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Manipulierter Marktsozialismus

15.04.2020  |  The Gold Report
Als Kind war ich immer ganz aufgeregt, wenn meine Großmutter mir das Buch von Hans Christian Andersen "Des Kaisers neue Kleider" vorlas. Ich fand die Geschichte faszinierend amüsant, da ein betrügerischer Schneider eine tödliche Dosis Schmeichelei und Rätsel verwendete, um einem armen Herrscher Glauben zu machen, er würde die edelsten Roben tragen, die jemals hergestellt wurden.

Noch größere Ironie liegt in der Menschenmenge, die er während einer Parade passiert, während sie über seine stolze Präsentation staunen; all das in dem Wissen, dass er sich gerade selbst zum Idioten macht, doch zu angsterfüllt, um die Wahrheit zu sagen. Das Ende ist grandios. Der ultimative Moment der Abrechnung kommt in Form eines jungen Knaben, der letztlich unschuldig, doch dennoch wahrheitsgetreu, erklärt, dass der Kaiser tatsächlich fast nackt und nur bekleidet in seiner Unterwäsche durch die Straßen stolziert.

Ich denke, dass ich in dem Moment tatsächlich den scharfsinnigen Schneider beneidete, ähnlich der Art und Weise wie ich von dieser Schar an Bankern und Politikern erstaunt bin. Mit dem Gebaren von Marktschreiern und mit listigen Lächeln auf den Lippen stehen sie vor Kameras, während sie Billionen Dollar aus zukünftigen Portemonnaies der Steuerzahler stehlen und es schamlos unter ihren kapitalistischen Kameraden verteilen.

Entschuldigen Sie, dass ich zur Beschreibung des aktuellen Umfeldes auf Sir Winston Churchill zurückgreife, der es so beschrieb: "Lassen Sie eine gute Krise niemals ungenutzt." Die bloße Weisheit dieser Aussage wird nur durch deren reinen Zynismus überschattet.

Dass ich in den Ohren der Millenials wie eine irritierende Mücke sein kann (und weiterhin sein werde), halte ich weder geheim noch preise ich dies öffentlich an. Doch ich gebe diesen jungen Menschen keinerlei Schuld daran, eine ähnlich zynische Haltung gegenüber der weltweiten Gesundheitskrise einzunehmen. Sie sollten fassungslos über die Handlungen sein, die Baby-Boomer, die für die "Handhabung" dieses Ausbruchs verantwortlich sind, durchgeführt haben; und tatsächlich sind sie das.

In der Twitter- und Blog-Welt finden Diskussionen über COVID-19 statt, die Beschreibungen wie "Boomer-Entferner" enthalten, was - wenn auch eher geschmacklos angesichts der Todeszahlen - das wachsende Misstrauen der Jugend in die weltweite Führungsebene illustriert, deren Großteil aus der "Boomer"-Gruppierung besteht.

Unsere Generation marschierte in den Straßen gegen Rassismus und Krieg und pries dann jahrzehntelang das gesamte Konzept des "freien Marktkapitalismus" an. Wir haben konstant die Häufigkeit und das Volumen der geldpolitischen Inflation gesteigert, während wir blind "unsere Truppen unterstützt haben", ohne uns zu fragen, warum sie ins Ausland entsendet werden, um Feinde zu bekämpfen, die zu schlüpfrig sind, um sie zu konfrontieren und zu abstrakt, um sie zu hassen. Die Banco-Politico-Allianz sagte uns, dass 9/11 eine "Krise" war, also war es gerechtfertigt, in eine andere Nation einzufallen.

Tatsächlich ist der Westen seit nun fast drei Jahrzehnten im Nahen Osten im Krieg und es gibt noch immer Terroristen, die Zivilisten in die Luft jagen, während junge Männer und Frauen in Leichensäcken nach Amerika, Kanada und verschiedene NATO-Länder zurückgebracht werden. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu missmutig werden, doch es gibt absolut keinen Grund überrascht zu sein, wenn die Menschenmassen zu den Hauptstädten der G20 marschieren, mit Fackeln und Mistgabeln, und eine große Veränderung der "Bailout- und Anspruchswarteschlange" verlangen.

