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Euphorie bei den Banken, Schreckensszenario für die Edelmetalle?

30.11.2016  |  Captain Hook
Trump hat die Präsidentschaftswahlen gewonnen und überall merkt man den Menschen, die sich der all der neuen Möglichkeiten bewusst sind, ihre Erleichterung an. Diese Euphorie überträgt sich auf die Finanzmärkte, wo der Dow Jones in kurzer Zeit gleich 1.000 Punkte zugelegt hat, während die Milliardäre wieder in Aktien investieren, die Preise konjunktursensibler Rohstoffe in die Höhe schießen und die Kapitalkosten aus jahrzehntealten Trendmustern ausbrechen.

Und warum auch nicht? Mit seinen Plänen - Infrastrukturausgaben, expansive Geldpolitik, Schaffung von Arbeitsplätzen etc. - bringt Trump die Inflation zurück. Dr. Copper gibt uns das entsprechende Signal, also lassen Sie uns auf den Zug aufspringen, ja? Die guten Zeiten haben begonnen - oder?

Die Sache ist die: Wenn sich die Konjunktur in Zukunft wirklich erholen sollte (und angesichts all der geplanten Staatsausgaben ist das wahrscheinlich), wenn sich die Zinssätze normalisieren und wenn Sie auf Leute wie Stanley Druckenmiller und Propagandakanäle wie CNBC hören, dann müssten Sie sofort losrennen, all Ihr Gold verkaufen und Ihr Kapital einem New Yorker Hedgefondsmanager anvertrauen, der "optimistisch mit der neuen Realität verkabelt" ist (d. h. Druckenmiller selbst).

Wenn in Ihrem Kopf dagegen mehr als zwei Gehirnzellen herumrollen, dann bedenken Sie bei all dem vielleicht auch, dass die neuen Arbeitsplätze noch nicht geschaffen wurden, dass höhere Zinssätze vernichtende Folgen für die finanzialisierte Wirtschaft haben werden, und dass Druckenmillers Optimismus aufgrund dessen womöglich viel eher auf die Probe gestellt wird als ihm persönlich lieb ist (z. B. weil er dann vielleicht kein Milliardär mehr sein wird). Natürlich können Sie den Marktschreiern der Wall Street nicht vorwerfen, dass sie versuchen Ihnen eine weitere Ladung Bockmist zu verkaufen. Das ist schließlich ihr Job. Sie würden die Finanzialisierung der Wirtschaft bis in alle Ewigkeit fortsetzen, wenn wir es zulassen.

Dank der voranschreitenden Finanzialisierung wurde die Realwirtschaft fast völlig ausgehöhlt. Wertschöpfende Arbeitsplätze wurden in Niedriglohnländer wie China exportiert - mit verheerenden Auswirkungen auf die amerikanische Arbeiterklasse. Dieser Umstand wird dafür sorgen, dass auch Leute wie Stan Druckenmiller in nicht allzu ferner Zukunft wieder einen Sinn für die Realität bekommen. Werfen wir doch einmal einen Blick auf den weltweit wichtigsten und am deutlichsten auf die Wirtschaftslage reagierenden Rohstoff: das Rohöl.

Im Gegensatz zum Kupferpreis kann der Ölpreis nicht von ein paar durchgeknallten Spekulanten in die Höhe getrieben werden und in letzter Zeit hat er stark nachgegeben. Dann wären da natürlich noch die Edelmetalle, deren Kurse unbegrenzt fallen dürfen. Sobald sie steigen, kriechen jedoch an der COMEX gewisse Marktteilnehmer aus ihren Löchern und verkaufen große Mengen an Goldkontrakten. Der Kupferpreis darf dagegen nach oben klettern, weil er zum Märchen des Status Quo passt. Sie wissen schon, die Geschichte in der es heißt, "Wer braucht schon Gold und Silber?"

Es stellt sich unweigerlich die Frage, wie lange es der Wall Street noch gelingen wird, die Illusion aufrechtzuerhalten, bei der man uns weismachen will, dass die Aktienkurse ein "dauerhaft hohes Niveau erreicht haben". Man ist derzeit sehr zuversichtlich, dass die Märkte auf unbestimmte Zeit weiter manipuliert werden können, denn schließlich ist das Ganze ja nur eine Art Computerspiel. Alle anderen können sich zum Teufel scheren. Übrigens ist auch die Zeit der Bonuszahlungen wieder gekommen, also sollten Sie bis zum nächsten Jahr nicht mehr allzu bearish werden.

