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Gold - Die beste Verteidigungsstrategie

14.04.2016  |  Claudio Grass
Der Krieg gegen das Bargeld hat begonnen

Wenn Sie es gewohnt sind, Ihre Kreditkartenumsätze in bar auf der Bank zu bezahlen, werden Sie vielleicht schon bald feststellen, dass das keine Option mehr ist. Einige Banken akzeptieren bereits keine Barmittel mehr oder schränken die Annahme zumindest ein. Der Krieg gegen das Bargeld schreitet voran. Papiergeld, welches an sich schon mehr oder weniger wertlos ist, wird nach und nach aus dem Umlauf genommen und durch digitale Währungsformen ersetzt. Dem Umstieg liegt selbstverständlich das gleiche Problem zugrunde, wie schon den Banknoten: Auch das "digitale Geld" ist weder durch Gold oder andere Edelmetalle noch durch sonstige Vermögenswerte gedeckt, die einen echten Wert besitzen.

Das Konzept der Digitalisierung unserer Finanztransaktionen wird als praktische und mühelose Zahlungsmethode angepriesen, als transparente und einfache neue Möglichkeit, unser Leben und unsere Geschäfte zu organisieren, ohne dass wir dabei ständig Bargeld dabeihaben müssen. Die keineswegs aus der Luft gegriffene Kehrseite dieser erbaulichen Argumente ist allerdings bedrohlicher, als uns vielleicht zunächst bewusst ist: Die Überwachung und das Einfrieren von Konten sowie Konfiszierungen werden dadurch leichter als je zuvor. Mit der Abschaffung des Bargelds entledigen sich die Banken gleichzeitig auch des letzten Hindernisses, welches der Einführung negativer Zinssätze noch im Weg steht.


Die Weltwirtschaft stagniert, doch Gold erlebt einen Höhenflug

Im ersten Quartal 2016 legte der Goldpreis 14,3% zu. Allein im Februar wurde ein sprunghafter Anstieg um 9,6% verzeichnet - das war die höchste Zunahme innerhalb eines Monats seit vier Jahren. In wirtschaftlicher Hinsicht haben sich in diesem Jahr bislang noch keine positiven Veränderungen ergeben. Das Wachstum bleibt weiterhin schwach und deutlich hinter den Werten zurück, die die Regierungsbehörden und die verschiedenen Marktexperten und Finanzgurus des Mainstreams prognostiziert hatten. Was also hat die Nachfrage nach den Edelmetallen befeuert? Ganz einfach: das Risiko.

Es steht außer Frage, dass private und institutionelle Investoren gleichermaßen bestrebt sind, sich gegen die Volatilität an den Aktienmärkten und die bestehende (und zunehmende) wirtschaftliche Ungewissheit abzusichern, die in Folge der Entscheidungen der Zentralbanken aufkeimten. In seiner letzten Sitzung entschied das Komitee der Federal Reserve, die Zielbereiche der Federal Funds Rate, des Leitzinses der USA, bei 0,25% und 0,5% zu belassen und senkte die Zahl der geplanten Zinserhöhungen in diesem Jahr von vier auf zwei. Falls nichts Unerwartetes geschieht, bezweifeln wir selbst eine zweimalige Zinsanhebung durch die Notenbank.

Die Europäische Zentralbank ist unterdessen noch weiter in den negativen Bereich vorgestoßen und hat den kurzfristigen Einlagenzins auf -0,4% gesenkt. Zudem hat der EZB-Chef Mario Draghi die Ausweitung der monatlichen Anleihekäufe auf 80 Milliarden Euro angekündigt (zuvor waren es 60 Milliarden Euro). Draghi erklärt zwar, dass eine weitere Senkung der Zinsen nicht möglich sei, doch wer kann schon wissen, ob damit das letzte Wort gesprochen ist? Im Falle der Federal Reserve hatten viele eine weitere Zinserhöhung erwartet und darauf vertraut, dass die Fed 2016 wie zuvor angekündigt vier Zinsanpassungen beschließen würde.

