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Die neue Normalität: Ausnahmezustand

13.12.2016  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Der geldpolitische Ausnahmezustand, der seit Jahren herrscht, wird sich wohl kaum mehr beenden lassen.

Bei einem "Ausnahmezustand" hebt der Staat Grundrechte auf und greift zu "außerordentlichen Maßnahmen". Typischerweise geschieht das im Kriegsfall, bei Aufständen und im Zuge von Naturkatastrophen. Mittlerweile haben viele Staaten jedoch eine neue Form des Ausnahmezustandes geschaffen: Sie haben den wohl wichtigsten öko-nomischen Kompass einer jeden Volkswirtschaft manipuliert beziehungsweise außer Kraft gesetzt: den Zins. Das wird unumwunden deutlich, wenn man sich die Funktion der Kapitalmärkte beziehungsweise des Zinses vor Augen führt.

Auf den Kapitalmärkten, allen voran auf den Aktien- und Kreditmärkten, werden knappe Mittel vom Sparer zum Investor weitergeleitet. Die Preise der Aktien beziehungsweise die Höhe der Zinssätze, die sich durch Angebot und Nachfrage bilden, zeigen, welche Investitionen dringlich beziehungsweise welche risikoreich sind. Auf Grundlage dieser Informationen investiert der Anleger und stellt dabei sicher, dass die verfügbaren Ressourcen in diejenigen Verwendungen gelenkt werden, die der Produktion der Güter dienen, die die Konsumenten am dringlichsten wünschen.

Diese Lenkungsfunktion der Kapitalmärkte haben die Zentralbanken seit geraumer Zeit untergraben beziehungsweise zerstört. Indem sie die Zinsen künstlich niedrig gedrückt haben, ist die Lenkungsfunktion der Preise auf den Finanzmärkten gestört.

Und das hat weitreichende Folgen. Der Zins hat nicht nur eine Rolle bei der Bewertung von Anleihen, sondern auch bei der Bewertung von Aktien, Derivaten sowie auch von Häusern und Grundstücken. Wenn also die Zinsen auf derart niedrige Niveaus herabgeschleust wurden, ist davon auszugehen, dass sich eine Aufblähung von Vermögenspreisen einstellt.

Das wiederum lenkt Ressourcen in falsche Verwendungen. Besonders deutlich wird das bei Staatsanleihen. Ohne die Markteingriffe der Zentralbanken wären die Renditen für diese Papiere weitaus höher als sie es derzeit sind. Viele Staaten wären bei unverfälschten Zinssätzen vermutlich nicht mehr in der Lage, ihren Schuldendienst zu leisten. Es käme zu Zahlungsausfällen.

Hätten Anleger ein ungeschöntes Bild von den tatsächlichen Verhältnissen, würden sie nicht mehr ihr Geld in Staatsanleihen investieren. Die Zinsmanipulation hält das staatliche Verschuldungskarussell in Gang - und mit ihm die unproduktive Verwendung knapper Mittel.

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Seit der Wahl von Donald J. Trump am 9. November 2016 sind nun jedoch die langfristigen Kapitalmarktzinsen in den Vereinigten Staaten von Amerika und auch anderswo merklich angestiegen. Dahinter verbirgt sich so etwas wie ein Kurswechsel. Die Politik der Null- beziehungsweise Negativzinsen lässt sich nicht dauerhaft durchhalten. Vor allem der Widerstand der Sparer steht ihr entgegen.

Das neue Experiment, das Gestalt annimmt, lautet: Die Nominalzinsen werden wieder (ganz leicht) in den positiven Bereich geschleust und gleichzeitig soll die Inflation (etwas stärker) ansteigen.

Das Ergebnis einer solchen Politik läuft darauf hinaus, dass die Realzinsen (also die Nominalzinsen abzüglich der Inflation) null oder negativ bleiben. Das wurde schon einmal praktiziert, und zwar von 1942 bis 1951. Die Vereinigten Staaten von Amerika finanzierten ihre Kriegsausgaben mit viel Kredit.

Um die Zinskosten niedrig zu halten, erhielt die US-Zentralbank Fed im Jahr 1942 den Auftrag, die Zinsen für Staatspapiere mit kurzer Laufzeit bei 0,38 Prozent, die für lang laufende Staatsanleihen bei 2,5 Prozent zu fixieren.


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