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Zerbrechliche Banken

03.02.2019  |  Manfred Gburek
Liebe Leserinnen, liebe Leser,

heute widme ich mich ein weiteres Mal dem Thema Banken, weil es uns alle in den kommenden Monaten und darüber hinaus beschäftigen wird. Das hat vielfältige Gründe. Weiter führende Überlegungen dazu finden Sie nicht nur im folgenden Text, sondern auch im angehängten "Wort zum Wochenende", das in der vergangenen Woche wegen eines Softwareproblems verspätet bei gburek.eu erschien und deshalb hier nochmals veröffentlicht wird.


Zerbrechliche Banken

Da wird seit Monaten darüber spekuliert, unter welchen Bedingungen Deutsche Bank und Commerzbank zueinander finden, wie sich der Bund als Commerzbank-Großaktionär wohl entscheiden wird und ob es gelingt, aus beiden einen international konkurrenzfähigen deutschen Finanzkonzern zu schmieden. Doch die eigentlichen Akteure - Vorstand und Aufsichtsrat beider Banken, die EZB und Finanzminister Olaf Scholz als eine Art Verwalter des Commerzbank-Bundesanteils - hüllen sich in Schweigen. Aus nahe liegendem Grund, denn das ganze deutsche Bankensystem ist so zerbrechlich wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Das geht aus einem aktuellen Papier der Deutschen Bundesbank hervor, das auf der Umfrage bei 34 deutschen Banken beruht und eklatante Systemschwächen aufzeigt. Deren Ursachen liegen auf der Hand: niedrige bis null Zinsen, knallharter Wettbewerb und Missmanagement vieler Banken und Sparkassen beim Umgang mit dieser für sie ungewohnten Situation. Anlass genug, den Dingen anhand des Bundesbank-Papiers auf den Grund zu gehen:

Darin heißt es, die Bedingungen für die Vergabe von Unternehmenskrediten und privaten Wohnungsfinanzierungen haben sich "in geringem Umfang gelockert". Das klingt zunächst harmlos, wird aber bereits kurz darauf modifiziert, wenn es heißt: "Nach einer eher verhaltenen Entwicklung im Vorquartal gewann die Kreditnachfrage in allen erfragten Kreditsegmenten wieder an Dynamik. Dabei stieg der Mittelbedarf im Unternehmenskreditgeschäft deutlich an und übertraf damit die Erwartungen aus dem Vorquartal."

Der Inhalt des folgenden Zitats hat es noch mehr in sich, offenbart er doch zweierlei: Deutsche Banken verdienen mit Krediten so gut wie nichts (oder sie nehmen sogar Verluste in Kauf). Und was die Bonität der Kreditnehmer angeht, wird schon mal ein Auge zugedrückt - ein gefährliches Spiel. Da mag der folgende Bundesbank-Text noch so holprig daherkommen, letzten Endes belegt er im gespreizten Banker-Deutsch, dass aus dem Spiel von heute auf morgen Ernst werden kann. Hier ist der Wortlaut:

"Die Banken lockerten die Bedingungen insgesamt (d.h. die in den Kreditverträgen vereinbarten tatsächlichen Bedingungen für die Gewährung von Krediten) im Firmenkundengeschäft und im Bereich der privaten Wohnungsbaukredite per saldo weiter. Dies geschah abermals über eine bonitätsunabhängige Verringerung der Margen bei den Wohnungsbaukrediten und über eine Verengung der Margen für durchschnittliche Bonitäten bei den Unternehmenskrediten. Die Banken begründeten die Anpassungen wiederholt in erster Linie mit der hohen Wettbewerbsintensität."

Verfolgt man die Margen, also was nach Abzug aller Kosten, ausgedrückt in Prozent von den Erlösen, übrig bleibt, sieht es für die Banken überhaupt nicht gut aus: Zum Tiefpunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise vor zehn Jahren pendelten die Margen noch um 3 Prozent. Im Lauf der Jahre sind sie unter 2 Prozent gesunken, Tendenz weiter abwärts. Und EZB-Chef Mario Draghi denkt nicht daran, die Zinsen zu erhöhen und dadurch mehr Margenspielraum zu schaffen. Folglich neigen immer mehr Banken und Sparkassen dazu, im Hinblick auf die Bonität ihrer Kreditkunden großzügig zu sein, um die Margen nicht weiter abrutschen zu lassen.

Der zu erwartende Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank ist ein Sonderfall. Zwar spüren beide wie alle anderen Banken auch den Druck auf die Margen, aber ihr wichtigstes Problem ist anders gelagert und einzigartig:

Sie passen mit ihren unterschiedlichen Strukturen nicht zusammen, trotzdem sollen sie - auch mithilfe des Staats wegen dessen Beteiligung an der Commerzbank - einen Finanzkonzern schmieden, der international gegen HSBC, JP Morgan, Goldman Sachs und weitere Investmentbanken mithalten kann. Und das bei unzureichenden Margen, zu hohen Personalkosten, überholungsbedürftiger Software, noch zu bereinigenden Rechtsfällen der Deutschen Bank und einem Geschäftsmodell, das mithilfe des Managements und der Aktionäre beider Banken, der Bankenaufsicht und des Finanzministeriums erst noch erarbeitet werden muss.

Eine neue Finanzkrise (wie die von 2008/09 oder noch härter) würde den Großteil der deutschen Banken unvorbereitet treffen. Da drängt sich die Frage auf, wie es dann um deren Beziehungen zu den Kunden stünde. Zweifellos müssten Kreditkunden, zum Beispiel mittelständische Unternehmer und Eigentümer von beliehenen Immobilien, mit schärferen Anforderungen an ihre Bonität rechnen. Geldanleger wären betroffen, falls sie Anleihen, Zertifikate oder sonstige Papiere besitzen, die zu den Inhaberschuldverschreibungen gehören. Dagegen sind Fonds Sondervermögen und bleiben ebenso wie Wertpapierdepots vor Zugriffen geschützt.

Einen Sonderfall bilden Konten aller Art, die in der Regel gesetzlichen Schutz bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank gewährleisten. Die Obergrenze erhöht sich in Sonderfällen, zum Beispiel nach dem Verkauf einer privaten Immobilie, bis 500.000 Euro; das gilt dann für ein halbes Jahr. Außer dieser gesetzlichen Einlagensicherung gibt es noch die der privaten Banken, der öffentlichen Banken, der Sparkassen und der Volks- und Raiffeisenbanken. Weiterführende Details sind zuhauf im Internet zu finden, etwa unter bafin.de.


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