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US-Aktienmärkte: S&P 500 - je schlechter, desto besser

09.06.2019  |  Klaus Singer
Die Zahl der Arbeitsplätze ist in den USA im Mai deutlich weniger angestiegen als erwartet. Im Vorfeld hatte man mit 185.000 neuen Stellen ("nonfarm") gerechnet, gemeldet wurden aber lediglich 75.000. Der Zuwachs für den Vormonat wurde nach unten revidiert. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen aufs Jahr gesehen um 3,1%, erwartet wurden 3,2%. Die durchschnittlichen Wochenarbeitsstunden blieben mit 34,4 unverändert gegenüber dem Vormonat.

Im Februar gab es bei der Arbeitsplatzentwicklung schon einmal eine solch herbe Enttäuschung. Damals hatte man als Begründung für die schlechte Entwicklung die Nachwirkung des „Shutdown“ ausgemacht, für die neuerliche Enttäuschung muss nun der anhaltende "Handelskrieg" USA-VR China herhalten. Im Februar war die unmittelbare Reaktion der Aktienmärkte auf die enttäuschenden Zahlen ein deutlicher Kursrückgang, jetzt legten Aktien mit den schlechten Nachrichten ordentlich zu.

Die Finanzmärkte waren schon vor dem am zurückliegenden Freitag veröffentlichten Arbeitsmarktbericht auf steigende Aktienkurse ausgerichtet. Fed-Chef Powell und andere Fed-Offizielle hatten die Anleger bereits zu Wochenbeginn auf eine mögliche Senkung des Leitzinses eingestimmt. Es wurde gesagt, man verfolge die sich aus dem anhaltenden Handelsstreit ergebenden Risiken genau und werde in geeigneter Form reagieren. Der im Mai unerwartet sinkende ISM-Index wurde als Bestätigung dafür genommen, dass die Fertigungsindustrie Probleme kommen sieht.

Die Erwartungen für eine Leitzinssenkung haben sich in der zurückliegenden Woche deutlich verändert. Zwar wird weiterhin damit gerechnet, dass der Leitzins auf der kommenden FOMC-Sitzung am 19. Juni unangetastet bleibt, aber für die Sitzung am 31. Juli ergibt sich nach Fed Funds Futures jetzt eine implizite Wahrscheinlichkeit von über 63% dafür, dass der Leitzins um 0,25% in den Bereich zwischen 2,00 und 2,25% zurückgeht. Für die Sitzung am 18. September ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit von 48,6% für einen weiteren Zinsschritt von 0,25% nach unten, vor einer Woche lag dieser Wert noch bei 26,8%.

Damit wird nun offenbar das „bad news is good news“ Szenario gespielt. Dazu passt, dass die Renditen weiter nachgegeben haben, die Rendite der zehnjährigen TNotes ist am Freitag intraday bis auf 2,053% abgesackt. Fragt sich nur, wie lange sich der Glaube halten kann, dass schlechte Neuigkeiten gute sind.

Die Zinsstruktur kündet nicht von guten Neuigkeiten. Betrachtet man ausgewählte Merkmale seit 1987 so ergibt sich ein interessantes Bild. 1987 deshalb, weil in diesem Jahr Greenspan Fed-Chef wurde und die „moderne“ Geldpolitik begründete, die darin besteht, alle heraufziehenden Krisen mit Liquidität zu fluten.

Die zehnjährigen TNotes (TNX) gelten als Referenz-Staatsanleihe, die dreimonatigen TBills (IRX) gelten als "sicherer" Liquiditätsparkplatz, der Spread zwischen den zehn- und den einjährigen Treasurys gilt als statistisch gesichertes Omen für eine Rezession (siehe hier, auch hier!) und die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihen gilt als guter Wegweiser für die Zinspolitik.

Nachfolgend zeige ich den Spread zwischen den zehnjährigen TNotes und den dreimonatigen TBills, den Spread zwischen den zehnjährigen TNotes und den einjährigen Treasurys, sowie den Spread zwischen den zweijährigen Treasurys und den Effective Federal Funds (FFR) (siehe Chart!).

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Es wird deutlich, dass eine Rezession heraufzieht, wenn alle drei Spreads in den negativen Bereich vordringen. Der Vorlauf beträgt bis zu sechs Quartale. Wird der Spread der zweijährigen Treasurys zu FFR negativ, vergehen zwischen drei und 12 Monate bis zu einer Leitzinssenkung.

Der folgende Chart zeit, dass Ende März die drei Spreads zum ersten Mal kurz negativ wurden, mit dem 22. Mai trat das Ereignis erneut auf. Der Spread TNX zu einjährigen Treasurys ist vor zwei Tagen wieder positiv geworden (siehe Chart!).

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