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Die Klimadiktatur

18.10.2020  |  Manfred Gburek
Die EU-Bürokratie startet einen neuen Angriff auf unser Geld. Sie will uns vorschreiben, wie wir es klimagerecht nachhaltig anlegen sollen: über den Aktionsplan "Sustainable Finance". Nur, dahinter verbergen sich unklare Begriffe und zweifelhafte Absichten. Das beginnt damit, dass "nachhaltig" (sustainable) nicht einheitlich definiert wird, und endet mit dem von Kritikern geäußerten Verdacht, die EU wolle uns auf dem Umweg über die Nachhaltigkeit noch mehr lenken, als sie es ohnehin schon tut.

Stürzen wir uns kurz in den Begriffswirrwarr. Das "Forum Nachhaltige Geldanlagen" definiert: "Nachhaltige Geldanlagen ergänzen die klassischen Kriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um ökologische, soziale und ethische Bewertungspunkte.“ Doch was bedeutet das konkret? Ein Beispiel, zitiert nach einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Studie des ifo-Institus und der IHK München: "Um die Kapitalflüsse vermehrt in nachhaltige Investitionen zu lenken, wird Nachhaltigkeit als ein Kriterium in der Anlageberatung bzw. bei der Kreditvergabe definiert."

Typisch EU: “lenken“, wie in einer Diktatur. Soll in Zukunft also eine europäische Mammutbehörde anstelle von Finanzanalysten und Ratingagenturen - oder ergänzend zu diesen - dafür sorgen, dass Kapital dorthin fließt, wo es besonders effektiv zum Einsatz kommt? Ja, nichts anderes als das kommt auf uns zu. Im Übrigen: Pikanterweise ist für die ganze Prozedur neben einem "Sustainable-Finance-Beirat" der Bundesregierung auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin vorgesehen, also ausgerechnet jene Behörde, die sich beim Skandal um die dubiose Firma Wirecard nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat.

Damit nicht genug, denn wie aus der Studie hervorgeht, will Deutschland in puncto Finanzen sogar eine führende Rolle einnehmen - aber nicht etwa nur EU-weit, sondern global. Das liest sich dann so: "Unter dem Ziel, Deutschland zu einem 'führenden Sustainable Finance-Standort' zu entwickeln, versteht der Beirat, dass 'Finanzierungsmarktakteure und Regierungen weltweit die deutsche Sustainable Finance-Strategie als pro-aktiv, ehrgeizig in ihren Zielen, erfolgreich in der Erreichung ihrer Ziele und für ihre eigenen Aktivitäten als entscheidungsrelevant ansehen." Wow, so etwas muss man mal auf der Zunge zergehen lassen.

Wozu das Ganze? Vertiefen wir uns weiter in die Studie - und erleben wir eine Überraschung. Da heißt es nämlich: "Die Rentabilität nachhaltiger Investments übersteigt nach Ergebnissen vorliegender Studien häufig jene nicht-nachhaltiger Anlagen. Deshalb stellt sich die Frage, ob eine aktive Lenkung von Kapitalströmen in nachhaltige Investitionen überhaupt nötig ist." Und die Antwort? Sie folgt wenigstens in Bezug auf das Kreditgeschäft: "Es gibt keinen Beleg dafür, dass nachhaltige Kredite eine geringere Ausfallwahrscheinlichkeit aufweisen."

Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts, wird noch deutlicher, indem er auf einen weiteren Schwachpunkt in der Auseinandersetzung um die Nachhaltigkeit hinweist: Die Lenkung der Kapitalströme in sogenannte grüne Verwendungen durch die Finanzregulierung sei problematisch, denn: "Die dazu vorgesehene Klassifizierung von Wirtschaftstätigkeiten in 'grün' oder 'braun' wird durch andere klimapolitische Instrumente überlagert. Es findet somit eine ineffiziente Doppelregulierung statt."

Doch ob gelenkt oder freiwillig, grün oder braun, allemal hilft kein Zetern und Klagen, denn der Weg in die Nachhaltigkeit ist durch die EU-Bürokratie bereits vorgezeichnet. Im Vorfeld der kommenden Bundestagswahl wird es zu heißen Klima-Debatten kommen, flankiert durch mehr oder weniger ideologische Aufmärsche der Klima-Aktivisten. Und was jenseits des Mainstreams überwiegend erst in kleinen Zirkeln diskutiert wird: Für die Finanzierung all dessen ist gesorgt, sogar zu Konditionen, die weitaus günstiger sind als die für Unternehmen mit Dreifach-A-Bewertung.

Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis sich in Europa und speziell in Deutschland zu den schon rege gehandelten "grünen" Anleihen "grüne" Aktien gesellen. Wobei Börsianer deren Klassifizierung ziemlich locker nehmen werden, Hauptsache, sie können an dem zu erwartenden Hype teilnehmen und durch ihn viel Geld verdienen. Damit sind wir auf dem Umweg über die Nachhaltigkeit bei der Geldanlage angekommen, wie man sie sich in nächster Zukunft vorstellen kann: gesteuert von ESG (Environment, Social, Governance), umgesetzt in "grüne" Aktien.

Dazu schreibt die Fondsgesellschaft DJE Kapital AG in einer aktuellen Analyse: "Die Stromindustrie steht weltweit, aber vor allem in Europa, im Umbruch. Zwei Megatrends prägen diese Dekade: Zum einen der Ausbau Erneuerbarer Energien als Ersatz konventioneller Kraftwerke, vor allem von Atom- oder Kohlekraftwerken. Zum anderen wird es zu einer zunehmenden Elektrifizierung kommen. Beide Trends sind für Anleger gut prognostizierbar und deswegen interessant.

Damit kann man der ganzen Diskussion um Nachhaltigkeit und Klimapolitik aus Anlegersicht doch noch etwas Gutes abgewinnen - zumal in der DJE-Analyse sogar ein gutes Dutzend Aktien erwähnt wird, bei richtigem Timing möglicherweise Profiteure der beiden Megatrends. Hier ist, in alphabetischer Reihenfolge, ein halbes Dutzend zur Auswahl: Air Liquide, Infineon, Linde, Nel ASA, RWE, Siemens Energy.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

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