Alasdair Macleod: Die Mathematik einer Schuldenfalle
08.01.2026
Die Kombination aus stagnierenden Volkswirtschaften und hohen Staatsschulden führt unweigerlich zu Finanzierungskrisen und Schuldenfallen. Nirgendwo äußert sich dieses Problem destruktiver als beim Fiat-Dollar.Aber es betrifft nicht allein den US-Dollar. Die Volkswirtschaften der Eurozone und des Vereinigten Königreichs wachsen nicht stark genug, um ihre kolossalen Staatsschuldenberge aufrechterhalten zu können. In diesem Artikel erkläre ich die Mechanismen einer Schuldenfalle. Ich zeige zudem, wie der Mix aus steigenden Zinsen, die Ausdruck wachsenden Risikos sind, sowie stagnierenden Volkswirtschaften in eine Schuldenfalle führt, die noch höhere Zinsen zur Folge hat und somit die Situation weiter verschärft.
Ich selbst erinnere mich noch an die Sterling-Krise von 1976, als der IWF den britischen Staat rettete und die Bank of England Guilt-Anleihen mit mittellangen Laufzeiten durch Zins-Kupons von über 15% finanzieren musste. Die Labour-Regierung sah sich gezwungen, die Ausgaben zu kürzen, um das Problem zu lösen. Meine Frage für heute lautet also: Wer wird zuerst auf Rettungsmaßnahmen zurückgreifen, die US-Regierung, dann Großbritannien und die Eurozone, und wer wird die Regierungen zwingen, die Staatsausgaben am Rande einer Rezession zu kürzen?
Das können allein die Märkte tun: Erst kommt die Krise, und nur wenn wir Glück haben, folgt die Lösung. Lesen Sie weiter…
Einleitung
Ein Verständnis davon zu haben, was Schulden sind – das Gegenstück zu Krediten –, wird zunehmend wichtig. Schulden sind beispielsweise die Kehrseite von Bankkrediten.
Wenn Banken übermäßig viele Kredit vergeben haben, werden sich die Manager dieser Banken irgendwann Sorgen um ihr Bilanzrisiko machen. In Volkswirtschaften gilt üblicherweise die Kreditvergabe an den privaten Sektor als der kritische Bereich; eine Rezession ist untrennbar mit Zurückhaltung bei der Vergabe weiterer Kredite verbunden, was zu Unternehmens- und Privatinsolvenzen führt. Unter diesen Umständen stellen die Banken ihre Bilanzaktiva von Privatkrediten und Unternehmensanleihen auf Staatsanleihen um, die in jeder Währung als risikofreie Anlage gelten.
Es gibt Hinweise darauf, dass sich diese Ansichten in einigen Ländern gerade ändern, wobei auch die Zukunftsaussichten von Staatsanleihen genauer unter die Lupe genommen werden. Zudem gibt es wenig Zuversicht, dass sich die ökonomischen Aussichten für alle großen Wirtschaften, und somit die betreffenden Staatshaushalte, verbessern werden.
Angesichts der steigenden Staatsschulden ist das Thema Verschuldung kein Problem mehr, das sich nur auf den privaten Sektor beschränkt, der in den letzten Jahren unter dem insgesamt unerwarteten Anstieg der Zinssätze gelitten hat. Zudem scheinen die Regierungen in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften kaum ein Bewusstsein dafür zu haben, dass auch sie in die Schuldenfalle tappen. Neben der nominalen BIP-Wachstumsrate spielen auch die Zinssätze eine Rolle, und die Kombination aus stagnierenden Volkswirtschaften, die in eine Rezession abgleiten, sowie hohen Zinssätzen ist für die Staatsfinanzen eine tödliche Mischung.
Wichtiger als das BIP-Wachstum ist insbesondere das Wachstum der Steuereinnahmen, die erforderlich sind, um das schnell wachsende Ausmaß an Schulden als auch Zinsleistungen zu refinanzieren. In Europa und Großbritannien sind die Steuersätze bereits so hoch, dass Versuche, durch Steuererhöhungen Mehreinnahmen zu erzielen, aufgrund des Laffer-Kurven-Effekts mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu geringeren Einnahmen führen werden. Die USA sind steuerlich wahrscheinlich noch nicht an diesem Punkt angelangt, aber die wirtschaftliche Stagnation hat denselben Effekt.
Die folgende Tabelle zeigt die Staatsverschuldung der G7-Staaten im Verhältnis zum Gesamt-BIP und im Verhältnis zum BIP des privatwirtschaftlichen Sektors, der die Einnahmen des Staates erwirtschaftet, von welchen die Glaubwürdigkeit der Schulden abhängt.

Verschiedene Publikation beschäftigen sich mit diesem Problem, die alle zu dem Schluss kommen, dass eine Schuldenfalle dann entsteht, wenn die Wachstumsrate des BIP unter die Rate fällt, mit der die Kosten für die Finanzierung der Schulden steigen. Es ist jedoch sicherlich korrekter, die Steigerungsrate der Steuereinnahmen mit der Steigerungsrate der Schulden zu vergleichen: Steigen die Steuereinnahmen schneller als die Schulden oder steigen die sich aufzinsenden Schulden schneller als die Einnahmen?
Wie haben die Regierungen nach dem Zweiten Weltkrieg die Staatsschuldenquoten gesenkt?
Die allgemeine Gelassenheit hinsichtlich der Staatsverschuldung rührt zum großen Teil daher, dass die hohen Schuldenstände nach dem Zweiten Weltkrieg in den darauf folgenden zwei Jahrzehnten auf ein überschaubares Maß reduziert wurden, was die Überzeugung nährt, dass dies erneut machbar sei. Im Verhältnis zum BIP erreichte die Staatsverschuldung der USA 1946 mit 120% ihren Höchststand und lag damit unter den aktuellen Friedenzeit-Ständen. Bis 1971, dem Jahr, in dem Nixon das Bretton-Woods-Abkommen aussetzte, sank diese Quote auf 35%. Die entsprechenden Zahlen sind in der folgenden Tabelle aufgeführt.