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Die Welt leidet unter Fiat-Geld

09.07.2018  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
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Als Fiat-Währungen haben folglich US-Dollar, Euro, chinesischer Renminbi, japanischer Yen, Britisches Pfund oder Schweizer Franken keinen legitimen Ursprung. Ihre Entstehung ist alles andere als eine zivilisatorische Meisterleistung.


Dunkle Seiten des Fiat-Geldes

Vielleicht denken Sie jetzt: Die Entstehung des Fiat-Geldes liegt ja schon lange zurück, warum sollte man den Fall nicht zu den Akten zu legen? Das aber wäre kein umsichtiges Urteil. Denn die Verwendung von Fiat-Geld ist überaus folgenreich: Diese Geldart leidet unter ökonomischen und ethischen Defekten, von denen viele Menschen häufig wenig oder gar nichts wissen. Ich darf daher im Folgenden auf einige dieser Defekte hinweisen.

(i) Fiat-Geld ist inflationär. Es verliert seine Kaufkraft im Zeitablauf, weil seine Menge von den staatlichen Zentralbanken unablässig und nach politischen Erwägungen vermehrt wird. Inflationäres Geld ist jedoch schlechtes Geld, weil es die Wirtschaftsrechnung erschwert und viele Menschen um die Früchte ihrer Arbeit und Sparsamkeit bringt.

(ii) Fiat-Geld begünstigt einige auf Kosten vieler. Es sorgt für eine Umverteilung von Einkommen und Vermögen, indem es die Erstempfänger des neuen Geldes begünstigt auf Kosten derjenigen, die die neue Geldmenge erst später erhalten oder gar nichts von ihr abbekommen (das ist der "Cantillon Effekt"). Zwar führt jede Erhöhung der Geldmenge zu einer Umverteilung von Einkommen und Vermögen, und zwar notwendigerweise. Das ist beim Warengeld wie auch beim Fiat-Geld der Fall.

Die Umverteilung fällt jedoch beim Fiat-Geld besonders stark aus - und das ist ja auch der Grund, warum der Staat das Warengeld durch sein eigenes, beliebig vermehrbares Fiat-Geld ersetzt hat: Der Staat und die ihm besonders nahestehenden Gruppen profitieren vom inflationären Geld auf Kosten der übrigen.

(iii) Fiat-Geld sorgt für Wirtschaftsstörungen, für Boomund-Bust. Denn die Vermehrung der Geldmenge durch Bankkreditvergabe senkt die Marktzinsen künstlich ab. Die Ersparnis nimmt dadurch ab, und Investitionen und Konsum nehmen zu. Die Volkswirtschaft beginnt über ihre Verhältnisse zu leben. Früher oder später zerplatzt der monetär angezettelte Scheinaufschwung, und aus dem Boom wird ein Bust.

(iv) Fiat-Geld treibt die Volkswirtschaft in die Überschuldung. Die künstlich gesenkten Zinsen verleiten Private, Unternehmen und Staaten zur Schuldenwirtschaft. Die Schuldenlasten wachsen dabei im Zeitablauf stärker an, als die Einkommen zunehmen.

(v) Fiat-Geld lässt den Staat auswuchern - zu Lasten der Freiheit der Bürger und Unternehmen. Das Fiat-Geld erlaubt es dem Staat, seine Finanzkraft gewaltig auszuweiten, und damit kann er sich im wahrsten Sinne des Wortes eine wachsende Gefolgschaft erkaufen, die Wähler bestechen.

(vi) Das Fiat-Geld beschädigt die Moral- und Wertevorstellungen der Menschen, die mit Fiat-Geld tagtäglich umgehen. Das Fiat-Geld verlockt zum Leben auf Pump, befördert Konsum zu Lasten der Ersparnisbildung, erhöht die Gegenwartsorientierung der Menschen zu Lasten ihrer Zukunftsorientierung. Das Leben wird kurzatmiger, weniger reflektiert und weniger verantwortungsvoll.

Wer sich in Fiat-Geld verschuldet, entwickelt rasch eine geradezu sklavische Treue zu dem vorherrschenden Wirtschafts- und Politiksystem, in dem er die benötigten Einkommen erzielt, um seinen Schuldendienst leisten zu können. Je länger Fiat-Geld verwendet wird, desto mehr Arbeitnehmer und Unternehmer werden abhängig von der Fortführung des Fiat-Geldsystems. Arbeitsplätze, Altersvorsorge, Aufträge und Gewinne, die berufliche Karriere und der soziale Status vieler Menschen - alles steht und fällt mit dem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das vom Fiat-Geld mitgeformt wird.

Eine wachsende Zahl von Menschen wird aufgrund des Eigennutzkalküls zum willigen Unterstützer des Fiat-Geldes. Das eröffnet in Krisen den politischen Spielraum, um "Rettungsmaßnahmen" in großem Stile auf den Weg zu bringen - in Form von zum Beispiel Kreditgarantien, Niedrigzinsen, Geldspritzen et cetera -, um das Fiat-Geld vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Es sind vor allem die Krisen, für die das Fiat-Geld sorgt, die sich als ein Wachstumselixier für den Staat erweisen. Denn in der Krise werden regelmäßig und fälschlicherweise die freien Märkte als Schuldige an den Pranger gestellt - nicht aber das staatliche Fiat-Geld.

Dem Staat eröffnen sich so Möglichkeiten, neue Ge- und Verbote, neue Gesetze zu erlassen, durch die die freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung immer weiter ausgehöhlt, durch die sie nach und nach in eine Befehls- und Zwangswirtschaft umgeformt wird. Das Fiat-Geld lässt folglich die Freiheitsgrade der Bürger und Unternehmer schwinden, es untergräbt sie zusehends.


Beharrungskräfte des Fiat-Geldes

Letzteres ist eine ganz wichtige Einsicht, weil eine Volkswirtschaft das Fiat-Geld, wenn es erst einmal eine Zeit lang in der Welt ist, nicht so ohne weiteres wieder los wird. Das Fiat-Geld zerstört sich nämlich nicht notwendigerweise selbst. Wer meint, man bräuchte nur warten, bis die Sache sich von selbst erledigt, könnte enttäuscht werden. Den Grund will ich kurz aufzeigen.

In der reinen Theorie ist es so, dass ein Ausweiten der Fiat-Geldmenge durch Kreditvergabe einen künstlichen Boom in Gang setzt, der notwendigerweise in sich zusammenbrechen und in einen Bust führen muss. Das haben die Arbeiten zur monetären Konjunkturtheorie, wie sie insbesondere von Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek vorgelegt wurden, abschließend erklärt.

Dazu ein Zitat von Ludwig von Mises: "Früher oder später muss es zum Zusammenbruch des durch die Kreditausweitung ausgelösten Aufschwungs kommen, und der Anpassungsprozess, den man Niedergang der Konjunktur nennt, wird umso schmerzlicher sein und umso mehr Zeit beanspruchen, je länger die Kreditausweitung fort-gesetzt worden war … ."

Die Aussage, dass der Boom in einen Bust umschlägt, gilt allerdings nur unter "sonst gleichen Bedingungen", also nur unter der "ceteris paribus"-Klausel. Wendet man die reine Theorie auf die reale Welt an, muss man Folgendes berücksichtigen: Solange es ein gewisses Maß an (Wirtschafts-)Freiheit gibt, bringen Unternehmen Produkt- und Prozessinnovationen hervor, und das lässt die Volkswirtschaften wachsen, es erhöht ihre Leistungsfähigkeit.


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