Suche
 
Folgen Sie uns auf:

Preisturbulenzen am Markt für Platinmetalle

25.01.2019  |  Thorsten Proettel
Am Kapitalmarkt spielen Edelmetalle eine gewisse Rolle als alternative Investments, wobei das Hauptaugenmerk vor allem auf Gold und mit etwas Abstand auf Silber liegt. Platin und Palladium belegen dabei nur eine Nischenposition, was auch ihrem relativ geringen Bekanntheitsgrad geschuldet ist. Allerdings macht sie ihre Verwendung in der Abgasreinigung von Kraftfahrzeugen zu einem Schlüsselrohstoff für die Kfz-Industrie.

Ihre hohe Bedeutung lässt sich nicht zuletzt an der Preisvolatiltät der letzten Jahre ablesen und insbesondere am Steigen des Palladiumpreises in den vergangenen Monaten. Platin und Palladium werden auch als Beimischung in verschiedenen Fonds genutzt. Da zu beiden Metalle verhältnismäßig wenig Informationen über die üblichen Medien erhältlich sind, sollen im vorliegenden Sonderbericht die wichtigsten Marktfaktoren vorgestellt werden.


Preisentwicklung: Palladium war 2018 eine der besten Assetklassen

Wie auch im Fall der anderen Edelmetalle, werden die Preise für Platin und Palladium im internationalen Handel in US-Dollar je Feinunze zu 31,1 Gramm angegben. Ende 2017 kostete diese Menge Palladium 1.064 US-Dollar, doch bis Mitte August brach der Preis auf 836 US-Dollar ein. Anschließend folge eine rasante Aufwärtsbewegung und am Jahresende 2018 wurde Palladium mit 1.264 US-Dollar je Feinunze bewertet.

Das bedeutet eine Verteuerung gemesen am Jahrestief von mehr als 50 % und gemessen am Stand von Ende 2017 in Höhe von immerhin knapp 19 %. Das hellgraue Edelmetall ließ damit praktisch alle anderen Anlageklassen mit Ausnahme einiger exotischer Aktienmärkte weit hinter sich. In den letzten drei Wochen setzte sich die Aufwärtsbewegung fort und am 17. Januar erreichte Palladium mit 1.439 US-Dollar im Intraday-Handel ein Allzeithoch.

Vollkommen gegensätzlich entwickelte sich dagegen das Schwestermetall Platin. Nachdem die Preisnotierung von 928 US-Dollar am Ende des Jahres 2017 noch auf 1.011 US-Dollar im Januar 2018 anstieg, war anschließend eine stetige Abwärtsbewegung zu beobachten. Erst in der zweiten Jahreshälfte stabilisierte sich der Preis etwas, doch per Saldo ging das Jahr 2018 mit einer Verbilligung um knapp 15 % zu Ende.

Im Allgemeinen tendieren die Edelmetallpreise meistens über ausgedehnte Phasen gleichgerichtet. Die Situation 2018 ist insofern erklärungsbedürftig. Noch auffälliger ist die Entwicklung jedoch mit Blick auf das absolute Preisniveau. Im langjährigen Durchschnitt war Palladium zumindest bislang stets günstiger als Platin (siehe nachfolgendeGrafik).

Open in new window
Quellen: Bloomberg, LBMA, eigene Darstellung


Von Anfang 1996 bis Ende 2018 betrug der durchschnittlich Palladiumpreis rund 480 US-Dollar je Feinunze und Platin kostete durchschnittlich etwa 980 US-Dollar. Das bedeutet, Platin war zumindest im Mittel ungefähr doppelt so teuer. Die Grafik oben zeigt jedoch die deutlichen Abweichungen im Zeitablauf. Ungeachtet dieser Schwankungen war Platin aber fast immer höher bewertet als Palladium. Lediglich um das Jahr 2000/01 war eine zwischenzeitliche Umkehrung der traditionellen Verhältnisse zu beobachten. Wie nachfolgend zu zeigen ist, lassen sich die Preiskapriolen der beiden Edelmetalle größtenteils mit den Marktbesonderheiten und dem fundamentalen Angebots- und Nachfrageverhältnis erklären.


Fundamentale Nachfragesituation

Die Märkte für Platin und Palladium sind ausgesprochen klein. Pro Jahr werden auf Ebene der Endabnehmer von jedem Rohstoff nur ungefähr 250 Tonnen beziehungsweise 330 Tonnen benötigt. Gemessen an den gegenwärtigen Preisen handelt es sich dabei zwar um um Gegenwerte in Höhe von rund 6 Mrd. Euro beziehungsweise 12 Mrd. Euro. Da die Metalle jedoch ausgesprochen dicht sind, würde jeweils der Raum eines Lastkraftwagens ausreichen, um diese Menge unterzubringen. Eine Tonne Platin entspricht einem Würfel mit einer Kantenlänge von lediglich 36 Zentimetern und ein Würfel des etwas leichteren Palladiums kommt auf eine Kantenlänge von knapp 44 Zentimter.

Der wichtigste Einsatzzweck für die beiden Rohstoffe ist die Abgasreinigung in den Katalysatoren von Kraftfahrzeigen und anderen Verbrennungsmotoren. Beide Metalle sorgen für eine Umwandlung von giftigem Kohlenstoffmonoxid in weniger schädliches Kohlenstoffdioxid. Darüber hinaus spielen weitere chemische Prozesse eine Rolle. Im vergangenen Jahr entfielen auf die Kfz-Industrie ungefähr 80% der weltweiten Palladiumnachfrage, aber nur 40% der Platinnachfrage.

Der Unterschied geht auf verschiedene Entwicklungen in den letzten Jahren und nicht zuletzt auf Anstrengungen der Automobilwirtschaft zu Kosteneinsparungen zurück. Grundsätzlich eignen sich beide Metalle für die Abgasreinigung, so dass in der Vergangenheit ein großer Anreiz bestand, teures Platin durch günstigeres Palladium zu ersetzen. Gewisse technische Einschränkungen und auch schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit setzten der Substitution von Platin durch Palladium bislang jedoch Grenzen. Die nachfolgende Grafik zeigt die Nutzung der Metalle in der Kfz-Industrie seit Anfang der 1990er Jahren in absoluten Mengen.

Open in new window
Quellen: Johnson Matthey plc., GFMS, eigene Schätzungen und Darstellung


Die ersten Abgaskatalysatoren in den 1980er Jahren basierten vor allem auf Platin. Ein grundsätzliches Problem besteht darin, dass Palladium weniger hitzebeständig ist als Platin und deshalb schneller verklumpt, vor allem wenn es den sehr heißen Abgasen von Dieselmotoren ausgesetzt ist. In den Katalysatoren werden die teuren Edelmetalle in extrem dünnen Schichten auf große Oberflächen aufgebracht. Ein Verklumpen reduziert die katalytisch wirkende Fläche und führt somit zu unerwünscht schlechteren Abgaswerten.


Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bild- oder Filmrechte liegen beim Autor/Quelle bzw. bei der vom ihm benannten Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt eines Autors spiegelt generell nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers wieder. Mittels der Veröffentlichung will dieser lediglich ein pluralistisches Meinungsbild darstellen. Direkte oder indirekte Aussagen in einem Beitrag stellen keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Wir wehren uns gegen jede Form von Hass, Diskriminierung und Verletzung der Menschenwürde. Beachten Sie bitte auch unsere AGB/Disclaimer!




Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2024.
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!

"Wir weisen Sie ausdrücklich auf unser virtuelles Hausrecht hin!"