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James Turk: Souveränität weltweit bedroht

18.03.2015  |  James Turk
Daily Bell: Hallo. Erzählen Sie unseren Lesern zu Beginn ganz kurz, was bei Ihnen seit dem letzten Interview von April 2014 passiert ist.

James Turk: Ich war ziemlich beschäftigt, auch wenn ich seit 2013 nicht mehr als Chef von Goldmoney tätig bin. Ich habe nach wie vor einen Sitz im Vorstand; ab und zu spreche ich auch noch auf Konferenzen. Ansonsten arbeite ich die meiste Zeit an meinem neuen Unternehmen, das im März gegründet wird. Auch dieses Unternehmen wird mit Edelmetallen zu tun haben, das ist ja mein Spezialgebiet. Im Grunde wird es die Dienstleistungen und Produkte, die GoldMoney aktuell schon bieten kann, ergänzen. Ich möchte im Vorfeld nicht zu viel darüber sagen. Wer mehr über mein neues Unternehmen erfahren will, der kann - wenn es offiziell ist - die Nachrichten auf meinem Twitter-Account verfolgen: @fmgr.


Daily Bell: Sie scheinen pessimistischer geworden zu sein. Liegt es daran, dass Zentralbanken mehr und schneller Geld schöpfen als jemals zuvor?

James Turk: Die allgemeinen Aussichten für nationale Währungen trüben sich weiterhin ein. Ich bin in der Tat pessimistischer mit Blick auf die Zukunft - und mit Blick auf die wirtschaftlichen Aussichten.

Der wahre, eigentliche Grund meines Pessimismus liegt im ungebrochenen Anstieg der Finanzrepression, die uns von Politikern und Zentralbankern aufgezwungen wird. Diese autoritären Herrscher unternehmen alles Mögliche, so auch Machtmissbrauch, um ihre Wohlfahrtsstaaten am Laufen zu halten. Auch wenn das System, das sie fortsetzen wollen, unhaltbar geworden ist.

Schlimmer noch: Dieses System fördert sogar die Abhängigkeit vom Staat, aber nicht individuelle Anstrengungen. Folglich befinden sich Steuerzahler und Steuerkonsumenten immer mehr im Konflikt. Das legt den Grundstein für Feindseligkeiten und Bürgerunruhen. Die isolierten Gewaltausbrüche der letzten Jahre waren ein Omen für das, was in Zukunft noch zu erwarten ist. Die kommenden Demonstrationen und Proteste werden weniger friedlich verlaufen, sondern gewalttätiger sein, denn das Frustrationsniveau wird mit sinkender Wirtschaftsaktivität steigen.


Daily Bell: Ist Europa wirklich in der Deflation gefangen? Angesichts der Geldschöpfung in Europa sind wir da anderer Meinung.

James Turk: Die EZB schrumpft ihre Bilanzen; die Indikatoren für umlaufende Euro-Geldmengen zeigen aber einen Anstieg, weil Banken Staatsschulden monetisieren. Wir haben hier also zwei Dynamiken. Die Produktpreise sinken, zum Beispiel Benzin. Diese Rückgänge sind aber auf eine abflauende Nachfrage bedingt durch schwache Wirtschaftsaktivität und überschuldete Verbraucher zurückzuführen, welche ihre Schulden abbauen wollen. Diese Faktoren sind aber kein deflationäres Symptom, das einen Anstieg der Kaufkraft dieser Währung nahelegt.

Die eigentliche Inflationsrate sorgt unterdessen für eine Verschlechterung der Kaufkraft des Euros. Auch wenn einige Preise sinken, so steigen doch die Lebenshaltungskosten im Allgemeinen weiter. Viele dieser Kosten finden in den staatlichen Verbraucherpreisindizes keinen Niederschlag.

Es wird also bewusst untertrieben dargestellt, wie schwer es heute fällt - in Zeiten zentralbankendominierter Finanzrepression - den Lebensstandard kontinuierlich zu erhalten. Mit anderen Worten: Die steigenden Lebenshaltungskosten steht kein Anstieg der Einkommen gegenüber. Sparer und Pensionäre bekommen natürlich den Druck der Nullzinspolitik der EZB zu spüren.


Daily Bell: Wir sind der Meinung, dass das Deflationsthema nur eine Ausrede ist, um eine Aufblähung von Vermögenswerten zu rechtfertigen.

James Turk: Ja, da ich stimme zu. Es ist auch ein Vorwand, um den staatlichen Machtzuwachs über die Märkte und die Wirtschaft zu rechtfertigen. Die Folge ist eine stärkere Kontrolle des Volkes, und das ist das Endziel aller autoritären Menschen.


Daily Bell: Was passiert an den Aktienmärkten, werden wir eine Wiederholung der Ereignisse von 1987 oder 2009 erleben, als einfach nur die Indizes einbrachen?

James Turk: Das hängt davon ab, was die Zentralbanken machen. Die Aktienmärkte der Welt steigen nicht aufgrund einer guten wirtschaftlichen Lage oder wegen guter Zukunftsaussichten. Sie steigen, weil das von den Zentralbanken geschöpfte Geld irgendwo hin muss; im Niedrigzinsumfeld der letzten Jahre floss das Geld also an die Aktienmärkte.

Sollten die Zentralbanker eine Deflation vom der Typ der 1930er produzieren, wo die Geldmengen tatsächlich schrumpfen, dann werden auch die Aktienmärkte ihre heutigen Stände nicht halten können.


Daily Bell: Haben sich im Westen Anlageblasen gebildet, speziell in den USA und Großbritannien?

James Turk: Ohne jeden Zweifel. Blasen sind Ausdruck von Überbewertung; überbewertete Anlagen können Sie heutzutage ohne große Schwierigkeiten ausmachen. Dazu zählen die Aktienmärkte, der Londoner Immobilienmarkt, Oldtimer, Kunstgemälde und auch viele andere Sammlergegenstände. In diesen Anlagebereichen haben sich Blasen gebildet. Die Preise können allerdings noch weiter steigen. In was sonst könnte man sein Geld denn noch stecken, wenn die Banken so niedrig verzinsen?

Daraus folgt: Solange die Zentralbanker weiter Finanzrepressionen mittels unnatürlich niedriger Zinssätze betreiben, solange müssten diese Anlagen weiter steigen - bei einer gleichzeitigen Verschlechterung der Kaufkraft nationaler Währungen.



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