Stattdessen überraschte die US-Notenbank die Märkte mit ihrer Entscheidung, den aktuellen Zinssatz unverändert zu lassen und (möglicherweise) nur zwei Erhöhungen im gesamten Jahr vorzunehmen. Den krönenden Abschluss stellten dann Janet Yellens Bemerkungen bezüglich der europäischen Negativzinsen dar, mit denen sie das Feuer zusätzlich entfachte: "Wir möchten diese Option nicht ausschließen", antwortete sie auf die Frage des republikanischen Senators Bob Corker, der sich erkundigte, ob der für die Zinspolitik zuständige Offenmarktausschuss der Fed Zinsen in Minusbereich in Erwägung ziehe.

Dieses Beispiel illustriert ganz klar, dass man keine dieser Aussagen für bare Münze nehmen sollte. Obwohl die Fed bestrebt schien, ihre quantitativen Lockerungen künftig weiter zurückzufahren, wird das derzeit zunehmend unwahrscheinlicher. Das aktuelle währungspolitische Glaubenssystem - die Vorstellung, dass das Drucken immer größerer Geldmengen die fundamentalen und strukturellen Probleme unserer Wirtschaft beseitigen könnte - ist in den Köpfen der Entscheidungsträger, Politiker und Berater so fest verwurzelt, dass sich daran wohl auch in absehbarer Zukunft nichts ändern wird. Steen Jakobsen zufolge bestätigt die Fed damit ihr Ziel, den Dollarkurs schwach zu halten, denn eine weitere Stärkung der Währung kann sie sich nicht leisten.

"Ein schwächerer US-Dollar ist das einzige Instrument mit dessen Hilfe die Weltwirtschaft stabilisiert werden kann", meint der Experte. Wir können allerdings nicht erkennen, wie dies in einem Wirtschaftssystem möglich sein soll, welches auf so fatale Weise von Schulden und von niedrigen Wachstumsraten gelähmt wird. Eine neue Welle staatlicher Einmischungen und temporärer Notlösungen scheint wenig geeignet, um der Weltwirtschaft neuen Lebensgeist einzuhauchen. Immerhin ist mittlerweile ausreichend belegt, dass sie auf derartige Behandlungen nicht anspricht.


Was hat den Goldpreis in den letzten Wochen bewegt?

Obwohl die Vorhersage der weiteren Entwicklung des Goldkurses nicht unser Ziel ist, sind wir dennoch an einer Diskussion der Faktoren interessiert, welche die Edelmetallnachfrage in der letzten Zeit ansteigen ließen. In diesem Zusammenhang sind zwei Hauptursachen erkennbar: Zum ersten spielte die erhöhte Nachfrage der Verbraucher und Zentralbanken der Schwellenländer und insbesondere des chinesischen Marktes eine wichtige Rolle. Der Auslöser dafür war zumeist die Abwertung der jeweiligen Landeswährung gegenüber dem US-Dollar.

Zum zweiten wird der jüngste Aufwärtstrend des Goldpreises auch von der sinkenden Angebotsmenge gestützt, welche 2015 um 4% zurückging und damit so niedrig ausfiel, wie bereits seit 2009 nicht mehr. Grund hierfür waren vor allem der Rückgang der Minenproduktion und des Altgold-Recyclings, dessen Volumen im vierten Quartal 2015 auf den tiefsten Stand seit vielen Jahren fiel. Zudem ziehen sich mehr und mehr Zentralbanken aus dem Bulliongeschäft zurück und entscheiden sich stattdessen dafür, ihre aktuellen Goldreserven zu behalten oder weiter aufzustocken. Die größten Goldmengen erwarben Russland, China (das seine Goldkäufe seit Juli 2015 regelmäßig meldet) und Kasachstan.

Die Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstum und der Dominoeffekt, den dies auf die globalen Märkte haben könnte, ist ein ernster Grund zur Sorge, wie wir in unserem letzten Bericht darlegten. Einerseits besteht das Risiko einer Abwertung des Yuan, welche den internationalen Handel stark beeinflussen könnte, andererseits die Gefahr, dass China die inländische Deflation exportiert. Diese Ängste bewogen die Zentralbanker auf der ganzen Welt letztlich dazu, sich für den Kurs zu entscheiden, den sie zumindest vorübergehend als weniger schmerzhaft erachten - die Beibehaltung der Negativ- und Nullzinspolitik.


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