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Das dritte Mandat der Fed: Die Ausweitung der Assetblasen

17.03.2020  |  Michael Pento
Die Wall Street verzeichnete am 20. Februar ein neues Rekordhoch. Von da an hätte alles glatt laufen sollen, ein Ritt entlang der weltweiten Liquiditätswelle. Doch dann entwickelte sich diese Welle zu dem, was sich als die schnellste Korrektur von einem neuen Hoch in der Geschichte der US-Aktienmärkte herausstellte. Auch wenn der Rückgang im Vergleich zum rekordbrechenden Bullenrun der vergangenen Jahre relativ milde war, so reichte es aus, um die Zentralplaner zutiefst zu verängstigen. Deshalb erhielten wir am Dienstag, den 3. März weitere Bestätigung dessen, was wir bereits wussten: Unsere Zentralbank wurde vollkommen von der Wall Street korrumpiert und zweckentfremdet.

Die Fed senkte die Zinsen bei einem Notfalltreffen um 50 Basispunkte, obwohl das regulär anstehende Treffen nur zwei Wochen entfernt war - vielleicht wird Trump Powell nun die Freiheitsmedaille des Präsidenten verleihen. Doch jemand hätte das Weiße Haus und die Fed darüber informieren sollten, dass die vierte Zinssenkung innerhalb eines Zinssenkungszyklus fast immer zu Marktpanik geführt hat. Doch der einzige Grund, warum die Fed die Zinsen gesenkt hat, ist die Tatsache, dass der Aktienmarkt unter einer kurzen Korrektur litt. Es war kein Bärenmarkt oder eine Rezession. Es war nicht einmal eine galoppierende Deflation oder eine ausgemachte Rezessionshysterie... zum Zeitpunkt der Entscheidung war es nur eine Aktienkursabnahme um 8% von einem Allzeitblasenhoch.

Es gibt keine Zweifel mehr, dass die Fed ein Sklave der Märkte geworden ist. Nachdem sie jahrelang die Zinsen nach unten manipuliert hat, muss sie nun alles tun, um sicherzustellen, dass die Kreditkosten niemals steigen, die Assetpreise niemals fallen und der massive Berg an US-Schulden (330% des BIP) niemals eine Rezession verzeichnet. Andernfalls wird der Tsunami an Zahlungsausfällen eine noch größere Depression verursachen. Doch Zentralbanken können eine Rezession nicht ewig zurückhalten und haben sichergestellt, dass deren unausweichliche Ankunft zu nichts geringerem als Verderben führen wird.

Der weltweite Schrottanleihemarkt begann Ende Februar stillzustehen, ähnlich wie im Dezember 2018, was dazu führte, dass die wichtigen Indices zu dieser Zeit um 20% bis 30% einbrachen; das ist es, wovor sich Powell fürchtet. Nichtsdestotrotz bleiben der Fed nur noch vier Zinssenkungen, bevor ihr die Munition ausgeht. Eine Reduzierung der Kreditkosten ist kein Allheilmittel, doch die Fed ist einfach in panischer Angst, die Aktienkurse davon abzuhalten, weiter einzubrechen.

Der Coronavirus ist ein exogenes und kein endogenes Marktereignis. In anderen Worten: Der Selloff der Aktien wurde nicht durch eine sich verschlechternde makroökonomische Funktion generiert, wie eine wachsende Inflationsrate, Rezession oder eine ausgemachte Liquiditätskrise. Dennoch wird er nun zu einer solchen. Zinssenkungen heilen die Auswirkungen der Krankheit nicht allzu stark. Doch Investoren sollten weitere Zinssenkungen und zusätzliche quantitative Lockerung erwarten, um die Märkte wieder anzukurbeln.

