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Gold, der zweite Weltkrieg und Operation Fish

16.06.2018  |  Frank Holmes
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Aber hier tauchte ein weiteres Problem auf: So wie es wenig natürliche Ressourcen sein eigen nennen durfte, so besaß Deutschland auch sehr geringe Goldreserven. Im Jahr 1933 besaß man offizielle Bestände im Wert von nur 109 Millionen Dollar - nicht annähernd genug, um eine derartige Macht zu finanzieren, wie Hitler sie sich vorstellte.


Der größte Goldraub der Geschichte

So begann das Reich damit, die europäischen Goldreserven zu plündern, beginnend mit denen Österreichs 1938. Zu dieser Zeit war Deutschlands Schatzkammer nahezu leer. Die Geldspritze durch die österreichischen 90 bis 100 Tonnen Hartwährung verschafften Hitler den benötigten Auftrieb, um seine Plünderung fortsetzen zu können.

Heute erinnern wir uns an den Nazi-Goldraub als "einen der größten Regierungsdiebstähle der Geschichte", um den Botschafter und Wirtschaftsminister Stuart E. Eizenstat zu zitieren, der während seiner Anhörung von 1997 über den Zustand der Holocaust-Vermögenswerte sprach.

Auch wenn Schätzungen variieren und der Goldpreis mit der Zeit schwankt, glaubt man, dass es sich um Gold im Wert von 600 Millionen Dollar handeln muss - nun Milliarden wert - das aus den Zentralbanken und Tresoren der benachbarten und besetzten Ländern geplündert wurde - einschließlich Österreich, Polen, Belgien, Holland und der Niederlande. Silber, Platin, Diamanten, Kunstobjekte und andere Vermögenswerte im Wert von mehreren Millionen wurden ebenfalls gestohlen.


Operation Fish

Jedoch war man nicht in der Lage, die Schätze eines jeden Landes zu plündern. Sobald klar wurde, auf was es die Nazis abgesehen hatten, besaßen viele abgelegene europäische Länder die Vernunft und Weitsicht, ihre eigenen Reserven zu sichern und sie davor zu bewahren, in Hitlers Hände zu fallen.

Und hier kehren wir zurück zur Zeitlinie in Darkest Hour. Im Juli 1940, als die Ängste vor einer Nazi-Invasion Tag für Tag zunahmen, schickte das Vereinigte Königreich 1.500 Tonnen Gold - im Jahr 2017 unglaubliche 160 Milliarden Dollar wert - über den Atlantik, um dann in Kanadas Zentralbank in Ottawa gelagert zu werden.

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Eines der Goldtransportschiffe, die HMS Enterprise


Unter dem Codenamen "Operation Fish" wurde die Evakuierung als eines der größten, bisher dagewesenen Wagnisse bekannt. Der in Ottawa-ansässige Historiker James Powell schreibt dazu:

"Der Seeweg war die einzige Möglichkeit, die Tonnen Gold und Wertpapiere über den U-Boot verseuchten Nordatlantik zu transportieren, auf dem alleine im Mai 1940 100 alliierte und neutrale Handelsschiffe versenkt worden waren. Die Vorgeschichte war also nicht gerade beruhigend. Während des ersten Weltkrieges wurde die SS Laurentic mit 43 Tonnen Gold auf ihrem Weg von Liverpool nach Halifax 1917 von einem deutschen U-Boot vor der Küste Irlands versenkt.

Um die dringend benötigten Waffen und anderen Kriegsmaterialien von den neutralen Vereinigten Staaten zu kaufen, musste Großbritannien mit Gold oder US-Dollar bezahlen; im Rahmen des zu diesem Zeitpunkt in den USA geltenden, strikten Neutrality Act war keine Art des Kredits erlaubt."


Großbritanniens Wagnis trug Früchte. Jeder einzelne Barren wurde sicher über den Atlantik transportiert und war somit sicher vor den Nazis, die ihre Schreckensherrschaft damit weiter verlängern hätten können.


Deutschland heute als goldener Kraftprotz

Auch wenn Hitlers Ziele abscheulich waren, spiegelt seine absolute Notwendigkeit für Gold die jahrzehntelange Rolle des Edelmetalls als weitgehend akzeptierte und zuverlässige Währung wider.

Das ist eine Lektion, die Deutschland nicht vergessen hat; auch heute nicht.

Die offiziellen Goldbestände des Landes betragen aktuell 3.372 Tonnen, mehr als die jedes anderen Landes - mit Ausnahme der USA. Gold macht unglaubliche 70% seiner Fremdwährungsreserven aus - und wieder an zweiter Stelle nach den USA. Das hat Deutschland dabei geholfen, eine der mächtigsten und stabilsten Wirtschaften der Welt zu werden.

Erst kürzlich stellte sich Deutschland als der weltweit größte Goldinvestor heraus. Auch wenn China und Indien das europäische Land noch immer in der Gesamtmenge des konsumierten Goldes übertreffen, investieren die Deutschen mehr Geld in Goldmünzen, -barren und börsennotierte Rohstoffe (ETCs).


© Frank Holmes
U. S. Global Investors


Der Artikel wurde am 05. Juni 2018 auf www.usfunds.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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