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Warum Geld ein Rohstoff sein muss

29.09.2017  |  Dr. Keith Weiner
Carl Menger, der Begründer der Österreichischen Wirtschaftsschule, hat der Welt gezeigt, dass Geld nicht das Produkt eines Staates ist. Er meinte damit nicht, dass es einer Regierung prinzipiell unmöglich ist, etwas als offizielles Zahlungsmittel festzulegen, während andere Gruppen dazu in der Lage wären. Doch er beschrieb, wie der Rohstoff mit der besten Absatzfähigkeit zu Geld wird.

Menger diskutiert Faktoren, die die Absatzfähigkeit einer Ware einschränken, einschließlich der Frage, an wen, wann und wo man sie verkaufen kann. Die beste Absatzfähigkeit weist demnach eine Ware auf, die man jederzeit und überall ohne Einschränkungen bezüglich der Menge kaufen oder verkaufen kann.

Stellen Sie sich die Probleme vor, die sich z. B. bei frischen Austern, Rohöl, warmen Wollwaren und Eisenbarren ergeben. Die Austern verderben sehr schnell, Rohöl muss in speziellen Tanks gelagert werden, niemand würde im Sommer Wollhandschuhe haben wollen und Eisen ist sehr schwer. Nur jemand, der mit Meeresfrüchten handelt, könnte Austern kaufen und bei Rohöl hängen alle Geschäfte von den Lagerkapazitäten des Käufers ab. Kein Einzelhandel würde zudem Waren kaufen wollen, die bis zum nächsten Winter ein Jahr lang in einer Lagerhalle herumliegen. Und der Transport von Eisen über größere Entfernungen ist sehr teuer.

Früher diente Vieh als Geld. Ein wichtiger dafür Grund war unter anderem auch die Tatsache, dass Vieh sich aus eigener Kraft fortbewegt. In nomadischen Gesellschaften war Weideland fast unbegrenzt verfügbar und Vieh wurde von allen als Reichtum betrachtet. Als die Menschen jedoch Städte gründeten und von der Vieh- zur Landwirtschaft übergingen, funktionierten Tiere als Tauschmittel nicht mehr so gut. Was sollte ein Schmied oder ein Weber mit ein paar Kühen in seiner Werkstatt? Und was würde es kosten, sie zu füttern? Etwas Praktischeres musste gefunden werden.

Gold hat sich im Zuge dieser Entwicklung als der besten absatzfähige Rohstoff erwiesen. Es bringt keines der genannten Probleme mit sich. Jeder kann Gold zu jeder Zeit und an jedem Ort als Zahlungsmittel akzeptieren und es an einen anderen Ort zu einem anderen Handelspartner bringen.

Eine wichtige Frage ist zudem, warum gerade ein Rohstoff? Warum nicht Liebe? "Verkaufe 2 Hektar Ackerland für einen Kuss." Warum nicht kunstvoll gestaltete Steinplatten, die von den Priestern des örtlichen Tempels treuhänderisch verwahrt werden? Warum keine Papierscheine? Der erste Vorschlag ist nur Scherz zum Zwecke der Argumentation. Liebe und Küsse können natürlich nicht mit einer dritten Partei getauscht werden.

Die anderen beiden sind jedoch nicht so leicht von der Hand zu weisen. Die Antwort ist nicht "wegen der Preisinflation". Oder zumindest ist das nur ein potentielles Risiko von vielen, die uns zum Hauptproblem und zur eigentlichen Antwort führen. Es hat auch nichts mit dem Ende der Welt zu tun und mit dem, was die Leute dann handeln würden (z. B. Munition, Zigaretten oder Trockennahrung). Nein, der Kern des Problems ist eine universelle Sorge um die menschliche Natur. Es geht um Vertrauen.

Wenn Sie jemanden für einen Betrüger halten, werden Sie ihm keinen Kredit gewähren. Wenn Ihnen das Verhältnis von Risiko und möglichem Gewinn nicht zusagt, werden Sie Ihren Kredit zurückfordern. Es handelt sich hier natürlich um ein viel umfassenderes Grundproblem. Die Märkte sind normalerweise nicht schwarzweiß; es gibt immer auch Graustufen. Sie wollen also wahrscheinlich einen gewissen Teil Ihres Vermögens im System lassen, wo es eine Rendite generiert und leicht als Tauschmittel genutzt werden kann.

Gleichzeitig wollen Sie vielleicht einen anderen Teil Ihrer Ersparnisse zu Hause im Sockenfach oder unter den Bodendielen aufbewahren. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie hoch der Anteil ist, den er oder sie horten möchte. (Wir verwenden das Wort "horten", obwohl uns bewusst ist, dass die meisten Ökonomen es abschätzig oder höhnisch benutzten. In seinem Buch "Human Action" bezeichnete Ludwig von Mises die "viel diskutierten Horte" beispielsweise als "Deus ex machina".)

Zwischen dem Horten und der Vergabe von Kredit besteht gewissermaßen eine Arbitragemöglichkeit. Horten ist unpraktischer. Physisches Edelmetall zu handeln - beispielsweise in Form von Münzen - erfordert mehr Zeit und ist oft durch eine höhere Geld-Brief-Spanne gekennzeichnet. Bei der Kreditvergabe besteht jedoch das Risiko, dass die Gegenpartei zahlungsunfähig wird, betrügt oder ganz einfach einen Fehler macht.

Der Spread ist in diesem Zusammenhang immer ein ausschlaggebender Faktor. In diesem Fall gibt es sogar zwei Spreads: Einer ist sozusagen die Verbraucherfreundlichkeit, die sich in leichter Verwendbarkeit und gesparter Zeit äußert. Der andere Spread ist der Zins. Je höher die Rendite ist, die sich mit Gold verdienen lässt, desto größer ist der Anreiz, das Geld für sich arbeiten zu lassen, statt es zu horten. Je niedriger dagegen die Rendite ist bzw. je höher das Risiko ist, desto größer ist der Anreiz, Gold zu horten.

Horten ist die einzige Alternative zur Kreditvergabe. Ganz gleich, ob Sie Ihr Gold in Ihre Tasche stecken, in einen Safe legen oder ob Sie ein professionelles Unternehmen mit der Lagerung beauftragen - Sie nehmen Ihr Gold aus dem Umlauf, verweigern die Kreditvergabe und lassen nicht zu, dass irgendjemand anderes Ihr Gold zu einem anderen Zweck verwendet. Gleichzeitig sind Sie auch nicht davon abhängig, dass Sie es von einer anderen Partei zurückbekommen (auch wenn das im Falle der Lagerung durch ein entsprechendes Unternehmen nicht ganz zutreffend ist).

Daran zeigt sich jedoch, warum Geld ein physischer Rohstoff ist, alles andere dagegen nur eine Form des Kredits. Mit jedem anderen monetären Vermögenswert gewähren Sie jemandem Kredit. Ihr Asset ist nur eine Zahl im Hauptbuch eines Schuldners oder zumindest eines Emittenten. Wenn Sie sich von allen Risiken befreien und wirklich etwas in der Hand halten wollen, kommt nur ein physischer Rohstoff in Frage.


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