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Der Bitcoin Wahn

09.02.2018  |  Markus Mezger
Eines vorneweg. Dieser Artikel bemüht sich nicht um Ausgewogenheit oder Objektivität. Der Leser wird nicht viele Formulierungen finden, die dem Schema "Einerseits … Andererseits" gehorchen. Vielmehr ist dieses Papier ein Pamphlet. Eine Philippika, die sich gegen offensichtliche Ausplünderung von leichtgläubigen Anlegern richtet.

Der Autor dieser Zeilen war bis vor wenigen Monaten der Meinung, dass das törichte Verhalten einzelner Anleger mit der Internetblase um die Jahrtausendwende einen nicht mehr zu übertreffenden Gipfel erreicht hat. Damals schossen "Internetunternehmen" wie Pilze aus dem Boden. Viele ohne jede Aussicht auf nachhaltige Gewinne. Anleger zeichneten blind überteuerte Aktienemissionen, getrieben von dem Wunsch nach schnellen Reichtum.

Erwachsene Menschen saßen tagelang vor ihren Computern, um via Internet sekundengenau zu jeder vollen Stunde eine Zeichnung von Internetaktien abzugeben, um durch eine Zuteilung auch einen Zipfel des sagenhaften neuen Reichtums zu erhaschen. IT-Experten wurden die neuen Superstars der Finanzbranche. Einzelne von ihnen erklärten eine Zielrendite von 20% per annum auf das Kapitalvermögen als antiquiert. Unternehmen aus der sogenannten Old Economy galten als hochgradig langweilig.

Aber ich habe mich geirrt. Es geht noch schlimmer. Viele Umstände rund um das Thema Bitcoin werden Anlegern aus der Zeit der Internetaktienblase bekannt vorkommen. Einzelne Elemente des Bitcoins-Systems scheinen jedoch noch perfider ausgestaltet. Dazu gehören der Kettenbriefcharakter des Systems, der den Initiatoren riesige Seignoragewinne aus der Schöpfung der ersten Bitcoins ermöglicht hat. Dass sie nach dem Platzen der Blase von wütenden Anlegern zur Rechenschaft gezogen werden könnten, mag den Gründern des Bitcoin-Systems wohl bewußt gewesen sein. Sonst wäre es wohl kaum nötig gewesen, sich hinter Pseudonymen verstecken.

Bis heute ist die Identität der Initiatoren des Bitcoin-Systems nicht zweifelsfrei festgestellt.

Nun könnte man es mit der Feststellung einer Blase bewenden lassen und sich anderen, wichtigeren Themen zuwenden. Wie das Internet hat aber auch das Thema Bitcoin einige Innovationen hervorgebracht, die die Preisblase überleben könnten. Dabei sollte zwischen Bitcoin als Zahlungsmittel und der dahinterstehenden Verschlüsselungstechnologie unterschieden werden.

Bei der Beschäftigung mit dem Thema habe ich festgestellt, dass es reichlich Lektüre gibt, die sich mit der Frage beschäftigt, wie man in Bitcoin investiert und welche Punkte bei der Anwendung des Systems zu beachten sind. Wer in diesem Artikel einen Leitfaden für eine Investition in Bitcoin erwartet, braucht gar nicht weiterzulesen. Der Artikel richtet sich vielmehr an Leser, die sich fragen, ob der Bitcoin eine sinnvolle Innovation ist und ob er dem selbstgesteckten Anspruch, sich als Bargeldersatz und Wertaufbewahrungsmittel zu etablieren, gerecht werden kann.


Die Idee hinter Bitcoin

Die Grundidee hinter Bitcoin läßt sich leicht nachvollziehen. Die letzten 20 Jahre waren in den globalen Geldsystemen von noch nie da gewesenen Verwerfungen geprägt. Ausgangspunkt dieser Entwicklung war das Platzen der japanischen Aktienblase im Jahr 1990. Die japanische Fiskal- und Geldpolitik reagierte mit den bis dahin bewährten Maßnahmen aus Konjunkturprogrammen und monetären Stimuli. Nur schlugen diese Maßnahmen in Nippon selbst nicht mehr an. Dafür um so mehr in den USA und Europa, wohin das in Japan neugeschaffene Zentralbankgeld abgeflossen war.

Während die Konsumgüterpreise den Währungshütern weltweit nur geringe Inflationsgefahren suggerierten, geriet die Welt der Assetpreise vor dem Hintergrund des billigen und reichlichen Geldangebots zunehmend außer Kontrolle.

Die Notenbanken in den USA und Europa hatten aus den Erfahrungen Japans die falschen Schlüsse gezogen. Hochmütig erklärte der damalige US-Notenbankpräsident Ben Bernanke im Jahre 2002, dass die USA mit Hilfe der Notenpresse nicht in eine japanische Nullzinsfalle geraten könne. Aber trotz aller Bemühungen von "Helikopter-Ben" landeten die USA wenige Jahre später gerade dort. Die Notenbanken hatten ein Wechselspiel aus billigem Geld und Assetpreisblasen geschaffen.

