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Gold und Silber sind auf dem Weg zu neuen Höchstpreisen

15.08.2020  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
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Zudem wird auch der Staat unberechenbarer. Aus Sicht der Anleger wird beispielsweise das Halten von Schuldpapieren risikoreicher. Wer weiß schon, welche Staaten, welche Banken und Großunternehmen gerettet werden und welche nicht, bei welchen eine Pleite hingenommen wird und dem Anleger Verluste beschert und bei welchen nicht? Die "finanzielle Repression" wird vermutlich nicht nur Zinskontrolle und Geldmengenvermehrung nach sich ziehen, sondern hier und da auch Schuldenschnitte, Umschuldungen, einen Tausch von Schulden in Eigenkapital ("Debt-for-Equity-Swap").


Investoren denken um

Unter diesen Bedingungen - deren Konturen im Zuge der politisch diktierten Lockdown-Krise im deutlicher zutage treten - steigt die Attraktivität für Gold und Silber an:
  • Die Kaufkraft von Gold und Silber kann nicht durch das Anwerfen der elektronischen Notenpresse entwertet werden.

  • Gold und Silber tragen kein Kredit- beziehungsweise Zahlungsausfallrisiko wie Bankguthaben und kurzlaufende Schuldverschreibungen.

  • Als "monetäre Metalle" sind Gold und Silber die natürliche Versicherung gegen den Wertverfall des ungedeckten Geldes.

Ein Indikator für das steigende Interesse am Gold ist der Zufluss in die Gold-Exchange-Traded-Funds (ETFs) - ganz ähnliches gilt auch für Silber, jedoch wird das entsprechende Chart hier nicht extra aufgeführt. Wie in Abb. 3 zu erkennen ist, befinden sich die weltweiten Gold-ETF-Bestände auf einem Rekordstand: Sie beliefen sich bis Ende Juli 2020 3.785 Tonnen. Dahinter verbergen sich vermutlich vor allem auch Goldanlagen von institutionellen Investoren, für die eine Positionierung im Goldmarkt nur über ETFs (beziehungsweise ETCs) möglich ist.

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Quelle: Refinitiv, World Gold Council; Graphik Degussa.


Zudem zeigt Abb. 3 eindrücklich, dass die Gold-ETF-Bestände und der Goldpreis richtungsmäßig positiv und recht eng miteinander verbunden sind. (Dabei ist allerdings offen, ob ein steigender Goldpreis die Gold-ETF-Nachfrage antreibt, oder ob es sich umgekehrt verhält.) Außer Frage steht jedoch, dass die fallenden Zinsen in den letzten Jahren einhergegangen sind mit einer mächtig anwachsenden Gold-ETF-Nachfrage. Das deutet darauf hin, dass das Halten von Gold aus Investorensicht zusehends attraktiver geworden ist.


Bald Null- und Negativzinsen in den USA?

Der US-Leitzins befindet sich seit dem 16. März 2020 in einer Bandbreite von 0 bis 0,25 Prozentpunkten, de facto also bei null Prozent. Die Kapitalmarktrenditen für Staatsanleihen sind jedoch nach wie vor leicht über der Nulllinie (siehe hierzu auch Abb. 1). Investoren fragen sich zusehends: Wird die US-Zentralbank die Zinsen bald auch auf oder unter die Nulllinie drücken? Die Hürden für einen negativen Leitzins sind in den USA recht hoch - die machtvolle Banken- und Finanzindustrie ist nämlich dagegen.

Aber völlig ausgeschlossen sind Null- oder Minuszinsen in den USA natürlich nicht. Sehr wahrscheinlich ist es hingegen, dass die Kapitalmarktzinsen insgesamt weiter nach unten geschleust werden. Dazu kann die US-Zentralbank zum Beispiel konkrete Zinsniveaus vorgeben und diese mittels Wertpapierkäufen am Markt durchsetzen. In diesem Zusammenhang gilt es zu betonen, dass die nominalen Zinsen in den USA zwar weiterhin positiv sind, nicht aber in realer Rechnung, das heißt nach Abzug der Teuerungsrate von den nominalen Zinsen (siehe nachstehende Graphik).

Wie zu erkennen ist, gingen Phasen negativer Realzinsen meist mit einem steigenden Goldpreis einher. Das ist nicht verwunderlich: Negative Realzinsen erhöhen die Attraktivität des Goldes gegenüber den offiziellen Währungen, verstärken die Nachfrage nach dem gelben Metall und treiben seinen Preis in die Höhe.



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