Was mich wirklich ärgert (und das sollte Sie auch ärgern), ist nicht die Tatsache, dass die Banco-Politico-Allianz keine "Krise ungenutzt gelassen hat", sondern - im Gegenteil - dass man sie nicht nur genutzt hat, sondern tatsächlich auch erschaffen haben könnte. Da die Zentralbankbilanzen seit letzten September nun ernsthaft beeinträchtigt sind und bis zum Hals unter Giftmüll der letzten Krise (2008) feststecken, ist es möglich, dass diese Dummköpfe tatsächlich eine Ausrede brauchten, um eine "Schock-und-Ehrfurcht"-Kampagne unbegrenzten Gelddrucks durchführen zu können, die vollkommen von der ängstlichen und "allwissenden" Führungsebene gebilligt wird.

Wie ich zuvor bereits geschrieben habe, basierte die Krise, die ich prognostizierte, auf Schulden und die ersten Anzeichen von Schwierigkeiten traten im September auf, als erstmals öffentlich wurde, dass Jamie Dimon von JPMorgan "in Schwierigkeiten mit dem Interbankmarkt" steckte, gefolgt von einer rapiden und erwarteten Reaktion der Fed (REPO). Was als "temporäres" Ereignis und "Nicht-QE" begann, verwandelte sich recht schnell in "permanent" und "massives QE" und das, bevor die Pandemie eintrat.

Niemand wird es je sicher wissen, doch Richard Russell riet oftmals "Folgen Sie dem Geld." Das führt mich zu dem Glauben, dass man den Virus, obwohl die Elite wahrscheinlich nichts mit dessen Ursprung zu tun hatte, durchaus zum vollen Vorteil genutzt habt. Nun ist die Fed-Bilanz auf unvorstellbare Niveaus gewachsen (und wird weiterhin wachsen), während die Finanzministerien aller Nationen auf der Welt derzeit massive Kampagnen der Schuldenmonetisierung verfolgen; in einem Ausmaß, das wirklich surreal geworden ist.

Ich hoffte, mit meinem Zynismus falsch zu liegen und die Banken nicht auf der Liste der Bailout-Erhalter vorzufinden, doch es sollte wohl nicht sein. Wie immer musste das Geld durch die nach Gebühren hungernden Banken geleitet werden, da die Zinszahlen auf Kredite dieser "armen Banken" gezahlt werden mussten. Und da ein Wahljahr vor den USA liegt, kann man es nicht zulassen, dass die Hypothekenzahlungsausfälle in den Abgrund gezogen werden, während Wahlstimmen auf dem Spiel stehen.

Letztlich wurde der Welt längst Glauben gemacht, dass der Reichtum und die Langlebigkeit der westlichen Welt, angeführt durch die USA, das direkte Ergebnis des "freien Marktkapitalismus" ist; genau wie der Kaiser, der scheinbar ewig in Unterwäsche umherstolzieren konnte. Das, meine Freunde, ist die größte Täuschung des neuen Millenniums.

Der "freie Marktkapitalismus", der einst eine Bastion des Guten war, ist nun ein rauchender Haufen Schutt, während eine neue Weltordnung des "manipulierten Marktsozialismus" emporsteigt. Dort wurde der wundervolle Vorgang echter Preisfindung durch Eingreifen, Manipulation und Preisverwaltung ersetzt.

Ich bin deshalb dankbar, dass mein Portfolio so gut mit Gold- und Silbervermögenswerten verankert ist, deren Preise zwar abweichend sind, doch größtenteils positiv im Jahr sind. Silber entwickelte sich schrecklich unterdurchschnittlich und bleibt, trotz kürzlicher Stärke, in einem Bärenmarkt.

Ich rolle üblicherweise mit den Augen, wenn ich lese, dass einer dieser "Newsletter-Gurus", Siegesrunden zieht, nachdem er eine kurzfristige Entwicklung der Edelmetalle richtig erraten hat. Doch noch schlimmer ist der Typ, der Sie jedes Mal daran erinnert, dass er "schon immer Gold angepriesen hat", während er zeitgleich nicht daran erinnert, dass Gold einen schrecklichen Bärenmarkt von August 2011 bis Dezember 2015 erlebte, als der HUI von mehr als 600 auf unter 100 fiel.


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