Silber: Drei auffällige, wie auch außergewöhnliche Vorgänge
02.01.2026 | Redaktion
Am vorletzten Tag des Jahres 2025 kündigte die Chicago Mercantile Exchange (CME) erneut an, dass sie zum Stichtag 31. Dezember die Margin-Anforderungen für Edelmetall-Futures drastisch anhebt. Erwähnenswert ist, dass am Terminmarkt zwei Margin-Erhöhungen innerhalb einer einzigen Woche ungewöhnlich sind, wie auch sehr selten vorkommen.Die Folge solcher radikalen Maßnahmen ist, dass finanzschwache Marktteilnehmer ihre gehebelten Positionen innerhalb weniger Stunden verkaufen müssen bzw. zwangsweise liquidiert werden. An den Märkten führt das zu einem vorübergehenden Verkaufsdruck.
Im Fall von Silber wurde die zu hinterlegende Sicherheitsleistung um zusätzliche 7.500 US-Dollar pro Kontrakt erhöht. Seit Mittwoch beträgt die Margin 60%. Im Detail:
- Gold: Erhöhung um 9%, (steigt von 22.000 auf 24.000 US$)
- Silber: Erhöhung um 30%, (steigt von 25.000 auf 32.500 US$)
- Platin: Erhöhung um 25%
- Palladium: Erhöhung um 22%
Wie nicht anders zu erwarten, sank am Silvestertag der Silber-Future deutlich und durchbrach kurzzeitig die 70 US$-Marke. Aktuell steht er bei ca. 73,50 US$/oz.
Die zweifache Margin-Erhöhung könnte ein Hinweis sein, dass das Clearingsystem vor ernsthaften Problemen steht.
Zudem wurde bekannt, dass die US-Notenbank Federal zum gleichen Zeitpunkt (quasi parallel) gezwungen war knapp 106 Milliarden US-Dollar in das Not leidende amerikanische Bankensystem zu pumpen, um eine Kettenreaktion zu vermeiden.

Source: Federal Reserve Bank of New York
Der so genannte "Overnight Repo Facility" ist ein geldpolitisches Werkzeug, meist einer Zentralbank (wie der US-Fed). Klamme Banken können kurzfristig (über Nacht) Wertpapiere an die Zentralbank verkaufen, um Bargeld zu erhalten. Diese Fazilität stellt buchstäblich die "letzte Instanz" für Banken dar, wenn sie dringend Geld benötigen, weil sie keine Kredite mehr über reguläre Quellen erhalten können.
Höhere Gewalt
Ganz nebenbei führte die CME am 30. Dezember 2025 eine befristete Regeländerung ein, um zukünftig auf "unerwartete Marktstörungen" reagieren bzw. diese steuern zu können. Die Änderung der Handelsbedingungen betrifft sowohl den Futures-, als auch den Optionsmarkt (der CME Group).
Unter höhere Gewalt wird im Allgemeinen ein unvorhersehbares oder unkontrollierbares Ereignis (wie Katastrophen, Pandemien oder Streiks) verstanden. Das Aufweichen der Definition "höhere Gewalt" erlaubt der CME nunmehr jederzeit die Vertragsbedingungen einseitig zu Gunsten einer Partei zu ändern.
Historisch ähnelt diese Intervention den Ereignissen von Januar 1980, als die Commodity Exchange (COMEX) durch "Silver Rule 7" den Silberspekulation der Hunt Brothers zum Kollaps brachte (siehe Artikel vom Mittwoch).
Die Bevorzugung einer Gruppe von Marktteilnehmern, die mittels der Regelwerkaufweichung von der Haftung/Nichterfüllung ihrer Verpflichtungen freigestellt werden könnten, ist sehr, sehr heikel. Letztendlich würden die, die sich verzockt haben, mit einem blauen Auge davon kommen, und jene die Richtig lagen, müssten die Zeche zahlen.
Würde die CME die befristete Regeländerung tatsächlich anwenden, steht die Glaubwürdigkeit des gesamten amerikanischen Finanzmarktes auf dem Spiel, inklusive des US-Dollars. Denn im Gegensatz von vor 45 Jahren gibt es CME-Alternativen in Dubai oder Shanghai. Diese Börsen in aufstrebenden Ländern garantieren ihre Vertragsregeln, wie auch die physische Lieferbarkeit von Silber.
China
Weltweit wird Silber hauptsächlich in Mexiko, China und Peru gefördert, wobei Mexiko seit Jahren an der Spitze steht, gefolgt von China und Peru. Etwa 75% des Silbers wird als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle (z.B. Kupfer, Blei oder Zink) gewonnen, während ein Viertel gezielt abgebaut wird.
Zum Neujahr trat in Peking ein neues Gesetz in Kraft, das für den Export von raffiniertem Silber eine Ausfuhrgenehmigung (Lizenz) vorschreibt. Wie vielfach behauptet, handelt es sich jedoch um kein generelles Ausfuhrverbot. Die tatsächlichen (Kurs-)Auswirkungen werden vermutlich erst in Tagen oder Wochen sichtbar.
© Redaktion GoldSeiten.de