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Silber: Die letzte gute Kaufgelegenheit?

26.07.2016  |  Adam Hamilton
Die neue Silberhausse kam nur nur langsam in Fahrt und hinkte zunächst hinter den Kursgewinnen von Gold her - der typische Beginn eines Bullenmarktes im Edelmetallsektor. Doch vor Kurzem ist das weiße Metall in die Höhe geschossen und hat den Rückstand in einer rekordverdächtigen Sommerrally aufgeholt. Das hatte zur Folge, dass Silber nun stark überkauft ist, und aufgrund des Verkaufsüberhangs von Silber-Futures an den Terminbörsen und der saisonal bedingt ungünstigen Marktlage im Spätsommer besteht jetzt die Gefahr einer baldigen Kurskorrektur.

Silber ist eine Art Mysterium. Den globalen Angebots- und Nachfragedaten zufolge handelt es sich eindeutig um ein weiteres Industriemetall. Nach Angaben des Silver Institute, welches die weltweit besten Informationen zu den Fundamentaldaten des Silbermarktes sammelt, hatten industrielle Anwendungen im letzten Jahr einen Anteil von 50,3% an der Gesamtnachfrage. Auf dem zweiten Platz folgte die Nachfrage nach Münzen und Barren mit 25,0%, während 19,4% allen Silbers zur Herstellung von Schmuck verwendet wurden. Der überwiegende Teil der Minenproduktion wird jedoch verbraucht, nicht als Wertanlage gehortet.

Was die Angebotsseite betrifft, stammten den Daten des Silver Institute zufolge nur 30% des 2015 weltweit geförderten Silbers aus Minen, die primär dieses Edelmetall gewinnen. Der Großteil fällt dagegen als Beiprodukt beim Abbau von unedlen Metallen und Gold ab. Die Minengesellschaften, die Silber nur als Nebenprodukt gewinnen, messen dem weißen Metall oft so wenig Wert bei, dass sie es zu relativ niedrigen Preisen an Streaming-Unternehmen verkaufen. Das klingt nicht gerade, als würde es sich um ein Edelmetall handeln.

Konträr denkende Investoren lieben ihr Silber dennoch mit einer Begeisterung, die man an anderen Märkten vergeblich sucht. Der Silbermarkt ist winzig und der Kurs äußerst volatil. Mit den periodischen Preisanstiegen können Anleger also in kurzer Zeit große Gewinne erzielen. Bei dem durchschnittlichen Silberpreis von 15,68 $ im Jahr 2015 entsprachen die 1,17 Milliarden Unzen, die weltweit nachgefragt wurden, gerade einmal einem Wert von 18,4 Milliarden Dollar. Im Verhältnis zu den großen Kapitalmärkten ist das nur ein Rundungsfehler, bedeutet jedoch auch, dass der Silberkurs über enormes Aufwärtspotential verfügt.

Es sind keine sonderlich hohen Kapitalzuflüsse seitens der Investoren nötig, um den Silberpreis nach oben zu katapultieren. Als Katalysator fungiert meist der Goldkurs: Wenn dieser steigt, geht es auch für Silber aufwärts, da die Investoren und Spekulanten am Silbermarkt nur darauf warten, dass der Goldpreis ein Kaufsignal sendet. Sie strömen erst an den Silbermarkt, wenn der Goldkurs lange und weit genug gestiegen ist, um sie davon zu überzeugen, dass es sich um einen längeren Aufwärtstrend handelt. Die Entwicklung des Silberkurses ist gegenüber Gold daher verzögert.

Das war auch bei der neuen Hausse der Fall. Mitte Dezember 2015, zur Zeit der ersten Zinserhöhung in den USA seit 9,5 Jahren, haben Gold und Silber im Abstand von nur wenigen Tagen jeweils einen langfristigen Boden erreicht: Gold notierte dabei auf dem tiefsten Stand seit 6,1 Jahren, Silber verzeichnete ein 6,4-Jahres-Tief. Niemand wollte damals mit den Edelmetallen noch etwas zu tun haben - die Investoren hatten sie abgeschrieben. Ich habe Ende letzten Jahres dagegen argumentiert und hervorgehoben, wie stark unterbewertet Silber im Verhältnis zu Gold war. Das weiße Metall notierte auf dem gleichen Niveau wie kurz nach dem Börsencrash von 2008.

