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Gold und Silber: Klotzen statt kleckern!

15.04.2018  |  Manfred Gburek
Die folgende Frage wird uns von nun an Monat für Monat sehr beschäftigen: Wie hoch steigt die amerikanische Inflationsrate? Einen gewissen Vorgeschmack haben wir bereits am vergangenen Mittwoch bekommen, als sie für den Monat März veröffentlicht wurde: 2,4 nach 2,2 Prozent einen Monat zuvor, basierend auf dem Consumer Price Index. Das war etwa im Rahmen der Erwartungen, also nicht sonderlich aufregend.

Allerdings ist zu beachten, dass die US-Notenbank ihre Geldpolitik mit dem Inflationsziel von 2,0 Prozent eher an den Personal Consumption Expenditures ausrichtet, und die lagen im Februar nur bei 1,75 Prozent, also unterhalb des Fed-Inflationsziels; die März-Daten für sie werden erst einen Monat zeitversetzt veröffentlicht. Für Spannung ist folglich gesorgt. Und weil der Goldpreis zuletzt gestiegen ist, kann man davon ausgehen, dass zwischen ihm und der US-Inflation ein gewisser Zusammenhang besteht.

Unter Börsianern wird aktuell viel darüber diskutiert, ob und wie die Eskalation des Syrienkriegs den Goldpreis beeinflusst. Des Weiteren, ob Gold ein Kriegsmetall ist. Beide Fragen sind leicht zu beantworten: Der Stellvertreterkrieg in Syrien (der Westen unter Führung der USA kontra Russland und dessen Verbündete) wirkt sich lediglich mittelbar und zeitlich begrenzt auf den Goldpreis aus. Das ist historisch zu begründen.

Zur zweiten Frage hat vor allem der Edelmetallexperte Martin Siegel in verschiedenen Vorträgen die passende Antwort gefunden: Aus der Geschichte des Goldes über Jahrhunderte geht eindeutig hervor, dass es kein Kriegsmetall ist. Vielmehr spielen aktuell andere Einflussfaktoren, etwa die Entwicklung der Realzinsen ins Minus oder die fehlgeleitete Geld- und Fiskalpolitik, entscheidende Rollen. Man beachte dazu nur die Reaktion des Goldpreises auf die Bekanntgabe der amerikanischen Inflationsrate vom vergangenen Mittwoch.

Der Seitwärts-, Abwärts- und zuletzt Seit- bis Aufwärtstrend des Goldpreises und mit ihm des Silberpreises hält nun schon länger als sechseinhalb Jahre an. Worauf ich hinaus will: Der Faktor Zeit hat für die Anlagestrategie eine große Bedeutung, besonders im Hinblick auf die Preise der beiden Edelmetalle und erst recht auf die – hier vor einer Woche unter die Lupe genommenen - Kurse der Minenaktien. Denn mit der Zeit geht die Kapitalbindung einher, und die erwies sich in diesem Fall seit dem zweiten Halbjahr 2011 als nachteilig.

Die Erfahrung daraus lehrt uns: Die Konzentration auf eine einzige Anlageklasse kann anlagestrategisch negativ wirken. Aber auch: Sie kann sich umgekehrt im wahrsten Sinn des Wortes als goldrichtig erweisen, wenn man aus ihr die richtigen Schlüsse zieht.

Und das bedeutet: Nach über sechseinhalb Jahren nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern sich zumindest die folgenden drei Fragen stellen: Sprechen bewährte Kennzahlen zur Bewertung der Edelmetalle nicht bereits für den Beginn der nächsten Gold- und Silberhausse? (Kennzahlen wie beispielsweise das Verhältnis Gold-/Silberpreis und Dow Jones/Goldpreis) Ist die positive Reaktion der beiden Edelmetallpreise auf negative Realzinsen nicht längst überfällig? Spricht der gewaltige globale Schuldenberg nicht endlich für die Wiederentdeckung des Goldes als Versicherung gegen den Verfall der Währungen?

