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Euro, Dollar, Gold und Silber unter der Lupe

17.06.2018  |  Manfred Gburek
Das war wieder mal typisch für die EZB: Sie entschied am vergangenen Donnerstag in Lettlands Hauptstadt Riga, weitab von der Frankfurter Zentrale, ihre umstrittenen Anleihekäufe zum Jahresende einzustellen - allerdings nicht um jeden Preis, sondern flexibel, wie ihr Präsident Mario Draghi betonte. Also gibt es weiterhin noch ein Schlupfloch, man kann ja nie wissen.

Und um die Entscheidung des EZB-Rats abzurunden, sollen die Euro-Leitzinsen noch bis zum nächsten Jahr unverändert bleiben. Das heißt, gemessen am Hauptrefinanzierungssatz, bei 0,0 Prozent. Bereits am vergangenen Mittwoch hatte die amerikanische Notenbank Fed entschieden, ihren vergleichbaren Zinssatz auf 1,75 bis 2,0 Prozent zu erhöhen.

Die spontane Reaktion an den Börsen folgte zunächst nach dem üblichen Schema: Euro runter bzw. Dollar rauf, Anleihen- und Aktienkurse sprunghaft nach oben, Gold und Silber auch ein wenig, am Freitag jedoch abwärts. Und nun? Die folgende Analyse ist eindeutig: Die EZB tut mit ihrem Schlupfloch so, als sei die vor zehn Jahren entstandene Wirtschaftskrise immer noch nicht ausgestanden.

Dagegen versucht die Fed, das Zinsniveau so lange nach oben zu treiben, bis die Konjunktur in Amerika Schwächen zeigt. Die EZB hätte keinen Zinsspielraum nach unten, wenn es gälte, einem Einbruch der Konjunktur im Euroraum entgegenzuwirken. Dagegen könnte die Fed ihren Spielraum nutzen, sobald es erste Anzeichen einer schwächeren Konjunktur in Amerika gäbe.

Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, aber sie wurde in der vergangenen Woche noch einmal vonseiten der EZB und der Fed bestätigt. Daraus folgt: Die Geldexperimente diesseits und jenseits des Atlantiks gehen in die nächste Runde. Das heißt, beiderseits hält man an einer - jeweils voneinander abweichenden - Geldpolitik fest, nach dem Motto: Bislang ist ja alles gut gegangen, also weiter so! Dabei handelt es sich nicht etwa um das Austesten neuer geldpolitischer Erkenntnisse, sondern schlicht und einfach um Wunschdenken.

Wie das aus europäischer Sicht enden wird, hat der frühere EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing neulich in einem Interview so umschrieben: "Für die Politik ist das sehr bequem. Sie verlässt sich darauf, dass die EZB es schon richten wird. Das wird auf Dauer nicht funktionieren." Dass es einfach nicht funktionieren kann, zeigen Ereignisse, die scheinbar nur am Rande mit der EZB-Geldpolitik zu tun haben, in Wahrheit jedoch die Finanzen im Euroraum enorm durcheinander bringen werden.

Zum Beispiel der aktuelle Streit zwischen CDU und CSU, bei dem es letzten Endes darum geht, auf welche Weise und in welchem Umfang deutsche Steuerzahler für die enormen Kosten der Masseneinwanderung zur Kasse gebeten werden sollen.

Insofern ist ein Blick in den Finanzplan des Bundes erhellend. Demzufolge sollen seine Schulden von 66 Prozent der Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr auf 57 Prozent im Jahr 2021 sinken - Konjunktur, Steuerprogression und Soli sei Dank. Zu schön, um wahr zu werden - es sei denn, die Masseneinwanderung wird gestoppt, die Steuerquellen sprudeln weiter, die Konjunktur brummt, Horst Seehofer und Angela Merkel haben sich wieder lieb, und das alles geschieht im Zeichen der schwarzen Null, also eines soliden ausgeglichenen Bundeshaushalts.

Es gibt indes - neben den üblichen konjunkturbedingten Risiken - einen Störfaktor, der in diesen Tagen ganz besonders zu beachten ist: Die transatlantischen Zerwürfnisse um Zölle, die seit dem vergangenen Freitag auch auf China übergegriffen haben. Dieser Faktor kann in keine Hochrechnung oder Prognose eingebaut werden, weil er sich derzeit nicht in verlässliche Zahlen umsetzen lässt. Und die USA bleiben hart, sind folglich nicht davon abzubringen, Einfuhren aus Europa und aus China mit Zöllen zu belasten.