Diese niedrigen Kurswerte hatten schon Ende 2008, während des epischen Mahlstroms der Angst, den der Jahrhundertcrash ausgelöst hatte, nicht lange Bestand. Ohne eine vergleichbare Panik an den Märkten konnten sie mit mit Sicherheit nicht zum Dauerzustand werden.Tatsächlich startete Silber nicht sehr viel später eine neue Rally, doch in den ersten Monaten dieses Jahres konnte das weiße Metall mit den Kursgewinnen von Gold nicht mithalten. Anfang März erfüllte der Goldkurs mit einem Plus von 21% seit seinem langfristigen Tief die formalen Bedingungen eines neuen Bullenmarktes, doch Silber konnte nur einen Anstieg um bestenfalls 15% vorweisen.

Da Silber die Kursgewinne von Gold aufgrund seines viel kleineren Marktes noch verstärken kann, war die Performance zu Jahresbeginn wirklich eher enttäuschend. Nach Angaben des World Gold Council belief sich die Gesamtnachfrage nach Gold im Jahr 2015 auf 4.193,1 Tonnen. Beim durchschnittlichen Preis von 1.159 $ je Unze im letzten Jahr entspricht das einer Marktgröße von 156,3 Milliarden $. Damit ist der Goldmarkt 8,5 mal größer als der Silbermarkt. Jeder Dollar an Investmentkapital, der in den Silbermarkt fließt, hat also eine 8,5 mal größere Wirkung als ein Dollar am Goldmarkt.

Zu Anfang April lag der Goldkurs gegenüber seinen Tiefstständen 21,0% im Plus, während Silber nur 16,1% zugelegt und damit noch nicht einmal offizielles Bullenmarkt-Territorium erreicht hatte. Einige Silberinvestoren wurden dadurch entmutigt, aber sie hatten keinen echten Grund zur Sorge. Silber hinkt dem Goldkurs immer hinterher. Der Kurs verhielt sich wie eine zusammengepresste Sprungfeder, die jederzeit in die Höhe schnellen konnte. Im April verbesserte sich die Performance des weißen Metalls dann endlich und Ende des Monats notierte Silber 30,1% über seinen Tiefs, während Gold insgesamt 23,1% gestiegen war.

Nach der blendenden Rally im April und der offiziellen Bestätigung der Hausse war Silber überkauft und gab im Mai wieder nach. An die Kursentwicklung im Sommer hatte ich keine großen Erwartungen, weil Silber im Juni, Juli und August auf eine lange Geschichte der Seitwärtsbewegungen zurückblickt, selbst während der stärksten Bullenmärkte. Dennoch widersetzte sich Silber dem Trend der Sommerflaute und schoss im Juni und Anfang Juli nach oben. Mitte Juli war der Kurs 48,7% über sein langfristiges Tief gestiegen!

Zu diesem Zeitpunkt hatte Gold im Rahmen des jungen Bullenmarktes maximal 29,9% zugelegt, d. h. der Zugewinn der Silberpreise betrug nur das 1,63fache der Goldpreise. Da ist noch immer relativ wenig, da Silber die Anstiege des Goldkurses üblicherweise um das Zwei- bis Dreifache verstärkt. Eine Verdopplung der prozentualen Gewinne ist typisch, eine Verdreifachung kommt von Zeit zu Zeit vor, wenn Silber beliebt genug wird, um sowohl das Interesse der Investoren als auch die Fantasie der Spekulanten zu entfachen. Die Verdopplung der Kursgewinne von Gold steht zwar noch aus, aber Silber holt definitiv auf.

Die Trader, die das weiße Metall jetzt mit deutlich mehr Begeisterung beobachten als noch Anfang April, fragen sich nun, wie es am Silbermarkt weitergeht. Nach der starken, antizyklischen Rally ist Silber derzeit sehr überkauft. Ein Kursrücksetzer oder eine gesunde Korrektur ist daher wahrscheinlich. Doch langfristig betrachtet haben wir bislang nur den Beginn des Bullenmarktes erlebt. Historisch gesehen verzeichnet der Silberkurs seine größten Gewinne zudem immer gegen Ende einer Hausse, nicht am Anfang.


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