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Die Versicherungsfunktion des Goldes

16.09.2017  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Gold lässt sich als eine effektive Versicherung gegen Geldentwertung und Zahlungsausfälle im Finanzsystem verstehen. Wichtig ist dabei jedoch der Preis, zu dem man den "goldenen Schutzschirm" kauft.

Von der "Versicherungsfunktion" des Goldes ist häufig zu hören und zu lesen. Was ist damit gemeint? Im Folgenden unterscheiden wir zwischen der Versicherungsfunktion des Goldes gegen (1) Kaufkraftverlust des ungedeckten Geldes und (2) Kredit- beziehungsweise Zahlungsausfälle im Finanzsystem.

Gold lässt sich - anders als das heute umlaufende ungedeckte Geld (man kann es auch als "Fiat-Geld" bezeichnen) - nicht beliebig, durch politische Willkür vermehren. Das Gold kann nicht per Handstreich entwertet werden. Beim ungedeckten Geld ist das anders. Die leidvolle Währungsgeschichte zeigt unumwunden, dass das ungedeckte Geld seine Kaufkraft einbüßt, weil es jederzeit in nahezu beliebiger Menge vermehrt werden kann. Das erklärt auch, warum gerade in der langen Frist das ungedeckte Geld immer weniger wert wird, während die Kaufkraft des Goldes erhalten bleibt.

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Die Versicherungsfunktion des Goldes beinhaltet auch den Schutz vor den Folgen extremer Widrigkeiten. Zu denken wäre beispielsweise an eine Situation, in der Fiat-Geld nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert wird - weil die Marktakteure Bankschließungen befürchten, durch die Guthaben und Forderungen gegenüber den Geldhäusern herabgesetzt werden. In einer solchen Phase würde die "Marktgängigkeit" des Fiat-Geldes - insbesondere in Form von Buchgeld - vermutlich stark leiden oder ganz verloren gehen. Gold und auch Silber können hingegen (weiterhin) als Tauschmedien eingesetzt werden - und ihr Tauschwert würde vielleicht sogar stark ansteigen.


Negative Eigenverzinsung des ungedeckten Geldes

Bislang konnte der Anleger mit dem ungedecktem Geld - also zum Beispiel mit Euro in Form von Sichtguthaben sowie Termin- und Spareinlagen bei Banken - einen Zins verdienen, der ihn für die Inflation (teil-)entschädigt hat - und der das Halten von Gold gegenüber Bankguthaben und kurzlaufenden Schuldverschreibungen entmutigt hat, denn auf Gold erhält der Anleger keine laufenden Zinserträge. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Die Kurzfristzinsen sind - aufgrund der extremen Niedrig- beziehungsweise Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) - negativ geworden, sowohl nominal als auch real, d. h. nach Abzug der (Konsumentenpreis-)Inflation. Derzeit beträgt der inflationsbereinigte 3-Monatszins etwa minus 2 Prozent: Das heißt, die Kaufkraft von 100 Euro fällt nach einem Jahr auf 98 Euro. Das ungedeckte Geld hat mittlerweile also eine negative Eigenverzinsung - sein bisheriger zinsbedingter Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Gold ist verschwunden. Und wie die Dinge stehen, ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass sich diese Situation in absehbarer Zeit wieder ändert.


Eine weitere Versicherungsfunktion des Goldes besteht darin, dass das gelbe Metall kein Zahlungsausfallrisiko trägt. Wer beispielsweise Bankguthaben oder, als Geldersatz, Geldmarktfonds hält, der ist dem Risiko ausgesetzt, dass die Bank und die Schuldner ausfallen - und sein Guthaben verloren geht (wenn die Einlagensicherung nicht greift). Gold trägt kein solches Kreditrisiko. Der Goldhalter muss allerdings Sorge tragen, dass er das Gold an einer sicheren und für ihn zugänglichen Stelle aufbewahrt.


Eine Frage des Preises

Nun sollte man jedoch nicht meinen, Gold sei zu jedem Zeitpunkt eine attraktive Versicherung, die gegen Geldentwertung und Zahlungsausfälle wirksam schützt.

Das wäre zu kurz gedacht. Entscheidend ist - wie übrigens bei jeder anderen Versicherung auch -, zu welchem Preis man das Gold kauft. Kauft man es zu teuer - beispielsweise in einer Situation, in der "Panikkäufe" den Goldpreis bereits sehr stark in die Höhe getrieben haben -, kann der Anleger nachfolgend enttäuscht werden: Der Goldpreis steigt nicht weiter an, möglicherweise fällt er auch, und die erhoffte Wertsteigerung, die ihn gegen anderweitige Verluste versichern soll, bleibt aus. Kauft er hingegen das Gold zu einem günstigen Preis, kann er im Krisenfall auf eine Wertsteigerung hoffen.

Aus diesem Grund sind wir bestrebt, die Frage zu beantworten, wo der "richtige", der "faire" Goldpreis denn liegt, beziehungsweise wo er näherungsweise liegen könnte. Eine zugegebenermaßen äußerst schwierig zu beantwortende Frage. Chancen für den Anleger ergeben sich vor allem dann, wenn der Goldpreis vergleichsweise "billig" ist. Und das ist tendenziell in Phasen der Fall, in denen die Stimmung an den Finanzmärkten gut und sorgenfrei ist - wie es aktuell zu beobachten ist.

(Das ist vergleichbar mit dem Preis für eine Feuerversicherung: Hat es lange nicht gebrannt, sind die Versicherungstarife günstig. Stehen die Häuser in Flammen, sind die Preise hoch, beziehungsweise für bereits brennende Häuser lässt sich kein Versicherungsschutz mehr kaufen.)

Wie wir ausführlich in unserem letzten Degussa Marktreport erläutert haben, legen unsere (vorsichtigen) Schätzungen nahe, dass der aktuelle Goldpreis "günstig" ist, und dass es daher gerade auch für langfristig orientierte Anleger attraktiv ist, Gold zu halten - als Währung und als Portfolio-Versicherung. (1)


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Quelle: Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


(1) Siehe hierzu Degussa Marktreport, "Gold ist die verlässliche Währung in unsicheren Zeiten", 1. September 2017.




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