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USA: Wirtschaftliches Umfeld - schlimmer geht’s fast nimmer

02.09.2017  |  Prof. Dr. Hans J. Bocker
Sieht man sich das Zahlenwerk, genauer den gesamten Dunstkreis, des wirtschaftlichen Umfeldes der USA an, beginnt man am Verstand mancher Politiker, der Finanzeliten, besonders aber der Investoren, ganz speziell aber am eigenen, mehr als ernsthaft zu zweifeln. Eine Art Krisenstrudel in der unübersehbaren Größe der Amazonasmündung (also die größte Flussmündung der Welt) erblickt das erschreckte Auge, doch die Anleger in den USA und weltweit, verwechseln dies augenscheinlich mit dem Abfluss eines verlandeten Dorfteiches in Ostfriesland.

Es beginnt mit einem durchschnittlichen KGV (Kursgewinn-Verhältnis) von fast 24 an den Börsen. Das ist sehr hoch. Aktien sind also im Verhältnis zu ihrem Ertrag heute weit überteuert. Normalerweise signalisiert ein KGV von etwa 10 bis 12 günstige Einstiegsmöglichkeiten. Dennoch folgt derzeit ein Kurshoch der Börse dem anderen. In- und ausländische Anleger unterliegen Kaufzwängen, die auf kollektiven Massen-Missbrauch hoch wirksamer Drogen schließen lassen.

Das Gleiche gilt für den Kauf von Dollars mit einer weit überschuldeten Wirtschaft von 100 Billionen $ als Basis (20 Billionen $ verzinslicher Staatsschulden und 80 Billionen $ unverzinslicher, demnächst fälliger Verpflichtungen). Allein die Studentenkredite sind mittlerweile auf 2 Billionen $ angeschwollen. Ein solider Hintergrund. Und die Rate der nicht mehr Rückzahlfähigen wächst von Monat zu Monat. Dies geht Hand in Hand mit denen, die ihre Autokredite nicht mehr bezahlen können; sie stehen mit rund 3 Billionen $ in der Kreide. Aber dennoch flüchtet alle Welt in diese wackelnde Wirtschaft und Währung, in einem Ausmaß, als drohe allen Nicht-Käufern die chinesische Wasserfolter.

Dabei droht eine rasch heraufziehende Rezession im Hintergrund. Und dennoch tanken ganze Länder, Unternehmen, Privatleute und institutionelle Anleger die "Greenbacks" wie Benzin an einer Tankstelle, die vorübergehend halbe Preise anbietet. Dabei ist der Dollar teuer geworden. Seit 2007 ist die auf den Dollar bezogene LIBOR-Rate (also die London Interbank Rate als eine Art Aufschlag gegenüber den übrigen wichtigen Währungen) von damals 1,0% bis heute auf 1,8% geklettert.

Ansonsten wird statistisch gelogen und verdreht als nagte der Holzwurm, nebst Termiten, im Gebälk der "Wall Street"-Paläste, und die Balken bögen sich bereits spiralförmig. Ein Standardpäckchen Kaffee kostete in Deutschland kurz vor der Euro-Einführung 2,98 D-Mark, also rund 1,50 Euro. Heute aber zahlt man 6,20 Euro. In den USA waren die Preissteigerungen für Kaffee ähnlich, aber offiziell "haben wir auch dort keinerlei Inflation". 1964 wurde mir eine neue 4-Zimmerwohnung nahe der Studentenstadt Freimann nahe der Isar, in München also, für 42 000 D-Mark angeboten. Sie kostet heute 1 Million Euro, also 2 Millionen D-Mark.

Aber amtlich gibt es gibt ja keine Inflation. In San Francisco und Vancouver waren die Preissteigerungen noch schlimmer. Das wirkt ansteckend: Im österreichischen Linz stiegen die Immobilienpreise in den letzten 5 Jahren allein um 550%. In vielen "attraktiven" US-Städten oder Stadtteilen herrschten ähnliche Verhältnisse.

