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US-Bruttoinlandsprodukt: Nur in der Schlagzeile gut

28.10.2018  |  Klaus Singer
Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im dritten Quartal nach erster (“vorläufiger“) Schätzung um annualisiert real 3,5% gestiegen. Im Vorquartal betrug der Zuwachs 4,2%. Das "fühlt" sich gut an, zumal die Erwartungen mit 3,3% niedriger lagen. Aber der Teufel steckt im Detail.

Der Beitrag des Konsumsektors legte um 0,11% gegenüber dem Vorquartal zu. Die verfügbaren Haushaltseinkommen wuchsen um annualisiert 180 Dollar, die Sparquote liegt kaum verändert bei 6,4%. Die Verbraucherausgaben (Güter und Dienstleistungen) trugen 2,69% zum BIP-Ergebnis bei.

Der Beitrag der staatlichen Verbrauchsausgaben zum BIP stieg um 0,13% gegenüber dem Vorquartal und macht jetzt 0,56% aus. Der Trend ist hier seit dem Schlussquartal 2017 aufwärts gerichtet.

Der BIP-Beitrag der Exporte schrumpfte, und zwar um 1,57% gegenüber dem Vorquartal. Ebenso sank der Beitrag der Importe im Quartalsvergleich um 1,44%. Die Einfuhrzölle zeigten (scheinbar noch) wenig Wirkung - die Importe stiegen aufs Jahr gesehen um 9,1%. Umgekehrt schrumpften die Exporte zum ersten Mal in 30 Monaten (-3,5%). Das Defizit der Netto-Exporte hat sich im Quartal um fast 100 Mrd. Dollar ausgeweitet und leistete damit einen Beitrag zum BIP-Ergebnis von -1,79%.

Der Beitrag der Geschäftsinvestitionen fiel mit -0.04% knapp in den negativen Bereich, zuletzt war das im vierten Quartal 2015 der Fall. Im zweiten Quartal lag der Beitrag noch 1,14% höher, bei 1,10%. Im ersten kam er auf 1,34%, im Schlussquartal 2017 auf 1,04%. Es scheint, als habe sich damit die Wirkung der Steuerreform bereits erschöpft.

Die BIP-Veranstaltung wurde gerettet durch seine volatilste Komponente. Die Lagerbestände erhöhten sich um mehr als 76 Mrd. Dollar gegenüber dem Vorquartal und leisteten damit einen Beitrag von 2,07% zum BIP, 3,24% mehr als im Vorquartal. Die Erhöhung der Lagerbestände macht damit mehr als die Hälfte der BIP-Entwicklung aus.

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US-BIP im dritten Quartal 2018
(Quelle: www.consumerindexes.com/2018-10-26_commentary.html)


Auch wenn unter dem Strich also eine positive BIP-Entwicklung steht - der starke Aufbau der Lagerbestände ist kein tragfähiges Fundament für eine positive BIP-Entwicklung, leistet doch die spätere Reduktion der Lagerbestände dann einen negativen Beitrag. Wird der Lagereffekt aus der BIP-Entwicklung herausgerechnet, kommt der BIP-Zuwachs in Q3 auf annualisiert real 1,42%, im Vorquartal lag er demnach bei 5,33% - macht eine Differenz von 3,91%.

Noch ein Punkt auf der Negativ-Liste: Das Statistikamt nimmt für das dritte Quartal einen Deflator von annualisiert 1,65% an. Der CPI-U-Index lag im gleichen Zeitraum jedoch bei 1,83% (der CPI (CPIAUCSL) kam im September auf 2,3%, der von der Fed besonders beachtete PCE-Preis-Indikator (PCEPILFE) kam im August auf 2,0%). Eine Unterbewertung der Inflation führt zu höheren realen Wachstumsraten. Wendet man die CPI-U-Inflation auf die nominalen BIP-Daten an, läge die reale BIP-Steigerung lediglich bei annualisiert 3,11%.

Positiv zu vermerken ist die Entwicklung der Konsumausgaben, insbesondere die bei langlebigen Gütern. Sie übertrafen die Erwartungen und lagen mit einem jährlichen Zuwachs von 4% auch über dem schon starken Wert des Vorquartals (+3,8%). Die Investitionen in Wohngebäude dehnten allerdings ihren negativen Trend aus und kontrahierten mit -4% das fünfte Quartal innerhalb der zurückliegenden sechs.

Aus der festen Entwicklung der Konsumausgaben und des weiterhin expandierenden Arbeitsmarktes kann man zwar die Hoffnung schöpfen, dass ein starkes Weihnachtsgeschäft nicht nur zum Abverkauf von Lagerbeständen, sondern eventuell sogar zu einem erneuten Aufbau führt. Aber wie groß ist die Wahrscheinlichkeit eines solchermaßen positiv beeinflussten BIP-Verlaufs angesichts der bereits sehr niedrigen Arbeitslosenquote?

Zudem ist das Verbrauchervertrauen anhaltend gut, seit Anfang 2017 besser als in der meisten Zeit zwischen 2001 und 2007 und nahe an den Hochpunkten aus 2000. Wo kommt da noch Potenzial für eine weitere deutliche Verbesserung her?

Hinzu kommt: Die Erwartungen der Unternehmen an den positiven Verlauf des Weihnachtsgeschäfts müssen sehr hoch sein. Zum Vergleich: Im dritten Quartal 2017 lag der Beitrag der Lagerbestände zum BIP mit 1,04% nur halb so hoch wie jetzt und gegenüber dem Vorquartal nur 0,81% höher (jetzt 3,24%). Demzufolge ist das Enttäuschungspotenzial im Einzelhandel erheblich.


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