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Acht Gauner gegen den Rest der Welt

19.09.2017  |  Theodore Butler
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Ich will damit nicht sagen, dass die acht großen Shortselller am Gold- und Silbermarkt der COMEX die einzigen sind, die die Hedgefonds (das "Managed Money") permanent über den Tisch ziehen. Doch die Leerverkäufe dieser acht Trader sind der Klebstoff, der das manipulative System zusammenhält. Die kleineren Commercials, die ich oft als "Raubvögel" bezeichne, haben beispielsweise im Vorfeld des Preistiefs Anfang Juli sehr hohe Long-Positionen aufgebaut und diese dann im Laufe der anschließenden Rally aggressiv liquidiert und dadurch hohe Gewinne eingestrichen. Ich würde schätzen, dass sie auf diese Weise kollektive Profite von mindestens 800 Millionen Dollar verbuchen konnten.

Doch was haben die "Raubvögel" mit den acht großen Leerverkäufern zu tun, die ihre Positionen nie glattstellen, sondern bei steigenden Kursen immer neue Gold- und Silberkontrakte shorten? Alles. Ohne die immer bestehende und wachsende Kernposition auf der Short-Seite hätten die kleineren Commercials nicht genügend finanzielle Schlagkraft, um es mit dem Managed Money aufzunehmen und die Fonds zu übervorteilen. Die konzentrierten Leerverkäufe der acht größten Marktteilnehmer machen diese Manipulationen überhaupt erst möglich.

Sollte dieser Klebstoff jedoch eines Tages nicht mehr haften, würden die systematischen Manipulationen scheitern. Genau das muss irgendwann geschehen, denn mehr und mehr Marktteilnehmern wird bewusst, auf welche Weise diese acht Trader buchstäblich den Rest der Welt betrügen.

Wer sind nun die acht Gangster, die der ganzen Welt die Gold- und Silberpreise aufdiktieren? Bei den meisten handelt es sich um Banken, angeführt von JP Morgan, Nova Scotia und anderen bekannten Namen. JP Morgan spielt jedoch in einer eigenen Liga und hat die Kontrolle über den Preis genutzt, um im Laufe der letzten sechseinhalb Jahre die größte private Silberreserve der Geschichte anzulegen - rund 650 Millionen Unzen. Diese gigantischen physischen Bestände sichern die Bank gegen Verluste ab, falls die Manipulationen und die Leerverkäufe eines Tages scheitern.

Die jüngste Rally wurde durch die massiven Käufe des Managed Money ausgelöst. In den letzten zwei Monaten erhöhten sie ihre Positionen am Goldmarkt auf Nettobasis um 200.000 Kontrakte und am Silbermarkt um 60.000 Kontrakte - eine enorme Aufstockung innerhalb dieser kurzen Zeit.

Wenn sich vergangene Muster fortsetzen und den Hedgefonds wieder einmal der Preisteppich unter dem Füßen weggezogen wird, ist davon auszugehen, dass erneut die Möglichkeit eines Abverkaufs besteht (manch einer würde auch sagen, dass ein Abverkauf äußerst wahrscheinlich ist). Einige Analysten sprechen bereits vom Top oder von der baldigen Bildung eines Tops. Andere sind noch recht bullisch, aber basierend auf anderen Faktoren, nicht auf der Marktstruktur der COMEX.

Ich bin mir nicht sicher, wie sich die Frage der Marktstruktur dieses Mal klären wird. Natürlich könnten die Liquidierung der Long-Positionen und neuerliche Leerverkäufe den nächsten Sell-off auslösen. Doch sollte irgendetwas dazu führen, dass sich der eiserne Griff lockert, mit dem die acht großen Trader den Markt umklammern, vergrößert das die Chance auf eine Kursexplosion drastisch. Beides würde die kurzfristige Preisentwicklung bestimmen. Infolge des starken Preisrückgangs während der letzten sechseinhalb Jahre ist Silber aktuell jedoch so billig, dass das Risiko viel größer ist, wenn man nicht auf einen sprunghaften Preisanstieg eingestellt ist. Die Verluste bei einem vorübergehenden Abverkauf wären dagegen begrenzt.