Bekanntlich ist das richtige Timing oft die entscheidende Komponente einer ausgewogenen und obendrein erfolgreichen Anlagestrategie. Es umfasst zum einen den richtigen Zeitpunkt des Kaufs und des Verkaufs, zum anderen jedoch auch die Entscheidung, ob man beim Kaufen bzw. Zukaufen kleckern oder klotzen soll. Erfahrungsgemäß entscheiden sich die meisten Anleger fürs Kleckern. Das hat unter anderem einen psychologischen Grund: Man blickt auf die Charts und wird mit langjährigen Trends konfrontiert. Die erste - in diesem Fall falsche - Reaktion: Noch kein oder nur ein bisschen Geld einsetzen, mit den Preisen könnte es ja weiter abwärts gehen.

Aber gehört denn wirklich Mut zum Kauf auf niedrigem Preisniveau? Objektiv betrachtet, natürlich nicht. Im Gegenteil, aktuell gehört Mut eher zum Kauf überbewerteter Aktien aus Dax, Dow Jones & Co. Anleger, die jetzt solche Aktien kaufen, sind sich dessen allerdings nur selten bewusst. Und wieder kommt die Psychologie ins Spiel: Die subjektive Wahrnehmung von Charts, die Vergangenes zeigen, schaltet instinktiv das Risiko aus, weil die Charts so schön die positive Entwicklung der Vergangenheit wiedergeben. Die Quintessenz: Zurzeit spricht fast alles für massive Gold- und Silberkäufe, also klotzen statt kleckern.

Die beiden Edelmetalle haben ebenso wie die gängigen Aktien aus den genannten Indizes eine Funktion, die über Timing-Aspekte hinausgeht: Sie können der Altersvorsorge dienen. Das hat sich zwar noch nicht besonders weit herumgesprochen, dürfte aber gerade in den kommenden Jahren enorm an Bedeutung gewinnen. Dafür spricht, dass die weiteren Komponenten einer ausgewogenen Altersvorsorge (Aktien, Immobilien, Anleihen bzw. Geld auf dem Konto) nur ganz magere Renditen abwerfen und real, also nach Abzug der Inflationsrate, Verluste bringen.

Außerdem, dass die Anbieter traditioneller Altersvorsorge-Produkte (Kapital- und Renten-Lebensversicherungen, Fondspolicen, Riester-Renten u.a.) dazu neigen, erst sich selbst zu bedienen, bis nach langjähriger Wartezeit auch für ihre Kunden etwas Zählbares herausspringt.

Da ich mich längst im sogenannten Rentenalter befinde, möchte ich Sie aufgrund entsprechender Erfahrungen noch auf einen weiteren Aspekt hinweisen, der gerade für die persönliche Altersvorsorge wichtig ist: Im Alter unter 20 bis zu 30 oder 35 Jahren - vorausgesetzt, Sie haben noch keine Familie zu versorgen - sollten Sie sich je nach Börsenentwicklung mal auf Edelmetalle, mal auf Aktien, mal auf Tagesgeld oder Anleihen und je nach finanzieller Lage auch mal auf Immobilien konzentrieren, das alles antizyklisch.

Seien Sie dabei mutig und spekulativ, aber beachten Sie stets das Timing - auch auf die Gefahr hin, Fehler zu machen, die Sie ja später bei hoffentlich hoher Lebenserwartung auswetzen können. So sammeln Sie Erfahrungen, die Ihnen im Alter von großem Nutzen sein werden. Ab 50 bis 60 Jahren - vorausgesetzt, Sie haben genug fürs Alter vorgesorgt - dürfen Sie sogar wieder spekulieren. Aber bitte nur noch mit begrenztem Einsatz.

Erfahrungen einschließlich der Fehler im jungen Alter sollten auf der Anlagepraxis beruhen. Das heißt: Je nach Lage der Dinge bestimmte Anlagen kaufen oder verkaufen und sich nicht bloß Gedanken machen oder nur Charts verfolgen. Mögen vor allem die ersten Erfahrungen noch so enttäuschend ausfallen, im Endeffekt tragen sie dazu bei, dass man schließlich unterm Strich erfolgreich sein wird. Und noch eines: Egal, ob Sie mit Ihren Engagements erfolgreich waren oder nicht, verfolgen Sie ihre weitere Entwicklung auch nach dem Ausstieg. Auf diese Weise erhalten Sie ein Gespür für Trends, von denen Sie später viel profitieren können.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

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