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Großbanken auf dem Holzweg

31.03.2019  |  Manfred Gburek
Da behaupte noch jemand, EZB-Präsident Mario Draghi sei ein Auslaufmodell, weil er von seinem Amt Ende Oktober regulär zurücktreten wird. Das Gegenteil ist der Fall. Das beweist sein neuer Vorstoß zur Rettung der Banken, der im Bankerjargon auf Folgendes hinausläuft: Die EZB soll die finanziellen Nachteile für die Eurobanken aus negativen Einlagenzinsen mindern. Favorisiert wird dazu der Umweg über Freibeträge.

Warum ergreift Draghi auf einmal wieder die Initiative? Zum einen, weil er sich verkalkuliert hat: Er erwartete, dass die positiven Effekte negativer Zinsen für das Wirtschaftswachstum ihre negativen Effekte für die Banken schneller kompensieren würden - ein folgenschwerer Irrtum. Zum anderen, weil in dieser kniffligen Situation weder von Politikern noch von EU-Bürokraten Hilfe zu erwarten ist.

Derweil jagt in Sachen Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank ein Gerücht das nächste, begleitet vom Hauen und Stechen unter "Blauen" und "Gelben". Das erinnert an entsprechende Zustände vor fast zwei Jahrzehnten, als die Commerzbank mit tatkräftiger Unterstützung durch den Allianz-Konzern die Dresdner Bank vereinnahmte. Und was ist daraus geworden?

Unter anderem eine Commerzbank, die während der Finanzkrise nur mithilfe des Staats - und damit zulasten der Steuerzahler - gerettet werden konnte. Was Finanzminister Olaf Scholz sich jetzt dabei denkt, wenn er durch die Vereinigung von Deutscher Bank und Commerzbank in Gedanken schon einen nationalen Champion heranwachsen sieht, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben. Er will einfach nicht zugeben, dass er auf dem Holzweg ist.

Von wegen Champion. Der Enthüllungsjournalist Dirk Laabs hat ein aufschlussreiches Buch mit dem Titel "Bad Bank" geschrieben. Darin zerlegt er regelrecht die Deutsche Bank. In einem Interview mit der Zeitschrift „Wirtschaftsjournalist“ wird er besonders deutlich: "Die Deutsche Bank kämpft nicht gegen den Abstieg, sie ist schon lange abgestiegen. Sie hat selten zuerst an die Interessen der Kunden gedacht. Die Berater waren wie eine Drückerkolonne. Es ging dabei nie um Beratung, immer nur um Umsätze und Abschlüsse."

Auch Journalisten bekommen von Laabs ihr Fett ab: "Wenn man sich die Berichterstattung über die Bank anschaut, wird man erkennen müssen, dass sich der deutsche Wirtschaftsjournalismus nicht gerade mit Rum bekleckert hat. Es hieß oft, die Bank sei gut durch die Finanzkrise gekommen. Das war eine glatte Lüge. Diese Behauptung des Konzerns wurde aber medial einfach mal so übernommen und weiter verbreitet. Die Bank hatte den Ruf, unfehlbar zu sein. Aber das war sie natürlich nie. Nicht mal zu Zeiten eines Hermann Josef Abs."

Und nun? Für die Deutsche Bank wie auch für die Commerzbank droht es dramatisch zu werden: Insider rechnen damit, dass von den insgesamt etwas mehr als 130.000 Beschäftigten beider Institute mindestens 40.000 ihren Job verlieren werden. Und von den rund 2400 deutschen Filialen dürfte etwa die Hälfte schließen. Wenn Banker und Gewerkschafter derzeit miteinander verhandeln, ist von viel niedrigeren Zahlen die Rede. Das dicke Ende, verteilt über einige Jahre, wird indes noch kommen.

Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass die Konkurrenz nicht schläft: Im Investment Banking haben ausländische Institute die deutschen mit riesigem Abstand hinter sich gelassen. Beim gängigen Zins- und Provisionsgeschäft haben Sparkassen einschließlich Landesbanken mit einem Anteil von 28 Prozent und Genossenschaftsbanken von 13 Prozent addiert den Anteil der beiden Großbanken von zusammengerechnet 18 Prozent hinter sich gelassen. Nicht zu vergessen die sonstigen Konkurrenten, wie etwa Auslandsbanken und Onlinebroker.

Die Heimlichtuerei in Sachen Bankenfusion nährt den Verdacht, dass etwas nicht stimmt. Aber was? Da kommt wieder EZB-Präsident Mario Draghi ins Spiel. Denn er trägt mit seiner Null- bis Negativ-Zinspolitik entscheidend dazu bei, dass Banken und Sparkassen im Kreditgeschäft kein Geld mehr verdienen können, ja sogar Verluste in Kauf nehmen - in der vagen Hoffnung, der Draghi-Spuk möge bald ein Ende haben. Doch ob der eingangs zitierte Vorstoß des EZB-Präsidenten ausreicht, um den Banken und Sparkassen in absehbarer Zeit zu Gewinnen zu verhelfen, ist äußerst zweifelhaft.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Peter Boehringer, als Vorsitzender des Haushaltsausschusses gut vernetzt, stößt in seiner schonungslosen Analyse und Prognose zur Bankenfusion auf ein mögliches Komplott, das es in sich hat, falls aus ihm Realität werden sollte:

"Die Regierung plant eine Teilverstaatlichung der Deutschen Bank durch die Hintertür. Sogar eine doppelte Hintertür: Die erste ist der Umweg der indirekten Teilverstaatlichung durch die Fusion mit der zu 15 Prozent schon im Staatsbesitz befindlichen Commerzbank. So wird unauffällig eine Liquiditäts- und letztlich auch Haftungs- und Rettungsleine zur Deutschen Bank geworfen. Natürlich wird dadurch wieder einmal deutsches Steuergeld in die Haftung und gegebenenfalls Zahlungspflicht genommen. Die zweite Hintertür: Der Bundesanteil an den Banken soll künftig über die KfW-Bank gehalten werden - und so zunächst vorbei am deutschen Staatshaushalt und an der parlamentarischen Kontrolle durch den Bundestag."

Diese Analyse einschließlich Prognose ist in sich schlüssig. Dazu drängen sich allerdings gravierende Fragen auf. Die nächstliegende: Ist die Bankenfusion überhaupt realisierbar? Desweiteren: Welche flankierenden Initiativen wird die EZB ergreifen? Wie soll die Bankenfusion der Öffentlichkeit verkauft werden, ohne dass ein Protestschrei durch die ganze Republik schallt? Werden sich entschiedene Fusionsgegner mit der Warnung vor einem erneuten Desaster wie seinerzeit beim Zusammengehen von Commerzbank und Dresdner Bank durchsetzen? Wie werden Politiker und Gewerkschafter reagieren, sobald sie das ganze Ausmaß der Jobverluste erkennen?

Wie ignorant die Fusionsbefürworter und Träumer von einem nationalen Champion sind, ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass sie eine einfache Formel außer Acht lassen: Anders als in der Mathematik ergibt Minus mal Minus in der Finanzwelt kein Plus, sondern ein Doppelminus. Ähnlich hat sich Andreas Dombret, ehemals Vorstand der Deutschen Bundesbank, bereits vor Jahresfrist geäußert. Doch die Championbastler wollen davon offenbar nichts wissen. Also ist die nächste Finanzkrise, in diesem Fall eine mit dem Schwerpunkt Deutschland, so gut wie programmiert. Bankkunden sollten nun auf mögliche Zusatzkosten und auf Abstriche am Service der Deutschen Bank und der Commerzbank achten.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

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