Allerdings waren auch die Demokraten davon überzeugt, dass sie die US-Wahlen schon so gut wie gewonnen hatten - und dann haben sie doch verloren. Man sollte sich also fragen, ob nicht auch die Zuversicht der Wall Street etwas deplatziert ist. Eines ist jedenfalls sicher: In der finanzialisierten Wirtschaft, der mittlerweile einzigen Wirtschaft, die wir noch haben, gilt die Maxime "alles oder nichts". Es gibt keinen Spielraum mehr, weil die Deppen bei der Federal Reserve versucht haben, die Konjunkturzyklen außer Kraft zu setzen, indem sie das System mit digitalen Währungseinheiten überschwemmt haben. Ein Fehler und das ganze wackelige Gebilde stürzt in sich zusammen wie der Turm zu Babel.

Saisonal betrachtet beginnt jetzt eine starke Zeit für die Aktienmärkte, ganz zu schweigen von den Boni der gierigen Wall-Street-Banker. Nach deren Aussagen sollten Sie nicht damit rechnen, dass die Bankenaktien fallen, denn sie sind wirklich auf das Geld angewiesen. Falls Sie es nicht wussten: Man braucht jede Menge Einkommen und Vermögenswerte, um den schönen Schein zu wahren. Doch davon abgesehen sind die Aktien der Kreditinstitute sowieso die Gewinner, ganz gleich, ob die Zinsen fallen oder steigen. War Ihnen das noch nicht klar?

Wenn die Zinssätze erhöht werden, gewinnen die Banker aufgrund der höheren Spreads bei der Zinsstrukturkurve und den damit verbundenen Profite. Wenn die Zinsen sinken, kaufen die Konsumenten dafür mehr. Für Banker ist es wirklich ein Kinderspiel. Und wenn das nicht reicht, können Sie immer noch das Kapital der Anteilseigner nehmen und die Aktienkurse vor der Bonussaison noch einmal richtig nach oben treiben. Das würde natürlich nie jemand zugeben, aber irgendetwas sagt mir, dass das zumindest einer der Gründe für die jüngste Rally ist. Was glauben Sie?

Im Großen und Ganzen ist es ohnehin noch etwas früh. Das nächste Jahr endet auf "7", wie die Crashjahre 1907, 1987 und 2007. Vielleicht erinnern Sie sich daran, dass die Bankenaktien im Februar 2007 unter ähnlichen Bedingungen wie heute der erste Sektor waren, der ein Top bildete. Vielleicht sollten wir dem Ganzen einfach etwas Zeit geben. Es sieht nicht danach aus, als könnte irgendetwas in diesem Jahr die gierigen Banker noch aufhalten und die auf "7" endenden Jahre haben wie erwähnt die Tendenz, aus psychologischen Gründen zu einem Crash zu führen.

Eine Frage: In welchen Jahr haben die Republikaner in den USA zuletzt das Weiße Haus, den Kongress, den Senat und die Judikative kontrolliert? Antwort: 1928, ein Jahr vor der Markt-Kernschmelze von 1929. Bevor die Spekulationsblase 1929 schließlich platzte, kam es natürlich zu einer regelrechten Kursexplosion. Wir werden womöglich eine ähnliche Entwicklung erleben. Auf die Gründe dafür gehe ich im Folgenden noch ein.

Wenn die Aktienmärkte während Donald Trumps Amtszeit crashen, wird das den Demokraten bei den nächsten Wahlen einen Vorteil verschaffen, oder? Vielleicht ist das der Plan? Vielleicht sind die Banker gar keine gierigen Bastarde? Hmm, nein. Ich bleibe bei meiner ersten Einschätzung. Aus technischer Sicht haben die Aktienkurse schon jetzt ein Niveau erreicht, bei dem kaum noch Gewinne möglich sein sollten.

Das macht auch der Wochenchart des S&P 500 deutlich. Die Struktur des Aufwärtstrends seit dem Tief vom Januar lässt sich folgendermaßen beschreiben: Welle 1 umfasste etwa 400 Punkte, Welle 2 umfasste 200 Punkte und Welle 3 umfasst bislang 100 Punkte. Abgesehen von der ersten Impulswelle entsprachen die Anstiege damit jeweils 50% des vorhergegangenen Rally. Der Trend verliert an Kraft und Dynamik.

Allerdings müssen auch andere Szenarien in Betracht gezogen werden. Wenn der S&P 500 auf über 2.200 Punkte klettert und weiter steigt, dann war die obenstehende Tirade offensichtlich unangebracht. Dann betreten im nächsten Jahr der Dollar und "The Donald" die Bühne und mit ihnen die Pläne, Amerika wieder groß zu machen. Demgegenüber steht indes die beschleunigte Zerstörung der Europäischen Union. Die dortigen Wahlen könnten 2017 dazu führen, dass sich jede Menge Geld nach einer neuen Heimat umsieht. Wohin wird es gehen? In die Vereinigten Staaten natürlich.


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