Wohin führt uns diese künstliche Manipulation von Zinsen, Geldmenge und Assetpreisen also? Ich glaube, dass wir nun der vorletzten Liquiditätswelle gegenüberstehen. Investoren können erwarten, dass die Zentralbanken Geld wie noch nie zuvor drucken werden und dass die Fiskalpolitik die Defizite zu Rekordverhältnissen erweitern wird, um die Auswirkungen des Virus zu bekämpfen. Doch das wird nicht funktionieren. Genau wie jeder andere Versuch seit der großen Rezession gescheitert ist, eine realisierbare Wirtschaft zu erschaffen. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Aktien- und Anleihemärkte von jedem künstlichen Anreizprogramm süchtig geworden sind. Regierungsheilmittel, in deren Rahmen Zinsen gesenkt und Geld gedruckt wird, sind von Natur aus nur lindernd. Sie lindern die Symptome, während die zugrundeliegende wirtschaftliche Fäulnis verschlimmert wird, die aus exzessiven Schulden und widerspenstigen Blasen besteht. Doch dieser vorletzte Impuls von der Fed sollte uns zurück zu einem Leitzins von 0% und permanenter QE führen, genau wie im Rest der Welt.

Dann, nach einer relativ kurzen Zeitspanne falschen Markt- und Wirtschaftswachstums, sollte ein weiterer zyklischer Einbruch des Wirtschaftswachstums und der Assetpreise stattfinden. Der große Unterschied ist diesmal, dass die Zentralbanken Geld bereits kostenlos und in großer Zahl anbieten - doch primär für Banken; nicht für Sie und mich.

Deshalb werden Zentralbanken als Reaktion auf die nächste Krise (in voller Kooperation mit den fiskalpolitischen Obrigkeiten), dazu gezwungen werden, den Stift der ultimativen Inflationsgranate zu ziehen: bedingungsloses Grundeinkommen, moderne Geldtheorie und Helikoptergeld, das direkt zu den Leute fließt. Das sollte weltweit zu einer Zeitspanne heftiger Stagflation führen, wie man sie noch nie zuvor erlebt hat. Wenn Sie jemals Zweifel an einem stagflationären Desaster hatten, das diese Welt erwartet, dann bedenken Sie, was die Bank of Japan am Montag tat. Sie kaufte an diesem einzigen Tag ETFs im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar!

Der Kernpunkt ist hierbei, dass die weltweiten Zentralbanken während einer Anleihemarktkrise, die durch Inflation ausgelöst wurde, absolut unfähig sein werden, irgendetwas gegen diese Krise zu unternehmen.

Die liberalen und wahnsinnigen Zentralplaner, die die Welt operieren, haben dementsprechend die geistlose und trügerische Philosophie übernommen, die Märkte zu Gunsten der Preismanipulation umzustürzen. Traurigerweise haben sie nicht länger eine Wahl, da die Blasen bis in die Thermosphäre aufgeblasen wurden. Und demnach ist eine milde und gekürzte Rezession unmöglich geworden. Stattdessen wurde eine langwierige Depression unausweichlich.

Die Wirtschaftsdaten sind in China - dem Epizentrum des COVID-19 - bereits verdorben. Chinas offizieller Einkaufsmanagerindex fiel von den 50,0 im Januar auf 35,7 im Februar. Das war der bisher größte Rückgang überhaupt. Der chinesische Dienstleistungssektor verzeichnete im Februar ebenfalls seinen bisher schlechtesten Monat, wobei der Caixin/Markit Dienstleistungs-Einkaufsmanagerindex von 51,8 im Januar auf 26,5 im Februar fiel. Und die Verkäufe von Personenkraftfahrzeugen gingen um 80% zurück.

Investoren sollten erwarten, dass der Fluss an weltweiten Wirtschaftsnachrichten - zumindest - in den nächsten Monaten dorthin verläuft, was wir derzeit in China beobachten. Und dass das Ertragszuwachs des S&P 500, das sich bereits vor dem Virus auf Null befand, im zweiten Quartal stark negativ sein wird. Tatsächlich ist passives Management zu einer Todesstrafe für Ihren Lebensstandard geworden.


© Michael Pento
www.pentoport.com



Der Artikel wurde am 9. März 2020 auf www.pentoport.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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