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Wo die Spekulation blüht und wo nicht - bis die Schuldenblase platzt

26.11.2017  |  Manfred Gburek
Die internationale Spekulation treibt aktuell seltsame Blüten wie schon lange nicht. Sie erfasst gleichermaßen Fonds, Aktien, Immobilien, Kryptowährungen, Gemälde und Oldtimer. Dagegen hat sich diese Spekulation erst zum Teil auf Rohstoffe und so gut wie gar nicht auf Edelmetalle ausgewirkt. Das Ganze heißt im Jargon der Spekulanten Asset Inflation, nur halt ohne Gold und Silber - ein seltsamer Widerspruch. Denn falls überhaupt etwas die Bezeichnung Asset verdient, dann sind es, historisch betrachtet, neben Aktien vor allem die beiden Edelmetalle.

Anlass genug, den Dingen auf den Grund zu gehen. Beginnen wir mit Bitcoin, der weit vor Ethereum dominierenden Kryptowährung. Sie hat allein seit Jahresbeginn gewaltige Sprünge von mehreren hundert Prozent vollzogen und wird von einigen Spinnern sogar als Alternative zum Gold bezeichnet. Das ist natürlich Unsinn, weil sie im Gegensatz zum Gold keinen über Jahrtausende nachweisbaren inneren Wert hat. Doch wenn die Spekulation erst mal in solche Dimensionen vorgestoßen ist, lässt sie sich nicht mehr von heute auf morgen stoppen, Ende offen.

Auch bei den Fonds blüht die Spekulation. Wie aus einer Untersuchung des weltweit führenden Vermögensverwalters BlackRock hervorgeht, haben die - überwiegend als ETFs (Exchange Traded Funds) konzipierten - Indexfonds weltweit allein in diesem Oktober um 58,5 Milliarden Dollar an Volumen zugelegt. Das ist mehr als das Dreifache im Vergleich zum Oktober 2016. Der Löwenanteil entfällt auf Aktien-ETFs.

In der anderen Fondskategorie, den gemanagten Fonds, ist eine Zahl besonders brisant, weil sie zeigt, wie auch hier die Spekulation blüht: Nach einer aktuellen Managerumfrage der Bank of America beträgt der Anteil dieser Fonds an liquiden Mitteln nur noch 4,4 Prozent. Vor Jahresfrist waren es noch 5 Prozent. Das alles zeugt von einem grenzenlosen Aktienoptimismus. Und es geht auf das Jahresende zu, wenn Fonds anhand ihrer Performance nachweisen müssen, wie gut sie das Geld ihrer Kunden verwaltet haben. Dann ist sogar zu erwarten, dass sie bis dahin auch noch weitere Liquidität verpulvern.

Aus der Vergangenheit wissen wir, dass die Spekulation sich in solchen Fällen oft noch bis zum jeweils nächsten Januar hinzieht. Erinnert sei vor allem an das Platzen der sogenannten Internetblase einige Tage nach Beginn des Jahres 2000. So gesehen, käme ein weiterer Kursschub nach oben in den kommenden Wochen gar nicht mal überraschend, Überbewertung der Aktien und geschrumpfte Liquidität hin oder her.

Dass die Geduld solcher Anleger, die in den vergangenen Jahren auf Gold und Silber statt auf Aktien gesetzt haben, mittlerweile arg strapaziert ist, liegt nahe. Es dürfte sich jedoch als folgenschwerer Fehler erweisen, gerade jetzt die Flinte ins Korn zu werfen und sich womöglich von den Edelmetallen zu trennen, um im Gegenzug Aktien zu kaufen.

Denn eines ist auf jeden Fall gewiss: Gold und Silber werden spätestens dann ihre Rolle als ultimativer Schutz vor einer allgemeinen Geldentwertung ausspielen, wenn die internationale Schuldenblase platzt. Zwar lässt sich der Zeitpunkt dafür nicht bestimmen, aber der kleinste Anlass reicht aus, und schon ist es passiert. Als Auslöser kommt alles Mögliche in Betracht, von einer falsch interpretierten Bemerkung des EZB-Chefs Mario Draghi über notleidende italienische Bankkredite und einen Flash Crash der Aktienkurse bis zur Fehlspekulation mit der Kryptowährung Bitcoin.

