Suche
 

Inflation durch Fiat

13.09.2020  |  Michael Pento
Die Fed hat ihr Inflationsziel nun offiziell von 2% auf einen Durchschnitt über 2% erhöht, um die Jahre zu kompensieren, in denen die Inflationsrate unter diesem Zielwert lag. Ersteinmal besitzt die Fed eine miserable Erfolgsgeschichte, was das Erreichen ihres ersten und primären Mandats, Preisstabilität, angeht.

Dann, infolge der Great Recession, redefinierte sie stabile Preise als eine Inflationsrate von 2% - auch wenn das bedeutet, dass die Kaufkraft des Dollar in 36 Jahren auf die Hälfte reduziert wird. Nun, nach seiner aktuellsten Jackson-Hole-Rede, übernahm Vorsitzender Powell eine neue Definition stabiler Preise; bei der das neue Mandat die Inflation im selben Ausmaß und über dieselbe Zeitspanne über 2% bringen wird, wie sie unter diesem Zielwert lag.

Nur um das klar zu stellen, die Fed hat keinerlei Ahnung davon, was Inflation auslöst. Sie scheut auch keinerlei Mühen, sie absichtlich niedriger zu bemessen. Ist es da ein Wunder, dass die historischen Statistiken der Fed zeigen, dass sie nicht sonderlich gut darin ist, ihr eigenes Inflationsziel zu erreichen? Wie ich in einem anderen Kommentar bereits erklärte, hat die Fed enorme Schwierigkeit, Inflation in irgendeine Richtung zu kontrollieren. In 7 der letzten 12 Jahre war die Fed nicht in der Lage, die durchschnittliche, auf das Jahr hochgerechnete CPI (Consumer Price Inflation) von mindestens 2% zu erreichen.

Demnach scheiterte die Fed 58% der Zeit, ihr Minimuminflationsziel zu erreichen. Umgekehrt schoss die Inflation bis 1975 auf einen zweistelligen Wert, bevor sie von 1976 bis 1977 eine kurze Pause einlegte, und bis Anfang 1980 letztlich auf 14,6% stieg. Während dieses Vorgangs befand es unsere Zentralbank für notwendig, die Zinsen im Februar 1971 von 3,75% bis Mitte 1980 auf 20% zu erhöhen. Das klingt nicht so, als wäre Inflation einfach zu handhaben, richtig? Doch die Fed versucht gerne, die Investoren davon zu überzeugen, dass dies der Fall ist.

Da die Fed keine Ahnung davon hat, was Inflation auslöst und wie man sie tatsächlich misst, wie kann sie da gewährleisten, dass ein unverfälschtes Inflationsziel - eines, das die wirtschaftliche Realität widerspiegelt - erreicht wird? Das kann sie nicht, es ist unmöglich.

Die Fed hat beispielsweise aktuell massive Inflation in Immobilien, festverzinslichen Assets und Aktienkursen erschaffen. Doch sie verzichtet absichtlich darauf, Assetpreise in ihre Inflationskalkulationen einzubeziehen und verwendet den absurden Messwert der Owners' Equivalent Rent (OER) für die Immobilienpreisaufwertung. Die Inflation im Rohstoffsektor befindet sich außerdem bereits weit über 2%. Der CRB-Index ist in den vergangenen 4 Monaten um 30% gestiegen.

Obwohl die Fed also ihr Inflationsziel angehoben hat, besteht kein Grund zu glauben, dass sie dieses auch erreichen wird. Denn wenn schließlich klar demonstriert wurde, dass sie kein Ziel von 2% erreichen kann - unter Verwendung der bevorzugten Maßstäbe der persönlichen Konsumausgaben (PCE) - wie kann man dann denken, dass sie die Inflation nun auf magische Weise nördlich der 2% bringen kann?

Hier ist eine Lektion darüber, wie die allgemeine Verbraucherinflation tatsächlich verursacht wird: Eine steigende US-Inflation stammt von einem Markt, der konsistent an Vertrauen in die Kaufkraft des Dollar verliert. Dies ist auf einen nachhaltigen Anstieg der Dollarmenge zurückzuführen, die sich aufgrund einer Fed, die stetig zunehmende Mengen Staatsanleihen monetisiert, auf die gesamte Wirtschaft ausgeweitet hat. Die Fed ist gezwungen, dies zu tun, um die Zinsen niedrig genug zu halten, um Solvenz der Regierung zu gewährleisten.


Warum gibt es so viele Probleme dabei, Inflation zu erschaffen?

Da die USA eine durch Schulden behinderte Wirtschaft sind, ist die normale Übermittlung geldpolitischer Erschaffung kaputt. Wie Sie sich erinnern können, waren Verbraucher und Banken nach der Great Recession mit Schulden überladen. Demnach konnten sie nicht einfach eine deutliche Menge neuen Geldes erschaffen. Somit blieben die übermächtigen, gravitativen Mächte der Deflation bestehen - mit Ausnahme bestimmter Assetpreise (primär Aktien und Anleihen), die von Privatbanken unter Verwendung neuer Kredite von unserer Zentralbank erworben wurden.

In anderen Worten: Die Wall Street war der Erhalter der Fed-Großzügigkeit und die Verbraucher wurden größtenteils zurückgelassen. Demnach war das durchschnittliche Wachstum der Geldmenge eingedämmt; während die Reserven im Bankensystem von 2008 bis 2014 von 800 Milliarden Dollar auf 4,5 Billionen Dollar stiegen.