Eine wesentliche Ursache dafür ist ausgerechnet der Verlauf der US-Konjunktur, der so toll erscheint, dass die Fed sich gerade wieder eine Zinserhöhung genehmigt und sogar versprochen hat, damit fortzufahren. Worauf stützt sich dieser amerikanische Optimismus? Mit einem Wort: auf Schulden.

Dazu habe ich auf der Internetseite wellenreiter-invest.de die folgende aufschlussreiche Passage gefunden: "In den kommenden zehn Jahren wird die Unterdeckung des US-Haushalts jeweils mehr als eine Billion US-Dollar betragen. Die US-Staatsverschuldung beträgt aktuell 21 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: Der Euroraum ist mit 10 Billionen Euro verschuldet. Rezessionen und Krisen sind nicht eingeplant." Dann würden die Steuereinnahmen eines Staates nämlich wegbrechen, während sich die Ausgaben erhöhen.

Dazu passt die aktuelle Hochrechnung des amerikanischen Kongresses zur Staatsverschuldung der USA. Derzufolge dürfte sich das jährliche Haushaltsdefizit in Höhe von 500 Milliarden Dollar von 2017 bis 2028 auf über 1,5 Billionen Dollar mehr als verdreifachen. Das ist bereits mehr als im Krisenjahr 2009. Doch wer darin etwas allzu Dramatisches sieht, sollte sich daran erinnern, dass die amerikanischen Schulden zur Zeit der Obama-Regierung nicht nur ein Mal über die vorgeschriebene Grenze hinaus ausgeweitet wurden, ohne dass der Kongress einen Anlass fand, der Schuldenorgie ein Ende zu bereiten. Dieses Mal wird es nicht anders sein.

Ich bin weit davon entfernt, hohe Schulden zu verharmlosen. Man muss als privater Anleger dagegenhalten: mit Flexibilität, Nachdenken, Beobachtung und Investieren statt Sparen. Dazu gehören neben gängigen Anlagen, wie Aktien und Anleihen - aber wegen der hohen Kurse derzeit bitte nur eingeschränkt - auch Gold und Silber. Deshalb kann ich mir nicht ein Zitat von Robert Rethfeld verkneifen, dem Herausgeber der schon zitierten Internetseite wellenreiter-invest.de. Er hat am vergangenen Donnerstag diese Prognose zum Silberpreis abgegeben: "Sorry für die Superlativ-Ausdrucksweise: Sehr interessant, extrem eng und deutlich profitträchtig. Wir rechnen mit einem Ausbruch nach oben."

Über einen Zusammenhang zwischen den hohen Schulden der USA und dem Silberpreis (einschließlich Goldpreis) lässt sich zwar streiten, aber das ist für Rethfeld als langjährigen Chartisten nicht das Thema. Er interpretiert vor allem Grafiken und hat damit überwiegend Erfolg. Wenn Sie das aktuelle Silberchart aus dem Internet herunterladen, werden Sie bestimmt zugeben, dass es nach Kaufen aussieht.

Wären nicht die seit Wochen anhaltenden Störmanöver gegen das Gold, wie zuletzt am vergangenen Freitag - und dadurch mittelbar gegen das Silber -, dürfte der Silberpreis in der Tat viel höher stehen. Hier ist vonseiten der Anleger wieder mal Geduld gefragt. Sie dürfte sich in nicht allzu langer Zeit auszahlen.

Verfolgen Sie neben den Preisen von Gold und Silber auch intensiv die Kurse einiger Silberaktien, wie Fresnillo, First Majestic und SSR Mining. Sobald sie im Verhältnis zu den Edelmetallpreisen relative Stärke zeigen, ist das als positives Zeichen für die Edelmetalle wie auch für die betreffenden Aktien zu deuten. Dieser Zusammenhang lässt sich über Jahrzehnte nachweisen, und daran hat sich bis heute nichts geändert. In diesem Sinn viel Glück!


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Neu bei gburek.eu: Die Preise machen die anderen - na und?


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