Warum müssen wir mit alldem und mit noch viel mehr rechnen? Weil die Börsen - egal welche - derzeit von Großspekulanten beherrscht werden. Für diese spielt es keine Rolle, ob sie Anleihen einschließlich der darauf basierenden komplizierten Derivate kaufen und schnell wieder verkaufen, ob sie mit Aktienkursen spielen, statt langfristig in sie zu investieren, oder ob sich eines Tages Chancen mit Terminkontrakten auf Gold und Silber ergeben. Das Ganze nennt sich Trading, gestützt auf Algorithmen und Roboter.

Neben Groß- finden auch immer mehr Kleinspekulanten Gefallen an diesem Spiel. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Verspekuliert sich ein Großer in diesem Geschäft, geht der Verlust zulasten seiner Bank oder - in ganz schlimmen Fällen - zulasten der Steuerzahler. Verspekuliert sich dagegen ein Kleiner, muss er selbst für den Verlust aufkommen.

Im Vergleich dazu ist die traditionelle Anlage in Gold- und Silberbarren, Anlage- und Sammlermünzen geradezu beruhigend: Kaufen, an einem sicheren Ort verwahren und abwarten, bis diese Investitionen ihrer Rolle als Schutz vor dem Zerplatzen der Schuldenblase gerecht werden, fertig. Spätestens aus dieser Überlegung geht hervor, dass zwischen dem aktuellen Geschehen an den Börsen und der Anlage in Edelmetallen ganze Welten klaffen. Dennoch schließt sich beides nicht aus, sondern hat sinnvollerweise seinen Platz im Rahmen eines mittel- bis langfristig konzipierten Vermögens.

Wobei noch zu ergänzen ist, dass auch im Edelmetallsektor die Spekulation überhand nehmen kann. Zuletzt war dies während des ersten Halbjahrs 2016 der Fall, als die Kurse der Gold- und Silberaktien in die Höhe schossen. Nur sollte man so eine Entwicklung nicht mit physischen Anlagen in Barren und Münzen verwechseln, denn genaugenommen handelt es sich um verschiedene Anlagekategorien.

Schließlich seien noch einige Anmerkungen zum Gold- und Silbertiming gemacht, und zwar für die kommenden Jahre. Gehen wir realistischerweise davon aus, dass die Versuche der geheimnisvollen Kräfte, die den Goldpreis - wie ein weiteres Mal am vergangenen Freitag - nach unten zu drücken versuchen, in absehbarer Zeit ihre Wirkung verfehlen werden. Dann ist mit der Fortsetzung des im Frühjahr 2001 begonnenen und im Sommer 2011 unterbrochenen Preisauftriebs zu rechnen.

Wer die Geschichte der Edelmetallpreise während der vergangenen Jahrzehnte Revue passieren lässt, stößt unweigerlich auf die Preismanipulationen in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Damals, im Oktober 1961, wurde der sogenannte Goldpool gegründet. Er hatte die Aufgabe, überwiegend zum Schutz des Dollars den damals offiziellen Goldpreis nicht über 35 Dollar je Unze steigen zu lassen. Das Vorhaben gelang zwar zunächst, aber im März 1968 musste der Goldpool seine Manipulationen einstellen, weil die Gegenkräfte einfach zu stark waren. Fortan gab es neben dem offiziellen auch einen kommerziellen Goldpreis, der später, von 1970 bis 1980, um das 24-Fache stieg.

Aus heutiger Sicht bleiben zwei für Anleger relevante Fragen offen: Wie hoch kann der Goldpreis steigen, sobald die Schuldenblase platzt? Und welche Maßnahmen werden die Regierungen im Verein mit den Zentralbanken ergreifen, um die privaten Goldhorte für sich zu vereinnahmen, unter Umständen bis zum Verbot von privatem Goldbesitz?

Darauf lässt sich natürlich keine präzise Antwort geben. Aber immerhin ein Tipp: Verfolgen Sie mittels Internet möglichst laufend die Kurse der Gold- und Silberaktien, beispielsweise über die Indizes XAU und HUI. Sobald sie über eine längere Zeit auffallend stark steigen, und zwar auch im Vergleich zu den Gold- und Silberpreisen selbst, können Sie damit rechnen, dass das Ende der Schuldenblase und ein extrem scharfer Anstieg der beiden Preise bevorsteht.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

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