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Operation Höhere Inflation - Was kann schon schief gehen?

12.10.2020  |  Stefan Gleason
Die Federal Reserve warnt Investoren klar und deutlich, dass eine höhere Inflation im Anmarsch ist. Dennoch haben die Märkte diese Warnung größtenteils ignoriert. Anleiherenditen bleiben beispielsweise über das gesamte Laufzeitspektrum weit unter 2%. Aktienmarktbewertungen spiegeln weiterhin eine optimistische Inflationsprognose wider. Und Rohölfutures deuten auf eingeschränkten Aufwärtsdruck auf Preise hin.

Es scheint, als hätte die Fed ein Glaubwürdigkeitsproblem. Im August erklärte der Fed-Vorsitzende, Jerome Powell, dass die Zentralbank beginnen würde, eine Inflation von "durchschnittlichen" 2% anzupeilen. Gemessen anhand des Maßstabs der Fed belief sich die Inflation in den letzten Jahren unter 2%. In den kommenden Jahren einen Durchschnitt von 2% zu erhalten, wird also über einen längeren Zeitraum eine Inflation über 2% voraussetzen.

Im September sprach Präsident der St. Louis Fed, James Bullard, höhere Inflation an. Er erklärte, dass eine Kombination aus einfachem Kredit, hohen Regierungsdefiziten und Angebotsengpässen, die durch das Coronavirus verursacht wurden, einen unerwarteten Anstieg der Preisniveaus zur Folge haben könnte.

Open in new windowDer milliardenschwere Hedgefondsmanager Stanley Druckenmiller ist besorgt, dass der US-Dollar noch rapider an Kaufkraft verlieren wird, als in Folge der "durchschnittlichen" 2%-Inflation, die die Fed derzeit telegrafiert. Druckenmiller meinte kürzlich, dass ein Anstieg der Inflationsrate auf 5% oder vielleicht sogar 10% möglich sei. Vielleicht wissen Goldinvestoren etwas, das Anleihehalter und der Großteil der Wall Street nicht wissen. Der Goldmarkt erreichte im August ein neues Rekordhoch, bevor es im September zu Verkäufen kam. Der große Bullenmarkt scheint intakt zu sein, doch das bedeutet, dass die nächste Rally noch immer zu höheren Hochs führen könnte.

Wenn Gold ein Frühindikator steigender Inflation ist - d.h. fallendes Vertrauen in Wert und Glaubwürdigkeit des US-Dollar - dann sollten Investoren erwarten, dass andere Assets Gold nachfolgen werden. Anstatt sich endlos steigender Aktienbewertungen zu erfreuen, könnten sie endlos unter steigenden Lebensmittel-, Benzin-, Medizin- und anderen Lebenshaltungskosten leiden.

Das Fazit ist, dass Investoren harte Vermögenswerte besitzen können, die Gold in den kommenden Monaten und Jahren auf ihre eigenen neuen Allzeithochs nachfolgen könnten. Silber und Platin bleiben beispielsweise relativ billig. Sie könnten ihre Werte von ihren aktuellen Niveaus in Sachen Dollar verdoppeln und noch immer genug Raum haben, bevor sie auf neue nominale Hochs steigen - geschweige denn reale (inflationsbereinigte) Hochs.


Gold- und Silberreaktion auf Inflation sollte spektakulär sein

Wenn sich die Inflationserwartungen grundlegend verändern und von den Zweifeln, dass die Fed jemals seinen "Durchschnitt" von 2% erreichen wird, zur Angst übergehen, dass sie diesen Wert eventuell übersteigen, dann könnten die Edelmetalle einen spektakulären Anstieg verzeichnen. Sie werden nicht nur einige Prozent steigen, um einen graduellen Anstieg der Inflation widerzuspiegeln. Sie werden um mehrere Vielfache in die Höhe schnellen, um die zunehmende Investornachfrage nach sicheren Häfen zu reflektieren.

In der ersten Jahreshälfte konnten wir inmitten der COVID-Lockdowns eine Vorschau dieses Phänomens beobachten. Die Nachfrage nach Bullion spielte verrückt, was Spotpreise und Münzaufpreise in kurzer Zeit höher steigen ließ. Ein neuer Aufwärtszyklus der Inflation könnte deutlich länger andauern und deutlich dramatischere Resultate für die Metalle liefern. Die letzte große Wahnsinnsphase in Gold und Silber trat während Ende der inflationären 1970er Jahre auf. Die Geschichte wiederholt sich natürlich nicht exakt, gibt uns jedoch einen groben Wegweise für das, was in einem ähnlichen Umfeld passieren könnte:
  • Ernsthafte Realverluste von Bargeldersparnissen, Anleihen und anderen festverzinslichen Instrumenten.
  • Ein stockender Aktienmarkt, der nicht mit der Inflation mithalten kann - ausgenommen einiger, ausgewählter Sektoren.
  • Ein spektakulärer Anstieg (und letztlicher Rückgang) der Edelmetallpreise.
Ja, Wahnsinnsphasen enden üblicherweise böse. Doch im Fall von harten Vermögenswerten wie Silber, das jahrelang geschwächt war, finden sie näher an einem großen Boden als einer Wahnsinnsspitze statt. Solange sich die Fed weiterhin darum bemüht, ihre Währung rapider abzuwerten und Sparer mit negativen Realzinsen zu bestrafen (sie hat geschworen, den Leitzins bis 2023 nahe null zu halten), sollte der Haupttrend der Edelmetalle weiterhin höher verlaufen.


© Stefan Gleason
Money Metals Exchange



Der Artikel wurde am 8. Oktober 2020 auf www.moneymetals.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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