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Wohlstandsgefälle und Spekulationsblasen: Vom Versagen des Systems

05.10.2016  |  Chris Martenson
Manchmal frage ich mich, ob jemals eine Zeit kommen wird, in der es nichts Neues mehr über die Wirtschaft zu sagen gibt. Es ist schon seit Langem nichts Interessantes mehr geschehen. Unsere liquiditätstrunkenen "Märkte" sind aufgrund der chronischen Interventionen des globalen Zentralbankenkartells, das ein ums andere Mal bewiesen hat, dass es auch nicht den kleinsten Rückgang der Kurse tolerieren wird, nach wie vor überbewertet. Wenn Sie mit meinen Beiträgen vertraut sind, wissen Sie, dass ich das Wort "Märkte" in Anführungszeichen setze, weil die legitime Preisfindung nicht länger zu den charakteristischen - oder auch nur erkennbaren - Eigenschaften unseres Finanzsystems zählt. Es ist dem Untergang geweiht. Was sonst ließe sich noch über ein derart fehlerhaftes System sagen?

Nun, eine ganze Menge. Und jegliche Versäumnis, dieser Phase der wirtschaftlichen und ökologischen Geschichte unserer Welt die volle Aufmerksamkeit zu schenken, wird sich als äußerst schwerer Fehler erweisen.


Der Anfang vom Ende

Für uns, die wir an die Bedeutung von Fundamentaldaten glauben, waren es sieben lange Jahre, denn diese spielen schon seit geraumer Zeit keine Rolle mehr. Uns in der Realität verhafteten "Fundamentalisten" blieb nicht viel anderes übrig, als auf die Parade der politischen Fehlentscheidungen und die ungeschickten Marktmanipulationen zu verweisen und zu sagen, "Das ist einfach nur dumm."

Doch aus "dummen" Fehlern wurden "idiotische" und aus "idiotisch" wurde "hirnverbrannt" und nun häufen sich diese Fehler und türmen sich zu einem Berg auf, der eines Tages zusammenstürzen und dessen gespeicherte destruktive Energie die globalen Märkte überrollen wird. Tief in unserem Herzen wussten wir alle, dass Gelddrucken nicht das Gleiche ist wie Vermögensbildung, und dass Wohlstand nie wirklich durch die Umverteilung von Vermögen von einer Gruppe zu einer anderen entsteht. Dennoch waren viel zu viele bereit, einfach mitzuspielen und ihr Vertrauen in die Zentralbanken zu setzen.

Nun, wir haben den Anfang vom Ende endlich erreicht. Das globale Experiment mit unseren aktuellen, fehlerhaften wirtschaftlichen und monetären Modellen nähert sich seinem Ende. Die Verehrung von Zentralbanken, Bankern und dem Bankenwesen ist vorüber. Der Glaube an die Allmacht der Notenbanken wird täglich weiter demontiert, während es zunehmend offensichtlich wird, dass die lockere Geldpolitik der letzten Jahre die Lösung des Problem nur weiter und weiter verzögert hat. Doch jetzt ist kein Aufschub mehr möglich.

Wenn die Illusion, die Zentralbanken hätten alles unter Kontrolle, restlos zerstört ist, werden die Finanzmärkte in einer deflationären Welle zusammenbrechen, die zu lange aufgehalten wurden. Die Kurse werden kollabieren, Unternehmen werden Insolvenz anmelden und Millionen von Arbeitsplätzen werden verloren gehen. Die Menschen werden sich wieder daran erinnern, dass es einen heftigen Kater verursacht, wenn man zu lange und zu ausgelassen feiert. Kurz gesagt: Das alles wird uns noch teuer zu stehen kommen.

Ich kann nicht vorhersagen, ob der Tag des Erwachens noch eine Woche oder fünf Jahre in der Zukunft liegt. So unsicher ist das Schicksal nun einmal, wenn man in einem verschachtelten Gefüge komplexer Systeme lebt, die von fehlbaren Menschen verwaltet werden. Komplexität verkompliziert alle Vorhersagen. Doch auch wenn wir nicht in der Lage sind exakt vorherzusehen, was genau in welchem Ausmaß und zu welchem Zeitpunkt geschehen wird, können wir doch die Spuren der Instabilität im System verfolgen und feststellen, dass diese immer länger und deutlicher werden. Die weltweiten Schulden sind heute beispielsweise 60 Billionen US-Dollar höher, als vor der Finanzkrise von 2008. Über die kommende Korrektur an den Märkten können wir folglich Schlüsse wie "größer" und "eher" ziehen.

Das letzte Bollwerk, das noch einstürzen muss, bevor es zu einer ausgewachsenen Korrektur kommt, ist die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken. Die öffentliche Wahrnehmung der Notenbanken als "allwissende, allmächtige" Institutionen muss durch eine realistischere Einschätzung dessen ersetzt werden, was die Zentralbanken in Wirklichkeit getan haben und überhaupt jemals tun können - und das ist deutlich weniger, als die meisten ihnen derzeit zuschreiben.


Die "Erfolge" der Zentralbanken

Dabei hilft es, zunächst einen Blick auf die eigentliche Erfolgsbilanz der Zentralbanken in den letzten 20 Jahren zu werfen. Den Zahlen zufolge haben sie nicht viel mehr getan, als eine Spekulationsblase nach der anderen zu kreieren, was nun wirklich keine besonders beeindruckende Leistung ist. Wenn man einen Haufen billiges, aus dem Nichts geschaffenes Geld auf die Märkte wirft, ist die Entstehung einer Blase praktisch immer das Ergebnis. Oder die Entstehung von Blasen, im Plural (denn genau damit haben wir es derzeit an den Aktien-, Anleihe-, Immobilien- und fast allen anderen Finanzmärkten zu tun).

Die erklärten Ziele der Notenbanken - starkes Wirtschaftswachstum, eine bestimmte Inflationsrate und steigende Einkommen - wurden nicht in der erhofften Weise erreicht. Nachdem die Zentralbanken ihre kollektive Bilanz seit 2008 mehr als verdreifacht haben (was einer Erhöhung um fast 12 Billionen Dollar entspricht), um die Weltwirtschaft anzukurbeln, stolpert das globale Wirtschaftswachstum noch immer mit wenig inspirierenden 2,5% voran. Zudem gibt es Anzeichen für eine weitere Verringerung dieser Wachstumsrate.

Wie gesagt, keine sonderlich beeindruckende Erfolgsbilanz. Doch viele Menschen haben noch immer den Eindruck, die Federal Reserve, die EZB, die Bank of Japan, die Bank of England etc. täten etwas äußerst Kompliziertes und Wichtiges, das unsere Bewunderung verdient.

Nun, sie haben zunächst einmal das größte jemals dokumentierte Vermögens- und Einkommensgefälle erzeugt, indem sie das Kursniveau der finanziellen Assets anhoben und perfekte Bedingungen für aggressives Financial Engineering seitens der Unternehmen schufen. Beides kommt vor allem den obersten 1% zu Gute.

Der erste Chart zeigt die Auswirkung der drei von der Federal Reserve verursachten Serienblasen auf die nach Einkommensniveau unterteilten Haushaltseinkommen.

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