Bei den Arbeitslosenraten wird in ähnlicher Weise gelogen. Die nach der ehrlichen Methode, wie sie bis zur Clinton-Zeit Anwendung fand, beträgt die echte Rate in den USA, genau wie in der EU, etwa 23%. Offiziell strebt sie dagegen zielsicher der Null zu. Es gibt sogar allenthalben schwere "Unterbesetzungen". Aus diesem Grund freut sich eine gewisse Staatschefin ganz offen und TV-wörtlich "auf die nächsten 15 Millionen Asylanten, die endlich die Lücken höchst effizient füllen werden". Aber: "Wir schaffen das".

Teuerung gibt es vor allem bei den Krankenkosten in den USA und den Pflegekosten in Deutschland. Hier wird bald nichts mehr gehen. Das Außenhandelsdefizit der USA betrug im Jahr 2016 rund 796,7 Mrd. $. In früheren Jahren hatte dieser Fehlbetrag mitunter deutlich höher gelegen. Man jubiliert im Handelsministerium über diese "Fortschritte", die doch so ein starker Dollar so mit sich bringt.

Die Realwirtschaft hat sich von der legendären Phantasie-Finanzwirtschaft bereits soweit entkoppelt, dass sogar die sagenumwobenen Hedgefondsmanager die Übersicht verlieren. Ein einziger von etwa 600 vermochte im abgelaufenen Jahr die Performance des S&P500 zu übertreffen; ein trauriger Rekord.

Die gewohnten jährlichen Milliardengewinne fließen in dieser Branche nicht mehr vollautomatisch zwei- oder gar dreistellig, wie früher in den guten alten Zeiten - oh Jammer, oh Not. Doch die Medien verkünden das Doppelmärchen von der "ewig währenden Mega-Trump-Rallye und dem kommenden Hyperaufschwung gleich um die Ecke", die dem Land den ewigen Segen aller Wohlstandsgötter bringen soll; noch lauter und schriller wie der schallverstärkte Gesang vom zentralen Minarett-Turm der Wall Street, der die Finanzgläubigen mit ihren aufgerollten "Nullzins"-Teppichen zum stündlichen Dollar-Gebet ruft.

Dagegen verliert das Mantra "durch Ausgaben auf Pump wird man reich" fortlaufend an Überzeugungskraft, denn die Konsumausgaben, die zu etwa 72% zum GDP beitragen, fielen auf den Stand von 2009 zurück - oh bittere Realität. Doch das "Plunge Protection Team" mit seinen zig Milliarden Dollar in der Notkasse hält tapfer dagegen. Wenige Großunternehmen, deren Aktien entscheidend zum Börsenindexstand beitragen, werden heimlich gestützt. Dies verdeckt die Tatsache, dass die Vielzahl der breitgestreuten kleineren Werte im Kurs nachgibt.

Der Einzelhandel wird von einer Pleitewelle heimgesucht. Die kleineren Geschäfte in den Shopping Malls verschwinden, eins nach dem anderen. Für 2017 erwartet man weitere 7.000 solcher Schließungen. Tante-Emma-Läden, wie auch Läden der Großtante Emma, sind genau wie die kleineren Farmbetriebe schon lange passé und vergessen. Dafür aber dürften die derzeit auf Rekordhöhe aufgelaufenen Kreditkartenschulden den Betroffenen noch lange in schlechter Erinnerung bleiben.

Der starke Rückgang in der Kapitalnachfrage, also fallendes Kreditvolumen in Handel und Industrie, wie er gerade zu beobachten ist, war historisch gesehen schon immer ein Vorläufer einer sich anbahnenden Rezession. Wie werden sich Trump und seine Anhänger freuen, wenn sie endlich den Salon zielbewusst durch die weit geöffneten Schuldentüren betritt.


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