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EZB verweigert Kampf gegen Inflation und legt Grundstein für mehr QE

27.07.2022  |  Markus Blaschzok
Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Donnerstag ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf 0,5% angehoben und ihre 11 Jahre dauernde Nullzinspolitik beendet. Die EZB liegt damit weit hinter der Kurve, da der Leitzins, angesichts der historisch hohen Inflationsrate von 8,6% im Euroraum, längst bei über 13% liegen müsste.

Wollte die EZB den hohen Anstieg der Konsumentenpreise, den man selbst durch das Drucken von Geld zu verschulden hat, wirklich bekämpfen, so hätte sie die Macht dazu. Um die Kaufkraft des Euros zu erhalten, bräuchte sie lediglich die Manipulation des Anleihenmarktes aufgeben und einen Zinsanstieg zulassen, während man die ausgeweitete Geldmenge wieder reduziert.

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Die EZB hob erstmals seit 11 Jahren den Leitzins an


Bei steigenden Zinsen würde es die europäische Zombiewirtschaft mitsamt der politischen Union jedoch zerreißen, weshalb die Genossen in der EZB davor zurückschrecken. Kaum steigen die Zinsen für Staatsanleihen ein wenig Richtung eines fairen Marktniveaus, droht bereits der Kollaps der hochverschuldeten europäischen Südstaaten, wie beispielsweise Italien. Das Drucken von Geld hat die Probleme der Eurokrise von 2010 nicht gelöst, sondern nur in die Zukunft verschoben, was sie nur vergrößert und Lage zusätzlich verschärft hat.

Deshalb hat die EZB den neuen Rettungsschirm "TPI" (Transmission Protection Instrument) gespannt, mit dem sie Anleihen, der vor dem Bankrott stehenden Staaten, unbegrenzt aufkaufen und so deren Schuldendienst für einige Zeit senken kann. Staatsanleihen der noch halbwegs solventen Eurostaaten werden hingegen verkauft, wodurch deren Zinsen ansteigen werden. Die solventen Nationen bezahlten dadurch die Zinsen der insolventen Staaten.

Marktkräfte lassen sich wie Naturgesetze nicht dauerhaft verbiegen und es stellt sich die Frage, wie lange die EZB Staatsanleihen aufkaufen und die Zinsen der Südstaaten unten halten kann, ohne wieder neues Geld drucken zu müssen. Damit ist klar, wohin die Reise gehen wird, wobei sich nur noch das unvermeidliche Ende hinauszögern lässt. Das TPI ist als Vorbote eines neuen, künftigen QE-Programms zu sehen.

Nullzinspolitik und planwirtschaftlichen Eingriffe haben zu einer Überschuldung und einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit Europas geführt, weshalb es nun vor einer historisch starken Rezession steht. Selbst bei einer Fortsetzung der Nullzinspolitik würde diese Zombiewirtschaft in eine nicht mehr endende Rezession und sukzessiven Niedergang abgleiten bei stetig steigenden Inflationsraten.

Weitere Zinsanstiege lassen sich daher nur dann verlangsamen, wenn die EZB als Käufer der letzten Instanz Staatsfinanzierung betreibt und die Geldmenge weiter ausweitet. Wie das ausgehen kann, hatten zuletzt die Hyperinflationen in Zimbabwe und Venezuela gezeigt. Die EZB hatte sich bereits vor Jahren in eine Ecke gepinselt, was in einer langandauernden Stagflation enden musste, was ich in vielen Artikeln in 2018 und 2019 bereits prognostiziert hatte.


Es muss erst schlimmer werden, bevor es wieder besser wird

Die einzige Möglichkeit, um die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs zu bringen, ist genau das Gegenteil von dem zu tun, was man die letzten 40 Jahre gemacht hat. Es sind scharfe Deregulierungen und Steuersenkungen nötig bei gleichzeitiger Schrumpfung des Staatsapparats mit einem Rückzug der Politik aus Wirtschaft und Gesellschaft.

Europa als politische Einheit, sowie die Währungsunion waren und sind totalitäre Utopien, die abgewickelt werden müssen, wenn der Wohlstand wieder wachsen und es eine gute Zukunft in Freiheit und Wohlstand für künftige Generationen geben soll. Entweder lässt man Menschen in Freiheit wirtschaften, wachsen und gedeihen oder der planwirtschaftliche Niedergang wird sich fortsetzen, bis nichts als Ruinen übrigbleiben werden, ebenso wie in allen ehemaligen sozialistischen Ländern.

Die Rezession kommt in jedem Fall, da Jahrzehnte politischer Eingriffe in die Wirtschaft und das Geldsystem zu gigantischen Fehlallokationen geführt haben, die bei steigenden Zinsen erst bereinigt werden müssen, bevor es wieder aufwärtsgehen kann.

Wir werden in den nächsten Jahren eine anhaltende Rezession bei gleichzeitig steigenden Preisen erleben. Die Inflation ermöglicht es den Regierungen durch statistische Tricks eine Stagnation vorzugaukeln, während die Volkwirtschaften in Wahrheit in einer tiefen Rezession stecken. Die Stagflation wird sich fortsetzen und der Immobilien- sowie der Aktienmarkt aufgrund der steigenden Zinsen inflationsbereinigt zunehmend kollabieren. Die Notenbanken werden wahrscheinlich mit dem Drucken von Geld reagieren und die Preise weiter ansteigen.

Diese Krise wird erst dann ein Ende finden, wenn die Zinsen über längere Zeit deutlich im zweistelligen Bereich notierten und alle durch die planwirtschaftlichen Eingriffe erzeugten Fehlallokationen weggewaschen wurden. Gold und Silber werden in dieser Zeit der sichere Häfen sein, deren Preise durch die Decke schießen werden. Auch die Gold- und Silberminen werden davon überproportional profitieren können. Man sollte daher weiter in Gold und Silber investieren, da wir erst am Anfang der Krise stehen und diese erst bei viel höheren Zinsen in einigen Jahren ihr Ende finden wird.


Edelmetalle beginnen Boden auszubilden

Der Goldpreis fiel in der letzten Woche auf die langjährige Unterstützung bei 1.680 $, während der Goldpreis in Euro die wichtige Unterstützung bei 1.660 Euro anlief. Diese beiden Marken wollte der Markt scheinbar noch einmal abarbeiten, bevor die Bären ihre Shortgewinne eindeckten und zu Bullen mutierten. Der Gold- und der Silberpreis hatten exakt unsere Korrekturziele bei 1.680 $-1.700 $, sowie 18 $ erreicht und beginnen nun an diesen wichtigen Unterstützungen einen Boden auszubilden. Die nächsten Wochen und Monate dürften zäh werden, da die Masse der Investoren noch immer den Aussagen der Notenbanken und Regierungen Glauben schenken, wonach man die Inflation bekämpfen und diese bald senken würde.


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