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Alasdair Macleod: Die Mathematik einer Schuldenfalle

08.01.2026
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Der Anstieg der Bruttoverschuldung des Bundes betrug 142%, der Anstieg des BIP jedoch 483%. Und der Anstieg der Einnahmen, mit denen letztlich die Schulden bezahlt werden, lag leicht über dem Anstieg des BIP. Das Wachstum der Staatseinnahmen übertraf das Schuldenwachstum somit um fast das Dreieinhalbfache, was zu einer signifikanten Verringerung der Staatsschuldenquote führte. Auf diese Weise wurden die Staatsschuldenquoten der Kriegsjahre reduziert, bevor man Gold, als Disziplinierungsfaktor für Staatsausgaben und Zinssätze, endgültig aufgab.

Die weit verbreitete Annahme, dass der Schuldenabbau auf finanzielle Repression zurückzuführen sei – d.h. auf die Zinspolitik der Zentralbank und die Steuerung der Zinsstrukturkurve, um die Finanzierungskosten zu drücken – ist nicht korrekt. Um das zu verstehen, müssen wir einen weiteren Punkt ansprechen. Und dieser Punkt ist die Preisentwicklung. Über die gesamten 25 Jahre hinweg war der US-Dollar an Gold zu einem Kurs von 35 Dollar gebunden und mit ihm auch alle anderen Währungen.

Dennoch war der Verbraucherpreisindex für städtische Verbraucher von 22 auf 40 gestiegen und hatte sich mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von etwa 0,7% fast verdoppelt. Gemessen in Gold hätte es jedoch keine Inflation geben dürfen, da die Ausweitung der Wirtschaftstätigkeit unter einem Goldstandard zu besseren Herstellungsverfahren, Produktverbesserungen sowie einer sinkenden Preistendenz hätte führen sollen.

Die Probleme im Rahmen der Ermittlung des Verbraucherpreisindexes sind vielfältig. Logischerweise gibt es keine statistische Messgröße für jene Preisinflation, deren Subjektivität in den letzten Jahrzehnten anhand der sehr stark voneinander abweichenden Schätzungen deutlich geworden ist. Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft verzerren die Ergebnisse, zudem schwankte die Sparquote, allerdings nicht stark genug, um die Diskrepanz zwischen einem stabilen Goldstandard und einem statistischen Ergebnis zu erklären.

Für einen präziseren Preisvergleich bieten sich die Rohstoffpreise an. Der Ölpreis wurde bei 2,57 US-Dollar pro Barrel festgesetzt und stieg auf 3,56 US-Dollar, wo er bis 1973 blieb: Das ist ein Anstieg von 38%, der einer fast doppelt so hohen Steigerung der US-Verbraucherpreise gegenübersteht. Auch Kupfer war, gemessen in Gold, vergleichsweise ähnlich stabil, wie der nächste Chart zeigt.

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Dass sowohl Kupfer als auch Öl in den Nachkriegsjahren nach beiden Maßstäben im Preis gestiegen sind, lässt sich dadurch erklären, dass die Nachfrage nach diesen Rohstoffen schneller stieg als das Angebot. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es bei diesem US-Dollar, der angeblich als Goldersatz zu einem festen Wert von 35 Dollar pro Unze fungierte, eine unerklärliche Diskrepanz mit Blick auf die Entwicklung der Verbraucherpreise gab.

Die Erklärung dafür lautet, dass das Bretton-Woods-System im Endeffekt den Wert des Goldes drückte, wovon der Abverkauf von US-Goldreserven zeugt: Von den 21.828,2 Tonnen im Jahr 1949 (über 70% der offiziellen Weltreserven sowie 45% der gesamten oberirdischen Bestände) blieben im Jahr 1971 nur noch 9.069,7 Tonnen (weniger als 25% der offiziellen Weltreserven und nur 12% der oberirdischen Bestände).

Die Aussetzung des Bretton-Woods-Abkommens im August 1971 führte keineswegs dazu, dass Gold aus dem Währungssystem entfernt wurde. Es hatte vielmehr zur Folge, dass Gold von der zunehmenden Verdrängung durch die US-Wirtschaftspolitik in den Nachkriegsjahren befreit wurde. Es ist wichtig, diesen Zusammenhang im richtigen Kontext zu verstehen, jetzt, da in diesem neuen Jahrtausend die Staatsverschuldung der USA außer Kontrolle gerät.


Dieses Jahrtausend unterscheidet sich von den Nachkriegsjahren

Die nächste Tabelle orientiert sich an der ersten Tabelle in diesem Artikel, nur dass jetzt die ersten 25 Jahre dieses Jahrtausends betrachtet werden.

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