Was notwendig ist, damit die Verbraucherpreisinflation gemeinsam mit der Assetpreisinflation steigt, ist eine Kombination aus fiskalpolitischer und geldpolitischer Kooperation der US-Dollar-Ausschweifung. Um die wirtschaftlichen Folgen des Wuhan-Virus zu kontern, schlossen sich Finanzministerium und Fed zusammen, um direkte Zahlungen an Verbraucher und Unternehmen zu senden. Das war der Grund, warum es zu Beginn des Jahres zu einer Stagflation kam.

Die Regierung lieh sich 3 Billionen Dollar neuen Geldes, das von der Fed monetisiert und direkt an die Verbraucher ausgegeben wurde. Dies erhöhte die Geldmenge, die in allen Sektoren der Wirtschaft zirkuliert. Die gesamte Geldmenge M2 stieg von Februar bis Juni 2020 um 18% und die Bilanz der Fed schoss innerhalb weniger Monaten auf einen Rekord von mehr als 7 Billionen Dollar.

Hier ist also eine Eilmeldung für Powell: Kern-PCE-Inflation wird nicht über 2% steigen, nur weil er meint, dass sie dorthin steigen soll. Er kann noch so oft sagen, dass er die Inflation auf diesem Ziel haben möchte, das seit Jahren unerreichbar war. Und da Billionen Dollar Stimuli nun verschwinden, während die Maßnahmen zum Mieterlass, etc. enden, werden die Verbraucher verzweifelt nach Bargeld suchen, um ihre Hypotheken, Kreditkartenrechnungen, Studienschulden, etc. zu zahlen, anstatt neue Schulden aufzunehmen und die Geldmenge zu erhöhen. Dasselbe gilt für Unternehmen, die nun unter Schulden begraben sind.

Es wird die unheilige Kooperation eines Finanzministeriums brauchen, das Schulden erhöht und diese von der Fed mit ihrem Fiatgeld erwerben lässt. Das ist es, was gebraucht wird, sollte Powell die Kaufkraft des Dollar stark reduzieren wollen. Doch was die Fed mit Erhöhung ihres Inflationsziels erreichte, war die Sicherstellung einer langwierigen Zeitspanne wirtschaftlichen Unwohlseins; wobei sich der Großteil des neuen Geldes in den Assetpreisen widerspiegeln wird. Inwieweit die Verbraucherinflation über Powells neues Ziel steigt, hängt davon ab, wie viele neue Schulden das Finanzministerium gewillt ist, aufzunehmen, um das neue Mandat der Regierung - das universelle Grundeinkommen - zu erfüllen.

Dies garantiert jedoch leider, dass die Fed - sollte sie jemals ihr Ziel von über 2% erreichen und dieses mehrere Jahre dort halten - letztlich QE abbrechen und die Zinsen stark erhöhen werden muss; genau wie vor 40 Jahren. Andernfalls werden die Renditen der Staatsanleihen in die Höhe schießen und die Wirtschaft und Aktien nichtsdestotrotz zum Zusammenbruch bringen. Der einzige Unterschied ist die Tatsache, dass die Aktien damals im Jahr 1980 zu 40% des BIPs bewertet wurden und heute zu unglaublichen und präzedenzlosen 185% des BIPs bewertet werden.

Das Resultat wird ein absolutes und präzedenzloses Chaos der Assetpreise sein, wenn sie aus der Thermosphäre fallen, sobald die langfristigen Zinsen unaufhaltsam steigen. Um einen besseren Blick darauf zu haben, denken Sie darüber nach, was mit dem Aktienmarkt während des Black-Tuesday-Crashs im Oktober 1929, dem Black-Monday-Crashs im Oktober 1987, der Great Recession von 2008 und der Wuhan-Virus-Depression 2020 geschah.

Zusammenfassend sollte sich die aktuelle, wirtschaftliche Stagflation zurück in eine Deflation und Rezession entwickeln, wenn D.C. nicht bald einem weiteren Rettungspaket zustimmt. Die Fed wir die nächste Runde Deflation mit ihren üblichen "Werkzeugen" bekämpfen; ihre Bilanz mit weiterem QE erhöhen, Aktienbewertungen weiter in die Twilight Zone drücken und noch größere Distanz zur wirtschaftlichen Realität schaffen. Und Gott helfe uns, wenn die Fed jemals in der Lage ist, ihr neues Inflationsmandat zu erfüllen!


© Michael Pento
www.pentoport.com



Der Artikel wurde am 8. September 2020 auf www.silver-phoenix500.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bild- oder Filmrechte liegen beim Autor/Quelle bzw. bei der vom ihm benannten Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt eines Autors spiegelt generell nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers wieder. Mittels der Veröffentlichung will dieser lediglich ein pluralistisches Meinungsbild darstellen. Direkte oder indirekte Aussagen in einem Beitrag stellen keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Wir wehren uns gegen jede Form von Hass, Diskriminierung und Verletzung der Menschenwürde. Beachten Sie bitte auch unsere AGB/Disclaimer!




Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2020.
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!

"Wir weisen Sie ausdrücklich auf unser virtuelles Hausrecht hin!"