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Interview mit Tom Woods: US-Geldgeschichte, Zentralbanken und Gold

14.03.2018  |  Mike Gleason
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Wenn Leute zur Bank rennen, um ihr Geld zurückzubekommen, die Banken ihnen aber nichts geben könnten, dann gibt es Gesetze, die es den Banken trotzdem erlauben noch über Jahre hinweg im Geschäft zu bleiben, während man versucht, das Geld dieser Leute herauszuholen. Er sagte: “Das ist Wahnsinn, das ist so, als würde man den Banken Sonderprivilegien zugestehen.“

Es gibt viel fundierte Forschung und Wissen zum Thema Geld im 19. Jahrhundert in den USA - von den frühen Jahren bis Mitte des 19.Jahrhunderts.


Mike Gleason: Vor etwas mehr als 100 Jahren sorgten Sonderinteressen der Wall Street nach und nach dafür, dass Silber aus dem Geldsystem verstoßen wurde, zugunsten eines allein auf Gold basierenden Standards. Ein paar Jahre später wurde schließlich alles aus den Angeln gehoben, als sich die Banken-Eliten trafen, um heimlich die Federal Reserve zu konzipieren. Erzählen Sie uns von diesem Ereignis. Wozu schienen sie die Fed zu brauchen? Welche Konsequenzen hatte das in den unmittelbar folgenden Jahren und Jahrzehnten?

Tom Woods: Kurz gesagt, wollte man das Geldsystem in den USA zentralisieren - man versuchte das natürlich zu verstecken, indem all diese regionalen Federal Reserve-Banken geschaffen wurden. Doch das war hauptsächlich Kosmetik. Ihr Ziel war es, das Geldangebot zu zentralisieren. An Anfang stand nicht Absicht, die Wirtschaft derart zu planen, wie es heute der Fall ist - mit Inflationszielen, Beeinflussung von Arbeitsmarkt und Output, das Streben nach der Ausbalancierung aller Dinge. Das hatten sie damals nicht wirklich im Hinterkopf; das entsprach auch nicht der ökonomischen Lehre jener Zeit.

Man dachte stattdessen, der Bankensektor würde stabiler werden, wenn er von einer Institution geregelt und gewissermaßen auch kontrolliert wird. Diese Institution könnte die Reserven zentralisieren und unter bestimmten Umständen auch Geld schöpfen, wenn sich damit Stress im System lindern ließe.

Man hatte dabei die Panik von 1907 im Blick, bei der es eine ganze Reihe von Schwierigkeiten gegeben hatte, vor allem in New York mit einer Vielzahl von Banken. Der Gedanke war, eine Institution könnte als Sicherheitsnetz für das gesamte System funktionieren, sie könnte, falls die Banken Liquidität benötigten, dann das Geld schöpfen und quasi auch als Kreditgeber der letzten Instanz funktionieren; dies würde mehr Stabilität bringen.

Natürlich wurde nicht in Betracht gezogen, dass man auch ohne Kreditgeber der letzten Instanz durchaus ein stabileres System schaffen könnte, vorausgesetzt die Banken wären nicht in jene dubiosen Machenschaften verstrickt. Wäre das Geld, das man ihnen anvertraut hatte, gut kontrolliert worden, hätte es solche Probleme überhaupt nicht erst gegeben. Anstatt für eine vernünftige, solide Praxis im Bankenwesen zu sorgen, schien es viel einfacher, das System einfach retten zu können, falls eben doch risikoreiches Banking betrieben wurde.

Das war ihre Absicht, ungeachtet aller falschen und irrsinnigen Scheinerklärungen für die Existenz der Fed. Das muss man sich mal vorstellen: Kein anderer Sektor hat einen Kreditgeber der letzten Instanz. Kein anderer Sektor hat einen Retter der letzten Instanz. Nur der Bankensektor.

Der Gedanke dahinter war: Wir wollen eigentlich über die existierenden Goldbestände hinaus Geld schöpfen. Das will ja jeder. Allerdings besteht das Risiko, dass die Menschen mitbekommen, was wir da machen - und vielleicht wollen sie auch noch ihr Geld zurückfordern, weil sie denken, wir hätten zu viel Papier gedruckt.

Die Vorstellung von der Fed, speziell im weiteren Verlauf des 20. Jh., war dann die eines Inflationskoordinators, so dass alle Banken ungefähr im selben Umfang inflationieren sollten, so dass sich all die verschiedenen Abhebungen unterm Strich gegenseitig aufheben würden. Auf diese Weise könnte das System weiterbestehen. Die Banken könnten auf diesem Weg profitieren, anstatt wie jede andere Körperschaft in der Wirtschaft funktionieren zu müssen, wo erwartet wird, dass man ein guter Verwalter der eigenen Ressourcen ist und auf Anfrage auszuzahlen hat.

Niemand würde es für akzeptabel halten, dass man seine Sachen aus der Reinigung abholt und der Mann dort sagt, meine Frau trägt ihre Hose, aber wenn sie sie nächste Woche zurückbringt, bekommen Sie die zurück. Das wäre für niemand akzeptabel.

Gäbe es eine zentrale Reinigungsbehörde, die in einer Situation wie dieser irgendeine Hose zusammennähen könnte, dann würde uns das sicher nicht überzeugen. Wir würden sagen, solches Verhalten sollte von Anfang an nicht zugelassen werden. Banken sollten ihr Geld auf anderen Wegen verdienen.

Sie sollten ihr Geld durch Termingeldanlagen verdienen, wo Sparer der Bank Geld für einen bestimmten Zeitraum überlassen. Die Banken wüssten das und investieren das Geld für diesen Zeitraum. Das Geld ist für diese Person in diesem Zeitraum nicht verfügbar - oder nur gegen Einbuße. Am Ende dieses Zeitraums kann man sein Geld zusammen mit Zinsen zurückerhalten. Auf diese Art können sich Banken in ihrem traditionellen Aufgabenfeld engagieren. Ohne Tricks und Schwindel, die dazu führen, dass man eine Zentralbank braucht.


Mike Gleason: Wo ist eigentlich das Problem, wenn Sparer bestraft werden, so wie es im derzeitigen System allem Anschein nach der Fall ist? Wir reden in unserem Programm viel über den Krieg gegen das Bargeld, zudem haben wir potentiell negative Zinssätze. Was sind die weiteren Folgen einer solchen Politik, die die Sparer bestraft?

Tom Woods: Der Gedanke ist: Wenn Sparen bestraft wird, lassen sich die Menschen zum Geldausgeben zwingen. Ausgeben, ausgeben und nochmals ausgeben. In Japan wurde das ganz bewusst gemacht. Man benutzte in diesem Zusammenhang sogar das Wort ‘drohen‘. Wir sollten damit drohen, dass wir die Kaufkraft der Bürger zerstören, damit sie rausgehen und Konsumgüter kaufen.

Das ist ein eher kindliches Verständnis von der Funktionsweise der Wirtschaft. Eine Ökonomie sind nicht nur Dollars, die auf der Suche nach Konsumgütern sind - wobei die Verkäufer jener Konsumgütern anschließend ihre Dollarscheine wieder einsetzen, um noch mehr Konsumgüter zu kaufen, woraufhin die Empfänger dieser Dollars wiederum mehr Konsumgüter kaufen. Ein Siebenjähriger würde die Wirtschaft vielleicht so betrachten.


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