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Warum Inflation eine Gefahr für die Freiheit ist

19.06.2021  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Die Inflation setzt politische Kräfte frei, die die bürgerlichen und unternehmerischen Freiheiten einzuschränken suchen.

Die Staaten haben das Monopol der Geldproduktion. Nicht weil ihr Geld das beste Geld für Bürger und Unternehmer wäre, sondern weil es den Interessen der Staaten besonders gut dient: Die Hoheit über das Geld sichert dem Staat und den Sonderinteressengruppen, die ihn für ihre Zwecke einspannen - heutzutage sind das vor allem Big Business, Big Banking, Big Tech und auch die Bürokratie - weitreichende Privilegien.

Vor allem gelangt der Staat an zinsgünstige Kredite von seiner hauseigenen Zentralbank. Mit dieser unerschöpflichen Geldquelle ausgestattet, kann der Staat sich seine Gefolgschaft erkaufen und so ungehindert in alle Bereiche des Wirtschafts- und Gesellschaftslebens vordringen. Das staatliche Geldmonopol ist ein äußerst scharfes Schwert, mit dem - um mit Hans Hermann Hoppe (* 1949) zu sprechen - selbst ein Minimalstaat früher oder später zum Maximalstaat wird.

Als Monopolist gibt der Staat kein Gold- oder Silbergeld, sondern ungedecktes, jederzeit in jeder beliebigen Menge vermehrbares Geld aus. Wie aber stellt der Staat die Akzeptanz für sein chronisch inflationäres Geld bei den Menschen sicher?

Er kann dann ungestraft inflationäres Geld ausgeben, wenn die Öffentlichkeit die inflationäre Wirkung des staatlichen Geldes entweder nicht oder nicht in ihrem vollen Ausmaß bemerkt, oder wenn die Menschen die erkannte Inflation als hinnehmbar ansehen. Dem Staat muss es also gelingen, die inflationäre Natur seines Geldes vor der Öffentlichkeit zu verbergen, beziehungsweise er darf es mit der Inflationierung seines Geldes nicht zu weit treiben; der Schwindel darf nicht auffliegen, die Duldung durch die Öffentlichkeit nicht verfliegen.

Dazu verspricht die staatliche Zentralbank, sie werde die Inflation - gemessen anhand eines Konsumgüterpreisindexes - um nicht mehr als zwei Prozent pro Jahr ansteigen lassen; und viele Ökonomen - die größtenteils ebenfalls auf der Lohnliste des Staates stehen - loben diese Praxis als gut und richtig. Doch was man der Öffentlichkeit da als "Preisstabilitätspolitik" verkauft, ist eine Täuschung. In Wahrheit handelt es sich um eine Politik, die den Geldwert gezielt herabsetzt.

Die Politik der Zentralbanken ist sogar noch viel inflationärer, als es die offiziellen Preisindices anzeigen. Denn die Statistiken lassen die Preise der Vermögensbestände - Aktien, Häuser und Grundstücke - weitestgehend außer Acht. Doch gerade die Vermögenspreise inflationiert die Zentralbankpolitik, und Vermögenspreisinflation setzt den Geldwert genauso herab wie Konsumgüterpreisinflation.

Inflation verursacht Umverteilungswirkungen von Einkommen und Vermögen, wenn sie unerwartet, das heißt überraschend kommt. Genau das geschieht seit Jahrzehnten: Die Inflation der Konsumgüterpreise ist relativ niedrig, aber die Inflation der Vermögenspreise ist recht hoch. Da jedoch der Öffentlichkeit gebetsmühlenartig eingetrichtert wird, die Inflation sei anhand der Konsumgüterpreise, nicht mittels Vermögenspreisen zu bemessen, bleibt der Widerstand gegen die Politik der Geldentwertung aus.

Von dieser "Überraschungsinflation" profitieren der Staat und die von ihm Begünstigten, aber auch diejenigen, die über Vermögensgüter verfügten, deren Preise in die Höhe getrieben werden. Doch jetzt scheint sich die Lage zu ändern. Die gewaltige Geldmengenausweitung, für die die Zentralbanken im Zuge der Lockdown-Krise sorgen, wird für alle sichtbar.

Nun geht auch der Preisanstieg für Konsumgüter in die Höhe. Die Zentralbanken reden die Sache klein: Es handele sich um einen "vorübergehenden" Anstieg der Inflation, schon bald werde die Inflation wieder abnehmen. Man will verhindern, dass die Menschen den Schwindel erkennen und fortan eine Inflation erwarten, die höher ist als die Inflation, die die Zentralbanken vorgaukeln erreichen zu wollen. Denn wenn das der Fall ist, passen die Menschen ihre Löhne, Mieten, Zinsen etc. nach oben an. Tritt die höhere Inflation wie erwartet ein, bleibt die Überraschungsinflation aus, und es ist vorbei mit der heimlichen Plünderung der einen durch die anderen.

Die Zentralbank müsste, wollte sie die Menschen weiter täuschen und still und heimlich umverteilen, für noch höhere Überraschungsinflation sorgen.

Der Prozess aus Täuschung, Enttäuschung und erneuter Täuschung führt jedoch geradewegs in die Hoch- oder gar Hyperinflation. Eine pikante Einsicht. Schließlich hängt das Überleben der meisten Staaten der westlichen Welt und ihrer Begünstigten von der Ausweitung der Geldmenge beziehungsweise der Duldung dieser Politik durch die Öffentlichkeit ab. Um letztere zu sichern, werden die Staaten, wenn die Preisinflation zu groß zu werden droht, sehr wahrscheinlich zu Preiskontrollen greifen: Höchstpreise für Energie, Nahrungsmittel, Mieten, Transport erlassen.

Dadurch ließe sich das wenige, was von der freien Marktwirtschaft noch übrig ist, auch noch abschaffen. Güterknappheit, Schwarzmärkte, Korruption, Vetternwirtschaft etc. wären die Folgen; und der Aufstieg des unbarmherzigen Überwachungsstaates, der Verstöße gegen seine Diktate entschieden bekämpft und hart bestraft.

Viele Regierungen arbeiten mit am "Großen Neustart", an der "Großen Transformation": Die Menschen sollen ihre Geschicke nicht selbstbestimmt in einem System der freien Märkte gestalten, sondern staatlichen beziehungsweise supra-nationalstaatlichen Vorgaben gehorchen. Was liegt da näher für diejenigen, die sich die Menschheit zu Untertanen machen wollen, als die Inflation einzusetzen, um die ersehnte Tyrannei aus der Taufe zu heben? Das inflationäre Vorhaben kann gelingen, wenn die Menschen im Staat weiterhin den Retter in der Not erblicken. Es kann aber auch scheitern, beispielsweise wenn die große Not der Massen den neosozialistischen Weltumbauplänen den Boden entzieht.

Was sich jedoch schon heute mit guten Gründen sagen lässt, ist, dass man den offiziellen Währungen - US-Dollar, Euro und Co - so weit wie möglich abschwören, nur so viel als eben nötig von ihnen besitzen sollte.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


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