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Wissen, was gespielt wird

14.05.2012  |  Theodore Butler
- Seite 3 -
Eines möchte ich an dieser Stelle ganz besonders deutlich hervorheben: Ich beschäftige mich hier mit der illegalen Kollusion an der COMEX, weil an dieser Terminbörse der Silberpreis (und der Goldpreis) bestimmt wird, und weil Analysten, die nicht sehen, was an der COMEX passiert, auch kein echtes Gesamtbild bekommen. Ich hatte allerdings auch nie dazu aufgerufen, COMEX-Terminkontrakthandel auf Grundlage von Margin-Konten zu betreiben. Das ist einfach nur töricht. Ein Silberinvestor hat nur dann eine echte Chance, wenn er auf lange Sicht das Eigentum am Metall anstrebt und den Kontrakt dafür voll bezahlt. Aber vielen fällt es schon schwer, vollbezahlte Terminkontrakte über lange Zeit zu halten - mit kreditbasierten Margenkonten wird das aber fast schon unmöglich.

Mir wäre es natürlich viel lieber, wenn die COMEX keine Kursmanipulationen zulassen würde; und ich mache auf die dort herrschenden illegalen Praktiken aufmerksam, damit diese nach Möglichkeit korrigiert werden können. Aber abgesehen davon würde ich keine Träne vergießen, wenn die COMEX schließen müsste. Wie ich an anderer Stelle schon erwähnt hatte, wäre ein solches Ereignis extrem positiv für die Kursentwicklung. Keine COMEX mehr bedeutet auch keine Kollusion und keine Manipulation mehr.

Da ich nicht an der COMEX spekuliere (das letzte Mal vor vielen Jahren), habe ich hier auch keine betriebsbedingte Neigung oder Vorliebe für die Spekulanten. Die Spekulanten haben, ebenso wie die Commercials, kein Recht, unlauter zu profitieren. Jeder Marktteilnehmer hat hingegen ein Recht auf faire Spielbedingungen und einen rechtmäßigen Spielverlauf. Marktkonzentration und Kollusion sind unvereinbar mit fairen und freien Märkten.

Beim aktuellen Preisverfall, beginnend am 28.Februar (als Silber bei 37 $ stand und Gold bei 1.785 $) bis hin zum COT-Bericht der letzten Woche, haben die Commercials unterm Strich 22.000 Silberkontrakte (110 Millionen oz) und ganze 75.000 Goldkontrakte (7,5 Millionen oz) an der COMEX gekauft. Die Spekulanten wurden überrumpelt und dazu gebracht, die genannte Anzahl an Positionen an die Commercials zu verkaufen, nachdem diese mithilfe gemeinsamer Absprachen die Kurse nach unten manipuliert hatten. In diesem Zeitraum hatte es auf der Welt keine nachweislichen Silber- oder Goldtransaktionen gegeben, die auch nur ansatzweise jenen Positionsmengen entsprechen würden, die an der COMEX die Besitzer wechselten. Zudem hatte es weltweit keine Veränderungen hinsichtlich des Angebots oder der Nachfrage gegeben, auf die sich ein solcher Kurssturz zurückführen ließe. Aus diesem Grund darf man mit Recht behaupten, dass die Preisfindung an der COMEX auf Grundlage des unverhältnismäßig großen Positionswechsels zustande kam (der in den COTs dokumentiert ist).

Nun möchte ich aus einer anderen Perspektive beleuchten, warum der jüngste Kauf von 110 Millionen oz Silber durch die Commercials mit Kollusion in Verbindung gebracht werden muss. 1997 kaufte Warren Buffett eine ähnlich große Menge Silber für Berkshire Hathaway. Es war einer der geschicktesten Käufe überhaupt, denn Buffett kaufte das Silber und der Silberpreis stieg über den gesamten Zeitraum hinweg trotzdem nur knapp um einen Dollar. Wie Buffett anschließend erklärte, kaufte er nie bei Kurshochs, sondern ausschließlich bei Selloffs. Er unternahm alles erdenklich Mögliche, um den Kursverlauf ruhig zu halten, was ansonsten in Anbetracht der Mengen eigentlich nicht zu erwarten gewesen wäre. Er brauchte um die 9 Monate für seine Silberkäufe. Man kann Warren Buffett oder jedem anderen Einzel-Trader unmöglich Kollusion unterstellen, wenn alleine und unabhängig gehandelt wurde. Jetzt wollen wir Buffetts Silberkauf mit jener ähnlich großen Position vergleichen, die die Commercials innerhalb der letzten 2 Monate an der COMEX gekauft haben.

Im Fall der jüngst erstandenen 110 Millionen oz (angesichts der Preisentwicklungen der letzten Woche wird diese Zahl sicher schon höher liegen) wurde das Silber von mehr als 40 verschiedenen Akteuren aus der Kategorie der Commercials gekauft. Aus diesem Grund ist Kollusion möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich. Warren Buffett, einer der versiertesten Investoren der Welt, schaffte es, diese Menge zu kaufen, ohne den Kurs um mehr als 20% steigen zu lassen. Im Gegensatz dazu kauften jetzt 40 verschiedene COMEX-Commercials eine ähnliche Menge, während die Kurse deutlich fielen - um ganze 8 $ oder aber um mehr als 20%. Als einzelner Marktakteur verursachte Buffett einen Silberpreisanstieg von 20% - und jetzt stecken 40 COMEX-Commercials, die als geschlossene Einheit auftraten, Warren Buffet in die Tasche, indem sie bei stark fallenden Kursen diese Menge in einem Bruchteil der Zeit kauften.

Und nicht nur das: Buffetts Silberkauf war nur eine einmalige Transaktion. Die zahlreichen Commercial-Akteure haben solche Aktionen am COMEX-Silbermarkt nun schon unglaublich oft durchgezogen - d.h gemeinsame Käufe bei sinkenden Kursen und gemeinsame Verkäufe bei steigenden Kursen. Ich bin der Überzeugung, dass diese Meisterstücke der Commercials nicht ohne Kollusion und nicht ohne das Austricksen der Spekulanten möglich wären. Die Tatsache, dass die Commercials immer gemeinsam bei sinkenden Kursen kaufen und immer als Gruppe bei steigenden Preisen kaufen, kann durch nichts anderes plausibel erklärt werden. Wir haben es hier ganz einfach mit Kursmanipulation und Kollusion zu tun. Sollte jemand eine plausibel klingende Erklärung dafür haben, wie dieses kontinuierlich auftretende Phänomen ohne Kollusion möglich wäre (d.h. die immer gleichen Verhaltensmuster in der Marktaktivität der Commercials), ich würde sie liebend gerne hören.

Lassen Sie sich nicht täuschen: Der Silbermarkt (und der Goldmarkt) wird durch illegale Trading-Methoden, Konzentration und Kollusion seitens der COMEX-Commercials manipuliert. Ein manipulierter Markt ist ein Markt, an dem betrogen wird. Der größte Einzelbetrüger am Silbermarkt ist JP Morgan, eine der wichtigsten Banken der USA. JP Morgan hat bislang mindestens 50 Millionen der 110 Millionen oz gekauft, wodurch die Größe der Short-Position dieser Bank jetzt möglicherweise auf die tiefsten Stände seit der Übernahme der Position von Bear Stearns (2008) gesunken ist. Es ist unmöglich, dass JP Morgan nicht in den aktuellen Schlag gegen den Silberkurs verwickelt ist wie auch in alle anderen abgekarteten Aktionen der COMEX-Commercials der letzten vier Jahre.




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