminalität bekämpfen wollten."


Deutliche Leitzinssenkungen geplant?

Über die wahren Gründe für die vorgeschlagenen Neuerungen wurden bereits Hypothesen aufgestellt, die noch vor ein paar Jahren als Verschwörungstheorien abgelehnt worden wären, die heute aber durchaus plausibel erscheinen. Der scheidende Präsident des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sieht die Maßnahmen als Vorbereitung für die Einführung deutlich negativer Zinsen in der Eurozone an. Bislang ist nur der Einlagensatz für Geschäftsbanken bei der EZB mit -0,3% im negativen Bereich.

Der viel wichtigere Hauptrefinanzierungssatz für Kredite der EZB an Geschäftsbanken liegt mit 0,05% dagegen noch oberhalb der Nulllinie. Würden die Zinssätze zukünftig beispielsweise in den Bereich von -2% oder -3% gesenkt werden, dann müssten die Banken praktisch allen Kunden Strafzinsen für Guthaben berechnen. Mit Bargeld könnten sich Sparer und institutionelle Anleger der Enteignung entziehen. Aber gerade bei großen Beträgen wird die Lagerung umso aufwändiger und kostspieliger, je geringer der Gegenwert der Papierscheine ist.

Durch die Abschaffung des 500-Euro-Scheins und später vielleicht auch der 200-Euro-Note wachsen deshalb die Spielräume der EZB zur Enteignung von Sparern. Man muss der Notenbank für diesen Schritt nicht einmal Böswilligkeit unterstellen. Sie würde damit nämlich gleichzeitig sehr positive Wirkungen auslösen, beispielsweise für Staaten und private Schuldner.


Angst vor Bankruns?

Von Volkswirten kontrovers diskutiert wurde in den letzten Tagen die Frage, ob eine Bargeldeinschränkung eine Maßnahme gegen Bankruns sein könnte. Bei diesen panikartigen Geldabhebungen durch verunsicherte Sparer spielte Bargeld bislang die Hauptrolle. Natürlich wäre ein Bankrun auch durch die bargeldlose Überweisung von Sparguthaben auf eine andere Bank oder durch den Kauf von Wertpapieren vorstellbar.

Die Sparer bleiben bei diesen Optionen aber immer auf die Finanzwirtschaft angewiesen. Ein Abzug von Vermögen aus dem Bankensystem wäre jedoch sehr viel schwieriger. Dieser Punkt ist deshalb nicht unbedeutend, da die europäischen Regelwerke für insolvente Banken vorsehen, dass mindestens 8% der Einlagen (über 100.000 Euro) zur Bankenrettung enteignet werden müssen, bevor staatliche Hilfen gewährt werden können.


Bedeutung von Gold wächst

Welche Auswirkungen auf das Gold haben die geplanten Maßnahmen beziehungsweise die dahinter stehenden Absichten? Grundsätzlich steigt die Bedeutung des gelben Edelmetalls als Mittel der Wertaufbewahrung an. Der bisherige größte Nachteil von Gold, keine Zinsen abzuwerfen, wird bei einer weiteren Absenkung der Leitzinsen sogar zu einem Vorteil: Gold kostet nämlich auch keine Negativzinsen. Zweitens könnte es gegebenenfalls für diejenigen Anleger interessant werden, auf Gold auszuweichen, die seit Beginn der Finanzkrise 2008 zur Absicherung für unvorhersehbare Ereignisse 500-Euro-Scheine in Bankschließfächern oder Tresoren aufbewahren.

Die Auswirkungen auf die zukünftige Entwicklung des Goldpreises dürften jedoch beschränkt bleiben. Selbst wenn das Edelmetall hierzulande zukünftig eine wichtigere Rolle in der Vermögensplanung spielen sollte, bleiben die sehr viel größeren Märkte in Asien vermutlich entscheidend. Der Anteil Deutschlands an der weltweiten Goldnachfrage bewegte sich in den letzten Jahren nur im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich.

Ein Wehrmutstropfen bleibt jedoch: Eine Bargeldeinschränkung kann nur dann ihre Zwecke entfalten, wenn mögliche Schlupflöcher geschlossen werden. Edelmetalle als ideale Alternative und ursprüngliche Variante unserer heutigen Zahlungsmittel könnten deshalb langfristig ebenfalls in das Visier von Notenbank und Politik geraten.


© Thorsten Proettel
Commodity Analyst

Quelle: Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart



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