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Was hinter dem Milliardenspiel von EZB-Chef Draghi steckt

03.06.2018  |  Manfred Gburek
Donald Trump hat seinen Zoll-Dickkopf durchgesetzt. Noch bevor sich die Europäer auf eine Gegenstrategie geeinigt haben können, will er nachlegen. Bisher hat er ja schon eine ganze Reihe von seinen - zum Teil skurrilen - Wahlversprechen eingelöst, also wird er auch in Sachen Zoll dabei bleiben.

Was folgt daraus? Zumindest eine gewisse Verunsicherung der Anleger und ein Dämpfer für die Konjunktur in Europa wie auch in Amerika. Das heißt, Sie sollten damit rechnen, dass die in Europa durch die unverantwortlich laxe Geldpolitik der EZB und dass die in Amerika durch Trumps Großmannssucht künstlich erzeugte Stimulierung der Konjunktur in eine Wackelphase münden wird.

Was kann man sich im Einzelnen darunter vorstellen? Zunächst eine Eskalation im Handelskonflikt zwischen Europa und den USA. Auf die Frage, was unter Eskalation zu verstehen sei, meint Jens Weidmann, Bundesbank-Präsident und Mitglied des EZB-Rats: „Wenn sich Handelsbeschränkungen durch Zölle und Vergeltungsmaßnahmen immer weiter hochschaukeln.“ Deren Ausmaß bereits jetzt abzuschätzen, ist unmöglich. Sie können, müssen aber nicht eskalieren.

Viel schlimmer, zumindest aus europäischer Sicht, ist die von EZB-Präsident Mario Draghi inszenierte Geld-Show mittels Anleihekäufen, die mindestens noch bis September andauern werden, Monat für Monat jeweils in Höhe von 30 Milliarden Euro. Dieser Wahnsinn hat Methode. Er dient nicht zuletzt dazu, hoch verschuldete Euroländer zu stützen. So gesehen, wird das politische Chaos in Italien, seit Kurzem auch in Spanien, leichter verständlich: Dort gehen die Politiker - egal welcher Couleur - längst davon aus, dass Draghi ihnen helfen wird. Spätestens die nächste Sitzung des EZB-Rats am 14. Juni wird dazu Aufschluss geben.

Otmar Issing, einst in Diensten der EZB und auch heute noch bestens vernetzt, gab erst kürzlich der Börsen-Zeitung ein gepfeffertes Interview, in dem er wie folgt auf das Problemland Italien einging: "Die Populisten von Links und Rechts, die eine Wählermehrheit hinter sich wissen, machen aberwitzige fiskalische Versprechungen, und das auf Basis einer bereits riesigen Staatsverschuldung."

Mittlerweile wissen wir, dass genau diese Populisten seit der vergangenen Woche eine gemeinsame Regierung bilden, Ende offen. Nebenbei ging Issing im selben Interview auch auf das umstrittene EZB-Inflationsziel von nahe 2 Prozent ein: "Der Ehrgeiz, mit dem die EZB versucht, die 2 Prozent so schnell wie möglich zu erreichen, ist schwer nachvollziehbar." Inzwischen sind wir im Euroraum bei 1,9 Prozent angekommen, in Deutschland sogar schon bei 2,2 Prozent; auch Frankreich und Spanien gehören bereits zu den Ü2-Ländern.

Das Inflationsziel, so albern es auch sein mag, entspringt im Euroraum einem knallharten geldpolitischen Kalkül, dessen Ursprung ein Jahrzehnt zurückreicht. Damals ging es um die Bewältigung der schlimmen Finanz- und Wirtschaftskrise. Jedes Mittel war recht, Hauptsache, es versprach zu helfen. Also schoben die EZB-Oberen ein Feindbild vor, das es um jeden Preis zu bekämpfen galt. Als solches bot sich die Deflation an, jene Krisenauslöserin und -begleiterin, die in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts viel Unheil stiftete, zur Depression auswuchs und schließlich mittelbar sogar zum Zweiten Weltkrieg führte.