Der Versuch, die nach dem Platzen der Blasen unvermeidlichen Krisen mit noch billigerem Geld zu bekämpfen, erinnert an die Geschichte Münchhausens, der sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen gedachte. Die Notenbanken trifft jedoch keineswegs die Alleinschuld. Eine expansive Notenbankpolitik ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Preisblasen. Die Gleichschaltung vieler Anleger und ein kollektiver Wahn müssen noch hinzukommen. Mit der Computerisierung des Wertpapierhandels und einer Vielzahl quantitativer, prozyklischer Anlagestrategien ist auch diese Bedingung zunehmend erfüllt gewesen.

Bis vor 10-15 Jahren unterlagen einzelne Anleger der Illusion, dem Platzen von Preisblasen zuvorkommen zu können, indem sie ihre Papiere rechtzeitig verkauften und dafür Kasse in Form von Kontoguthaben hielten (auch wenn dies für alle Anleger im Aggregat natürlich niemals gelingen kann). Mit der Krise des Jahres 2008 war auch der Nimbus der Sicherheit dieser Strategie gefallen. Im Gegensatz zu Bargeld handelt es sich bei Bankguthaben eben nicht um von den Zentralbanken geschaffenes Geld, sondern nur um einen Rechtsanspruch auf die Auszahlung desselben.

Dieser Anspruch steht und fällt mit dem Wohl und Wehe der kontoführenden Banken. Kollabieren diese, ist auch das Guthaben verwirkt. Die Sicherungssysteme sind im Ernstfall vermutlich nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Außerdem droht bei allen Giroguthaben latent die Gefahr, dass sie über Nacht gesperrt werden und ein Transfer nicht mehr möglich ist. Wie politische Sanktionen (Rußland, Venezuela) oder die Krise in Griechenland zeigen, kann das nicht mehr als ein rein theoretischer Fall abgetan werden.

Blieb als Alternative für die Krisenprävention nur die Hortung von Bargeld oder Edelmetallen. Ersteres hat den Vorteil, dass Zahlungen anonym vorgenommen werden können, während bei elektronischen Transaktionen zumindest der kontoführenden Bank Verbrauchs- und Verhaltensgewohnheiten offengelegt werden müssen. In Zeiten zunehmenden Datendiebstahls könnten die Daten aber auch noch wo ganz anders landen.

Die Anonymität im Goldhandel ist seit einigen Jahren vorbei, auch wenn die Behörden bei einer Großzahl der historisch angehäuften privaten Goldbestände noch immer im Dunkeln tappen. Beide Geldformen haben aber den Nachteil, dass ein erhöhter Aufwand für die Absicherung gegen Diebstahl und Verlust getrieben werden muß. Größere Bestände dürfen nicht ohne vorherige Anmeldung über Landesgrenzen hinweg transportiert werden.

Aus diesen Beschränkungen hat sich die Idee entwickelt, ob es nicht ein Geld geben könne, das von den Währungsbehörden nicht gesperrt werden kann und das von überall aus elektronisch über alle Landesgrenzen hinweg transferiert werden kann. Eine Geldform, die nicht von der wackligen Existenz einer Bank abhängt und gleichzeitig die Funktion eines Wertaufbewahrungsmittels erfüllt, da seine Kaufkraft nicht durch die unkontrollierte Schaffung zusätzlicher Geldeinheiten entwertet werden kann.

Ein Zahlungsmittel, mit dem Geldtransfers anonym vorgenommen werden können, ohne Verhaltens- und Verbrauchsdaten offenzulegen. Mit einem Wort ein Geld, das die Vorteile des elektronischen Zahlungsverkehrs mit den Vorteilen von Bargeld/Gold kombiniert.

Aus diesen Ideen heraus wurde der Bitcoin geboren und es ist natürlich kein Zufall, dass er auf dem Höhepunkt der Finanzkrise des Jahres 2008 lanciert wurde. Mitte September 2008 war die Investmentbank Lehman Brothers pleite gegangen. Nur wenige Wochen später, am 31.10.2008, wurde ein Papier mit dem Titel "Bitcoin - A Peer-to-Peer Electronic Cash System" veröffentlicht. Als Autor ist das Pseudonym Satoshi Nakamoto angegeben. Bis heute ist nicht geklärt wer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt. Die Initiatoren des Bitcoin-Systems waren clever genug, ihren bzw, ihre Namen der Öffentlichkeit vorzuenthalten, da das System von Anfang an zugunsten der Insider der ersten Stunde ausgestaltet war.


Ausgestaltung und Funktionsweise des Bitcoin-Systems

Für die Verbuchung elektronischer Geldtransfers gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Entweder wird ein Transaktionsregister von einer damit beauftragten, zentralen Organisation geführt. In der Bundesrepublik Deutschland ist die Deutsche Bundesbank per Gesetz mit der Organisation des Zahlungsverkehrs für das gesetzliche Zahlungsmittel Euro beauftragt. Eine zentrale Registerführung birgt jedoch die Gefahr, dass Regierungen Geldtransfers blockieren können, indem sie die mit der Registerführung beauftragte Organisation kontrollieren. Geldtransfers sind dann nur möglich, solange sie politisch opportun sind.

Das Bitcoin-Netzwerk hat die zweite Variante, eine dezentrale Registerführung gewählt. Das Bitcoin-System soll ein freies Netzwerk gleichberechtigter Nutzer sein (Peer to Peer Netzwerk). Geldtransaktionen bzw. der Transfer von Bitcoins werden von der Gemeinschaft der Netzwerkteilnehmer validiert und protokolliert.


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