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Die Genialität von JPMorgan

21.01.2020  |  Theodore Butler
Vor einer Woche meldete JPMorgan Chase, die größte Bank in den USA, rekordhohe Einnahmen von 8,5 Milliarden Dollar im vierten Quartal und grob 35 Milliarden Dollar im Gesamtjahr. Das sind Nettogewinne, nachdem alle Ausgaben und Kosten von den Bruttoeinnahmen abgezogen wurden. Es ist keine Untertreibung, JPMorgan als gewinnbringende Maschine zu bezeichnen.

Mein Interesse an der Bank kommt natürlich aus der Gold- und Silberperspektive. Der Zusammenhang ist, dass JPMorgan mit Abstand der größte Akteur in allen Bereichen von Gold und Silber ist. Schon seit Jahrzehnten immer unter den Hauptakteuren der Gold- und Silberbranche, schob sich JPM mit der Übernahme von Bear Stearns 2008 nach ganz oben. Dies führte dazu, dass JPM den Platz von Bear Stearns als größten Leerverkäufer von Gold- und Silberfutures an der COMEX einnahm.

Not macht erfinderisch, sagt man. So verleihe ich JPMorgan den Titel des Genies für die Lösung ihres ernsten Problems von Anfang 2011, als der Silberpreis auf fast 50 Dollar angestiegen war, während die Bank eine sehr große Short-Position hielt und offene Verluste in Höhe von fast 3 Milliarden Dollar verzeichnete.

Obwohl JPMorgan ab 1. Mai desselben Jahres erfolgreich den Preis drückte und ihre hohen offenen Verluste eliminierte, wusste die Bank, dass sie eine dauerhafte Lösung für ein in Zukunft wiederkehrendes Problem brauchte. Sprich, wie sollte sie zukünftige Preisanstiege in Silber (und Gold) abmildern, da sie beabsichtigte, der größte Leerverkäufer von Futures an der COMEX zu bleiben.

Dass JPMorgans Lösung simpel war, beeinträchtigt in keinster Weise ihre Genialität. Im Nachhinein, fast neun Jahre nach ihrer Konzeption und Durchführung, ist JPMorgans Lösung nur noch genialer. Da die Bank der größte Leerverkäufer auf dem größten Papier-(Derivate-)Edelmetallmarkt der Wert, der COMEX, war, konnte JPMorgan unmöglich andere Papierkontrakte an der COMEX oder anderswo kaufen, um ihre Papier-Short-Positionierung auszugleichen.

Solche Papierderivatekäufe würden sich gegenseitig aufheben und JPMorgans Rolle als größten Leerverkäufer an der COMEX zerstören. Diese Zerstörung hätte die Führungsrolle und den Einfluss der Bank auf den Preis beendet.

Außerdem würde jeder Versuch von JPMorgan, große Mengen von COMEX-Kontrakten zu kaufen, sofort in dem Commitment-of-Traders-Bericht (COT-Bericht) und Bank Participation Report auftauchen. (Ich möchte Sie daran erinnern, dass ich die Führungsrolle von JPMorgan in COMEX-Geschäften zum ersten Mal durch den Bank Participation Report für August 2008 entdeckte.)

Angesichts des unüberwindlichen Hindernisses, dass der Kauf von Papierkontrakten zum Ausgleich ihrer dominierenden und den Preis kontrollierenden Papier-Short-Position nicht möglich war, kam JPMorgan auf die perfekte und einzige Lösung, um sich vor zukünftigen Anstiegen des Silber- und Goldpreises zu schützen. Sie beschloss 2011 echtes Metall zu kaufen, um ihre Papier-Short-Position auszugleichen.

Üblicherweise wird angenommen, dass diejenigen, die physisches Metall besitzen oder damit handeln, den Papierfuturesmarkt für Hedgegeschäfte oder zum Risikoausgleich bei Preisveränderungen benutzen, indem sie Futures oder andere Derivatekontrakte für physische Bestände verkaufen.

Das geniale an JPMorgans Lösung war, dass sie einfach die Gleichung umkehrten und physisches Silber und Gold für eine bereits bestehende Papier-Short-Position kauften. Es schadete gewiss auch nicht, dass der COMEX-Terminmarkt über die Jahre so groß wurde, dass die Papierkontrakte-Positionierung zum einzigen Preiseinfluss wurde und der echten physischen Welt von Gold und Silber die Preise vorschrieb.

Wäre die Positionierung der Futures an der COMEX nicht zum hauptsächlichen Preiseinfluss für Gold und Silber geworden - der Terminmarkt-Schwanz, der mit dem physischen Markt-Hund wedelte - wäre JPMorgans geniale Lösung nicht möglich gewesen.

Doch mehr Beobachter denn je erkennen die Preisdominanz der Futures-Positionierung an der COMEX. JPMorgan hat sie bloß vor allen anderen erkannt. Doch am wichtigsten ist, dass sie dieses Wissen in die Praxis umgesetzt hat, indem sie in den nunmehr fast neun Jahren seit Anfang 2011 mehr physisches Silber und Gold kaufte als sonst jemand zuvor.

Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich erkannte, was JPMorgan plante. Bis heute gibt es noch einige, die sich weigern, zu erkennen, was JPMorgan geleistet hat. Sie hat ihre Preiskontrolle als größter Leerkäufer an der COMEX dafür benutzt, billig einen riesigen Vorrat an physischen Silber und Gold zu akkumulieren. JPMorgan hat es wirklich geschafft, sowohl den physischen als auf Papier-Markt von Gold und Silber zu meistern.

Nach meinen jüngsten Schätzungen erwarb JPMorgan 900 Millionen Unzen physisches Silber (zu einem Durchschnittspreis von 18 Dollar je Unze) und 25 Millionen Unzen physisches Gold (zu einem Durchschnittspreis von 1.200 Dollar je Unze). Der Erwerb von Gold und Silber kostete JPMorgan insgesamt 46 Milliarden Dollar.

Das klingt vielleicht nach zu viel Geld, um es für physische Edelmetalle auszugeben, doch im Falle von JPMorgan spiegeln die Kosten kaum mehr als den ausgewiesenen Gewinn aus einem Jahr und einem Quartal wider. Außerdem dauerte die Akkumulation der Edelmetalle fast neun Jahre, nicht 15 Monate.


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