In Bezug auf den COT-Bericht dieser Woche könnte ich ich mir vorstellen, dass wir eine ähnliche Verschlechterung wie während der letzten sechs Wochen sehen werden. Per gestrigem Datenschluss für den Bericht stiegen die Edelmetallpreise bei starkem Handelsvolumen auf neue Hochs: Gold legte bis zu 25 $ zu, Silber mehr als 60 Cent. Die Welt und die Finanzmärkte sind mit ihren Nerven ziemlich am Ende. Unter diesen Voraussetzungen ist mit weiteren Käufen seitens des Managed Money und weiteren Leerverkäufen der Commercials zu rechnen.

Zum Schluss möchte ich noch ein anderes Thema kurz kommentieren. Die CFTC hat ein längst überfälliges, aber äußerst wichtiges Verfahren gegen das Unternehmen Monex aus Newport Beach, Kalifornien, angekündigt. Grund dafür sind langjährige Betrügereien mit gehebelten Edelmetall-Produkten, bei denen zwischen Juli 2011 und März dieses Jahres tausende Kunden um insgesamt mehr als 290 Millionen Dollar gebracht wurden.

Meiner Meinung nach hätte die CFTC schon vor Jahrzehnten gegen Monex vorgehen sollen, denn das Unternehmen war im Umgang mit seinen Kunden und der Öffentlichkeit alles andere als vertrauenswürdig. Privat hatte ich vor Geschäften mit der Firma gewarnt und sichergestellt, dass ich nie in einer ihrer Werbekampagnen auftauchte, auch wenn viele andere Edelmetallanalysten und -kommentatoren zu Werbezwecken engagiert wurden.

Die gegen Monex vorgebrachten Anklagepunkte bestärken mich jedenfalls in meiner positiven Meinung des neuen CFTC-Direktors James McDonald. In letzter Zeit hatte ich Zweifel, ob Mr. McDonald wirklich gegen die Meisterbetrüger bei JP Morgan und der CME Group vorgehen würde, weil JP Morgan seine Short-Position am Silberterminmarkt erneut aufgestockt hatte. Es ärgert mich nach wie vor maßlos, dass sich in Bezug auf die Großbank und den Silbermarkt noch immer nichts zu bewegen scheint, doch da sich die CFTC jetzt zumindest Monex vorgeknöpft hat, will ich das für heute vergessen.

Es war ein offenes Geheimnis, dass das kalifornische Unternehmen einen massiven, systematischen Betrug organisiert hatte und die Finanzen seiner Kunden ruinierte. Das Verfahren hätte schon viel eher eingeleitet werden müssen, aber besser spät als nie.

Das bestärkt zumindest die Hoffnung, dass die Behörde eines Tages auch gegen JP Morgan und die COMEX vorgehen wird - und hoffentlich bald. Die CFTC sollte sich definitiv um Fälle wie Monex kümmern, aber es kann kein Zweifel daran bestehen, dass ein Verfahren gegen JP Morgan und die CME Croup aufgrund der langjährigen und anhaltenden Beeinflussung der Gold- und Silberkurse tausendmal wichtiger wäre, denn bei Preismanipulationen handelt es sich um das schlimmste Marktvergehen überhaupt.


© Theodore Butler


(Diese Abhandlung wurde vom Silberanalysten Theodore Butler, einem unabhängigen Berater, verfasst. Investment Rarities teilt seine Ansichten nicht notwendigerweise, diese können sich als richtig oder falsch herausstellen.) Exklusiv übersetzt für GoldSeiten.de. Das Original wurde am 08.09.2017 auf der Website www.gold-eagle.com veröffentlicht.

Informationen zum Abonnement finden Sie unter www.butlerresearch.com.


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