Glaubt Draghi im Ernst, mit dem immer wieder penetrant vorgeschobenen Inflationsziel der EZB von unter, aber nahe 2 Prozent eine Punktlandung hinzubekommen? Natürlich nicht, denn er weiß, dass Inflation ein dynamischer Prozess ist, der nicht plötzlich aufhört, nur weil die EZB es so will. Aber warum hält Draghi dann an den 2 Prozent fest? Wahrscheinlich, um nicht noch mehr Turbulenzen auszulösen. Denn deren gibt es schon genug, unter anderem deshalb, weil vonseiten des Internationalen Währungsfonds hin und wieder gezielte Vorschläge kommen, man möge doch mal über ein Inflationsziel von 4 Prozent nachdenken.

Draghi hat in Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einen Verbündeten. Er weiß schon, warum: Weil den Franzosen verwandte Sorgen plagen, wenn auch unter anderen Vorzeichen: Französische Großbanken einschließlich ihrer Töchter haben über Staatsanleihen erhebliche Forderungen an den italienischen Staat, mehr als deutsche Banken. Forderungen, die in Anbetracht der viel zu hohen Schulden Italiens zum Problem geworden sind. Das muss irgendwie gelöst werden, und zwar so schnell wie möglich, weil die Kurse italienischer Staatsanleihen sich bereits im Sinkflug befinden und damit signalisieren, dass niemand diese Rohrkrepierer haben will.

Jetzt ist Draghi gefragt. Erinnern wir uns: Sein Programm zum Aufkauf von Anleihen umfasst monatlich 30 Milliarden Euro. Das ist ein gehöriger Batzen. Aber darf er sein Programm einfach mit weiteren italienischen Staatsanleihen bestücken? Immerhin hat die EZB zurzeit schon ein Viertel der italienischen Staatsschulden in ihren Büchern stehen. Keine Frage, dieses Problem kann nicht mehr einfach buchhalterisch, es muss politisch gelöst werden.

Und siehe da, wie aus dem Kanzleramt zu vernehmen ist, will Draghi Angela Merkel am Montag einen - angeblich routinemäßigen - Besuch abstatten. Dabei wird es aber ganz bestimmt nicht allein um den Austausch von Höflichkeitsfloskeln gehen, sondern vor allem darum, wie der Verschuldung im Euroraum Einhalt geboten werden soll und welche Opfer speziell Deutschland bringen muss, damit uns der Euro nicht schon wieder um die Ohren fliegt.

Aus Anlegersicht ist alldem hinzuzufügen: Achten Sie von nun an mehr als bislang auf die Entwicklung der Anleihenkurse. In der vergangenen Woche gab es ja ein heftiges Auf und Ab, was mittelbar auch auf die italienischen Staatsschulden zurückzuführen war. Und nehmen Sie zusätzlich inflationsindexierte Bundesanleihen ins Visier, weil sie möglicherweise bald signalisieren werden, wohin die Reise mit der Inflation uns führt. Ihre Bewegungen waren zuletzt besonders heftig.

Zum Schluss noch ein Blick aufs Gold, das unter anderem als Antipode der Anleihen gilt. Wie von magischer Hand bewegt, wird sein Preis - zuletzt wieder am vergangenen Freitag - für wenige Minuten bei minimalem Umsatz nach unten manipuliert, leicht zu erkennen an plötzlichen Einbrüchen, die allerdings kurz darauf wieder egalisiert werden.

Zweck der Manipulation: Der Goldpreis darf aus Sicht von Regierungen und Notenbanken nicht nachhaltig steigen, weil sein Anstieg signalisieren würde, dass unser auf riesigen Schuldenbergen basierendes Papiergeldsystem vor seinem Exitus stünde. Wie lange dieses Spiel noch weiter geht, ist zwar nicht vorhersehbar. Aber Italien – sprich: abnorme Verschuldung von Staaten, aber auch von Unternehmen und Privatleuten - ist überall. Für Goldanleger gilt also, sich weiter in Geduld zu üben. Zum Trost für alle Ungeduldigen: Bisher versagte jede Goldpreismanipulation am Ende kläglich. Das wird dieses Mal nicht anders sein.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Neu bei gburek.eu: Lieber recherchieren als Geld verlieren


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