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Kein Silberstreif am Horizont

15.03.2018  |  Kelsey Williams
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Als sich der Silberkurs dennoch dem offiziellen Preis von 1,29 $ annäherte und drohte, noch weiter zu klettern, sah sich die Regierung mit einem Problem konfrontiert: Der Wert des Silbers überstieg den Nennwert der in Umlauf befindlichen Silbermünzen. Auch das Prägen der Münzen verursachte nun höhere Kosten als das Geld anschließend wert war. Das war einer der entscheidenden Gründe, die die US-Regierung dazu bewogen, nach 1964 kein Münzgeld mit einem Silbergehalt von 90% mehr herauszugeben.

Silber war in den Vereinigten Staaten mehr als 170 Jahre lang das wichtigste Metall zur Herstellung von Münzgeld. Und die Regierung tat während dieser Zeit ihr Bestes, um das offizielle Gold/Silber-Verhältnis von 16:1 und den offiziellen Silberpreis von 1,29 $ je Unze zu garantieren. Doch die Geschichte des Edelmetalls ist in dieser Zeit durch permanentes Stützen und Drücken der Preise gekennzeichnet. Es gibt keine substantiellen, fundamentalen Gründe für ein Verhältnis von 16:1 zwischen Silber und Gold.

Unter dem diesem Link finden Sie einen Chart, der die Entwicklung des Gold/Silber-Verhältnisses in den letzten 100 Jahren zeigt. Er weist keinerlei Muster auf, mit denen sich eine Argumentation für ein Verhältnis von 16:1 - oder jedes andere feste Verhältnis - stützen ließe.

Investoren, die darauf wetten, dass sich der Silberkurs künftig besser entwickeln wird als der Goldkurs, sind davon abhängig, dass das Gold/Silber-Verhältnis wieder sinkt. Doch wenn sich aus dem Chart überhaupt etwas ablesen lässt, dann eher das Gegenteil. In den letzten 50 Jahren lag das Verhältnis oberhalb einer steigenden Trendlinie und befindet sich nun schon seit Langem auf einem deutlich höheren Niveau.

Abgesehen von der Debatte um das Verhältnis von 16:1 besteht angeblich eine enge Beziehung zwischen den beiden Edelmetallen. Das ist nicht völlig von der Hand zu weisen. Sowohl Gold als auch Silber können auf eine lange Geschichte als Währungsmetalle zurückblicken, wobei sie oft unabhängig voneinander, oft aber auch gleichzeitig als Geld dienten. Beispiele sind u. a. die silbernen Drachmen im alten Griechenland, die Silbermünzen und Gold als wichtigste Währungseinheit im alten Rom, das silberne Pfund Sterling zur Zeit des British Empire und die US-Währung, die sowohl an Silber als auch an Gold gekoppelt war.

Die Verbindung zwischen Gold und Silber ist allerdings begrenzt. Einfach gesagt: Gold ist das einzige echte Geld. Es ist ein Tauschmittel, ein Wertmaßstab und ein Vermögensspeicher. Silber ist dagegen in erster Linie ein Industriemetall. Seine Verwendung als Geld ist zweitrangig. Zudem ist Silber kein Vermögensspeicher.

Nachdem Präsident Nixon 1971 die letzte Verbindung zwischen dem US-Dollar und Gold gekappt hatte, konnten sich beide Edelmetalle ihr jeweiliges Preisniveau auf Grundlage der Marktsituation suchen. Sie bekamen sozusagen die Gelegenheit zu zeigen, was in ihnen steckt, und sie enttäuschten nicht - zumindest nicht gleich. Als der Edelmetallmarkt mit den Blow-Off-Tops der Gold- und Silberpreise 1980 seinen Höhepunkte erreichte, kehrte auch das Gold/Silber-Verhältnis kurzzeitig zu seinem vielgepriesenen Wert von 16:1 zurück. Doch danach stieg es rasend schnell auf höhere Werte als zuvor und erreichte 1993 schließlich ein Allzeithoch von 100:1.

In absoluten Werten konnte Silber nicht beweisen, dass es die Bezeichnung "Geld" verdient, denn in den letzten 50 Jahren hat es an Wert verloren. Deutlich zu erkennen ist das in diesem inflationsbereinigten Chart. Nach dem gleichzeitigen Hoch im Januar 1980 hat Gold 58% zugelegt, während Silber 66% gefallen ist.

Um unter Einbeziehung des Wertverlustes des US-Dollars eine ähnliche Preisentwicklung widerzuspiegeln wie Gold, müsste Silber derzeit bei 77 $ je Unze notieren. Offensichtlich ist das weiße Metall davon weit entfernt. Nicht einmal bei seiner Annäherung an die 50-$-Marke vor sieben Jahren kam der Kurs auch nur in die Nähe dieses Niveaus.

Manch einer wird nun argumentieren, dass genau das der Grund für die künftige Preisexplosion ist; dass Silber gegenüber Gold fälschlicherweise vorübergehend unterbewertet ist. Leider bietet die Geschichte der letzten 250 Jahre keine Hinweise, die dieses Argument der Silberbullen bestätigen würden.

Fans des weißen Metalls betonen zudem gern das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage am Silbermarkt. Doch auch das war schon immer Teil der Geschichte des Edelmetalls und hatte zeitweise sogar negative Folgen für den Preis, wenn das Angebot die Nachfrage überstieg. Bestes Beispiel dafür sind die 70 Jahre nach der Entdeckung der Comstock Lode, als die Welt kaum wusste, wohin mit all dem Silber.

In den späten 1960ern und Anfang der 1970er trugen der erhöhte Verbrauch und die unzureichenden Fördermengen dann zum Anstieg des Silberpreises bei. Alles in allem lässt sich jedoch feststellen: Nach Jahrzehnten der "fundamentalen" Gründe und der Angebotsdefizite, hat Silber noch immer keine Anzeichen dafür gezeigt, dass es einer Neubewertung bedarf, um vergangene oder aktuelle Ungleichgewichte zwischen Bedarf und Produktion auszubalancieren.

Eine weitere Preisexplosion am Silbermarkt ist keineswegs auszuschließen. Doch sollte es dazu kommen, werden die hohen Preise nur von kurzer Dauer sein. Der anschließende Einbruch des Kurses wird mit Sicherheit ebenso heftig ausfallen wie bei vergleichbaren früheren Episoden - oder schlimmer.

Historisch betrachtet spricht sowohl kurzfristig als auch langfristig nicht viel für höhere Silberpreise. Und die Argumente werden im Laufe der Zeit immer schwächer.


© Kelsey Williams


Der Artikel wurde am 13. Februar 2018 auf www.kelseywilliamsgold.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.



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