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Es gibt gute Gründe, auf physisches Gold und nicht auf Gold-ETFs zu setzen

14.02.2020  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
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Für Anleger, die sich im Edelmetallmarkt mittels Fondsanteilen engagieren wollen, ist es weiterhin bedeutsam, zwischen ETFs und ETCs ("Exchange Traded Commodities") zu unterscheiden. Wer einen Gold-ETF erwirbt, der erwirbt einen Anteil an einem "Sondervermögen". Das Sondervermögen ist geschützt, es wird im Falle der Insolvenz des ETF-Emittenten nicht zur Insolvenzmasse gerechnet. Ein ETC ist hingegen kein Anteil an einem Sondervermögen, sondern eine unbefristete Inhaberschuldverschreibung des ETF-Emittenten. Der Anleger ist im Fall der Insolvenz des Eminenten Gläubiger.

Im Insolvenzfall muss er darauf hoffen, dass seine Ansprüche aus der Insolvenzmasse befriedigt werden können. In Deutschland gibt es aufgrund der sogenannten UCITS-Richtlinie der EU keine Gold-ETFs, sondern nur Gold-ETCs. Weiterhin ist zu beachten, dass es höchst unterschiedliche inhaltliche Ausgestaltungen bei den ETFs und ETCs gibt. Sie lassen sich zwar alle an der Börse handeln, aber nicht alle von ihnen lassen sich beim Emittenten gegen physisches Gold eintauschen. Beispielsweise können SPDR Gold Shares nur in Höhe von 100.000 Anteilen en bloc in 10.000 Feinunzen Gold eingetauscht werden.

Für die Preisentwicklung der ETFs und ETCs macht es zudem einen Unterschied, ob deren Anteile sich an Spot- oder Futurepreisen orientieren; oder ob sie zu 100 Prozent oder zu einem geringeren Prozentsatz durch physisches Gold gedeckt sind. Zudem ist zu beachten, dass die Struktur der ETFs und ETCs in der Regel eine Reihe von Akteuren einschließt wie Emittent, Lagerstätten ("Custodian"), Zahlstellen etc. Sie alle sind mehr oder weniger eng verbunden mit dem Wohl und Wehe des Bankenapparates - gegen dessen Risiken sich so mancher Goldanleger versichern will!

Kurzum: Der Anleger sollte sich, bevor er eine Entscheidung trifft, sich genauestens Rechnung darüber ablegen, was er mit seiner Goldanlage erreichen, gegen welche Risiken er sich versichern will. In Punkto Sicherheit gilt zweifellos: Nichts geht über den Besitz von physischem Gold in Form von Münzen und Barren, die sicher außerhalb des Bankensektors gelagert werden.


Die ETF-Goldnachfrage verdient besondere Aufmerksamkeit. Zwar betrug ihr Anteil an der gesamten Goldnachfrage nur 2,4 Prozent im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Aber sie war gleichzeitig auch die Nachfragekomponente, die die stärksten Schwankungen aufgewiesen hat. Das zeigt Abb. 3, in der die Schwankungen der Jahresveränderungen in den Goldnachfragekomponenten dargestellt sind. Die Vermutung liegt nahe, dass Veränderungen in den Goldbeständen der ETFs in einem engen Zusammenhang mit dem Goldpreis stehen könnten. Das soll nun näher betrachtet werden.

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Quelle: World Gold Council, 2020; Berechnungen Degussa. (1) Standardabweichung der Jahresveränderungen für die Zeit 2020 bis 2019.


Gold-ETFs im Aufwind

Seit 2003 bis heute hat die Nachfrage nach Gold-ETFs kräftig zugelegt (Abb. 4). Eine ganze Reihe von Gründen ist dafür verantwortlich. So scheint es aus Sicht vieler großer institutioneller Goldanleger aus regulatorischen Gründen attraktiv(er) zu sein, Gold-ETFs anstelle von physischen Stücken zu halten. Auch die problemlose Erhältlichkeit und leichte Handelbarkeit der Gold-ETFs gegenüber physischer Ware mag private Anleger für Gold-ETFs/Gold-ETCs begeistert haben. Es gibt aber noch einen weiteren Faktor, der für eine strukturelle Veränderung in der Goldnachfrage spricht, und der die Nachfrage nach Gold-ETFs stärkt: und das ist das Zinsumfeld.

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Quelle: Thomson Financial; Graphik Degussa.



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