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Gold, Bitcoin - und das Geheimnis des Geldes

26.04.2021  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Die Welt sucht neues Geld. Dass am Ende dieser Suche - wenn die Staaten sie nicht vollends verunmöglichen - eine Cryptoeinheit steht, ist alles andere als entschieden. In Zeiten des "Crypto-Hype" wird die Wettbewerbsfähigkeit des Gold- und Silbergeldes unterschätzt.

"Ich habe ... gefunden, daß Mißverständnisse und Trägheit vielleicht mehr Irrungen in der Welt machen als List und Bosheit."
- Johann Wolfgang von Goethe -


Was Geld ausmacht

Heutzutage ist das Geld staatlich monopolisiert: Nur der Staat beziehungsweise seine Zentralbank (meist in enger Kooperation mit Geschäftsbanken) geben Geld aus. Diesen Status quo fordern die Kryptoeinheiten heraus, allen voran der Bitcoin. Viele sehen im Bitcoin das neue Weltgeld, das die offiziellen Währungen wie US-Dollar, Euro und Co über kurz oder lang verdrängen wird. Es wäre währungshistorisch gesehen geradezu "natürlich", wenn sich ein Medium, das im Markt frei gewählt wurde, als Geld etablieren würde - denn Geld ist im Kern ein Phänomen des freien Marktes.

Damit “etwas” als Geld - also als das allgemein akzeptierte Tauschmittel - verwendet werden kann, muss es bestimmte (physische) Eigenschaften haben. Es muss zum Beispiel knapp sein, homogen (das heißt von gleicher Art und Güte), teilbar, prägbar, lagerfähig, haltbar, transportabel, es muss einen hohen Wert pro Gewichtseinheit repräsentieren, und es muss weithin bekannt und akzeptiert sein. Weil in der Vergangenheit Edelmetalle diese Anforderungen am vergleichsweise besten erfüllten, wurden sie, wenn es den Menschen frei stand, ihr Geld selbst auswählen zu dürfen, als Geld gewählt: allen voran Gold und Silber.

Geld wird zu Tauschzwecken eingesetzt. Das ist auch die einzige Funktion, die Geld erfüllt. Die Wertaufbewahrungs- und Recheneinheitsfunktion des Geldes sind (wichtige) Unterfunktionen des Geldes. Bei der Wertaufbewahrungsfunktion geht es darum, dass mit Geld nicht heute, sondern an einem künftigen Zeitpunkt getauscht werden soll. Und bei der Recheneinheitsfunktion geht es darum, dass die Tauschverhältnisse zwischen verschiedenen Gütern in Geld ausgedrückt werden. Beispielsweise kostet 1 Birne 1 Euro, und 1 Banane kostet 2 Euro. Das heißt also nichts anderes, als dass sich zwei Birnen gegen 1 Banane tauschen lassen.

Die Recheneinheitsfunktion (als Unterfunktion der Tauschmittelfunktion) des Geldes ist von sehr großer Bedeutung. Der Grund: Die Menschen verwenden Geld, um damit eine Wirtschaftsrechnung durchzuführen. Indem alle Güter auf einen "Nenner", die Geldpreise, gebracht werden, lassen sich Renditeberechnungen anstellen. Das ist bei komplexen Produktionswegen unverzichtbar. Ohne die Verwendung des Geldes zur Wirtschaftsrechnung wäre die moderne arbeitsteilige Volkswirtschaft nicht durchführbar. Mit anderen Worten: Das Geld wird im Tausch eingesetzt (beispielsweise auf dem Wochenmarkt, zur Bezahlung der Miete etc.), und die Menschen rechnen auch in Geld.

Das bis hierhin Gesagte ist, sehr verehrte Leserin, sehr geehrter Leser, das Geheimnis des Geldes, der Versuch, es in wenige Worte zu fassen. Das Geld ist ein "produktiver Segen" für die Menschen. Ohne Geld ist der wirtschaftliche und kulturelle Aufstieg der Gesellschaft undenkbar; ohne Geld - ist das allseits bereichernde und friedvolle Zusammenleben der Menschen national und international undenkbar. Und man sollte nicht denken, die offiziellen ungedeckten Währungen - ob US-Dollar, chinesischer Renminbi, Euro, japanischer Yen, britisches Pfund oder Schweizer Franken - seien das "letzte Wort" in der Geldgeschichte.


Kryptogeld

Kann eine Kryptoeinheit zum neuen Weltgeld aufsteigen? Angesichts der kometenhaften Preissteigerungen von Bitcoin & Co ist man geneigt zu sagen, diese Frage stellt sich nicht mehr. Doch das wäre verfrüht. Gleichwohl lässt sich aus geldtheoretischer Sicht mit hinreichender Überzeugung sagen, dass ein entmaterialisierter Digitalcode durchaus das Zeug hat, von den Menschen, wenn es ihnen frei steht, zum Geld ausgewählt zu werden. Eine entscheidende Frage dabei ist die Konkurrenzfähigkeit alternativer Geldarten - wie zum Beispiel die eines digitalisierten Gold- oder Silbergeldes. In einem solchen Wettbewerb geht es nicht nur um die Abwägung einer, sondern vieler Geldeigenschaften.

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Quelle: Refinitiv, Graphik Degussa. (1) Monatsdaten. (2) Beginnt September 2011.


Die Bitcoin-Welt ist per Protokoll als "Peer-to-Peer" konzipiert. Das heißt, Bitcoins lassen sich versenden und empfangen, ohne dass dafür ein Zwischenhändler ("Intermediär") erforderlich wäre. Das bietet Schutz vor Missbrauch, vor allem vor staatlichen Zugriffen. Allerdings zeigt sich, dass auch Bitcoin-Nachfrager Intermediationsdienste nachzufragen wünschen - und das wird sichtbar, indem Bitcoins bei Krypto-Börsenplätzen (und nicht in der "Personal Wallet") gehalten und deren Verwahr- und Sicherungsdienste in Anspruch genommen werden. Anders gesagt: Peer-to-Peer allein reicht nicht aus, sondern Geldnachfrager wollen ein Geld, das auch auf Wunsch "intermediationsfähig" ist.



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