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Die Lockdown-Krise endet, der Ausnahmezustand bleibt - Warum Sie auf Gold und Silber setzen sollten

05.06.2020  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Die weltweite Finanz- und Wirtschaftsarchitektur wird die Lockdown-Krise überstehen, aber sie wird nicht zur Normalität zurückfinden, sondern im geldpolitisch verhängten Ausnahmezustand verbleiben. Die Risiken für Anleger wachsen, vor allem weil der Geldwert schwindet. Wirempfehlen Gold und Silber - nicht Dollar, Euro und Co.

"Wenn du den Wert des Geldes kennenlernen willst, versuche dir welches zu leihen." - Benjamin Franklin


Krisenherde und Konflikte

Wohin man in diesen Tagen auch blickt: Nahezu überall lassen sich wirtschaftliche Krisenherde und politische Konflikte ausmachen. Die Weltwirtschaft durchläuft ihren bislang schärfsten Einbruch seit den 1929/1930er Jahren. Der politisch diktierte "Lockdown" im Zuge der Coronavirus-Verbreitung hat zu einem Kollaps der Produktion und zu Massenarbeitslosigkeit geführt. Die Federal Reserve Bank of Atlanta schätzt, dass das US-amerikanische Bruttoinlandsprodukt (auf das Jahr hochgerechnet) um 52,8 Prozent fallen wird - das wäre eine Jahresrate von un-gefähr minus 16,5 Prozent.

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Quelle: Refinitiv; Berechnung Degussa. Reale Serien. (1) Prognose der Federal Reserve Bank of Atlanta. (2) Eigene Schätzung.


Die verstörenden Bilder aus vielen US-Städten, in denen jüngst Proteste gegen Polizeigewalt in Aggression gegen Personen und Eigentum, in bürgerkriegsartige Barbarei umgeschlagen sind, zeigen zum einen, wie wichtig Wirtschaftswachstum ist: Es wirkt friedenstiftend, weil das Kuchenstück für alle größer wird. Verteilungsstreit wird abgemildert, während er in einer rezessiven Wirtschaft durch Unzufriedenheit, Verzweiflung und Wut der Benachteiligten angefacht werden.

Zum anderen darf nicht übersehen werden, wie stark mittlerweile die Gesinnung des "Antikapitalismus" ausgewuchert ist: Der politischen Linke gelingt es, den Kapitalismus zu diskreditieren. Er wird als Sündenbock, als Ursache vieler Übelstände gebrandmarkt: Arbeitslosigkeit, ungleiche Einkommensverteilung, Wirtschaftskrisen. Doch das ist eine falsche Deutung der Dinge: Nirgendwo auf der Welt gibt es ein System, das den Namen Kapitalismus verdienen würde.

Das vorherrschende System ist der Interventionismus: Die Staaten greifen in vielfacher Weise in das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ein - mit Ge- und Verboten, Gesetzen, Steuern, Regularien. Es sind die dadurch verursachten Störungen, die zu Problemen führen: Inflation, Spekulationsblasen, Boom und Bust, Schuldenkrisen. Mit Kapitalismus hat das alles rein gar nichts zu tun. Kritik verdient nicht der Kapitalismus, sondern der Interventionismus und Sozialismus.

Doch zurück zur Wirtschaftslage: Nicht nur in den USA, auch in anderen Volkswirtschaften ist zu erwarten, dass die Wirtschaft im zweiten Quartal sowie auch im Gesamtjahr gesehen drastisch einbrechen wird. Der Produktionsstopp trifft die Arbeitsmärkte besonders hart. Beispielsweise ist seit dem 20. März 2020 bis heute die Zahl der Erstanträge für Arbeitslosenhilfe auf 40,77 Millionen angestiegen. In Deutschland stieg im März und April 2020 die Zahl der Arbeitnehmer, die Kurzarbeitergeld beziehen, auf 10,14 Millionen an - das entsprach 30 Pro-zent aller sozialversicherten Beschäftigten.

Die Gesamtlage wird zusätzlich dadurch erschwert, dass die Spannungen zwischen den USA und China weiter zunehmen. Dabei geht es natürlich nicht nur um handelspolitische Streitigkeiten, sondern vor allem auch um geopolitische Machtfragen - etwa die Militarisierung des südchinesischen Meeres und der durch sie führenden Schifffahrtsrouten.

Die Coronavirus-Krise schüttet zusätzlich Öl ins Feuer, weil sie kritischere Fragen aufwirft und die gegenseitige Vertrauensbasis schwächt: Hat Chinas kommunistische Führung die Welt ausreichend über die Gefahr informiert und gewarnt? Wie ist zu erklären, dass die Infektion in China auf Wuhan beschränkt blieb, sich zwar weltweit ausbreiten konnte, dabei aber andere chinesische Städte verschont hat?

Die Beziehung zwischen den beiden Ländern belasten die Pläne Chinas für ein "Sicherheitsgesetz" für Hong Kong, das den Grundsatz "ein Land, zwei System" beenden wird, so ist zu befürchten: Bei der Übergabe von Großbritannien an China 1997 wurde Hong Kong für 50 Jahre Demokratie und Freiheitsrechte versprochen. Die US-Administration hat mittlerweile den vorteilhaften Sonderstatus für Hongkong aufgehoben. Ein weiteres Indiz, dass sich die westlichen Demokratisierungshoffnungen in China nicht bestätigen.


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