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Der "Mega-Bail-Out": Wie die Weltwirtschaftskrise bekämpft wird

27.03.2020  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
- Seite 5 -
Zur preistreibenden Wirkung der Staatsverschuldung

Im Jahr 2019 betrug in Deutschland das Masseneinkommen 1.493 Mrd. Euro. Das entsprach 43,4 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP). Würde das BIP aufgrund des "Lockdown" um, sagen wir, 25 Prozent einbrechen, fielen die Einkommen der Privaten um etwa 373 Mrd. Euro; bei einem Einbruch von 50 Prozent sogar um 746 Mrd. Euro. Diese Beträge müsste der Staat finanzieren, sollen die Arbeitnehmer nicht leer ausgehen. Selbst ein "Mittelwert" der beiden Absturzszenarien würde immer noch auf einen Finanzbedarf in Höhe von knapp 560 Mrd. Euro hinauslaufen - und damit das Rettungspaket der Bundesregierung mit seiner geplanten Neukreditaufnahme von 156 Mrd. Euro völlig überfordern.

Wendet man diese Zahlenverhältnisse auf den Euroraum insgesamt an, würde sich bei einem Wirtschaftseinbruch von 25 (50) Prozent ein Finanzbedarf von 1.318 (2.636) Mrd. Euro errechnen. Wenn die Staaten zur Finanzierung neue Kredite aufnehmen, steigen ihre ausstehenden Staatsschulden zwischen 13 und 26 Prozent. Würden die Staaten zur Finanzierung neue Anleihen ausgeben, die von der EZB gekauft werden, und würde das dadurch neu geschaffene Geld in den Wirtschaftskreislauf gelangen, stiege die ausstehende Euro-Geldmenge M3 zwischen 10 und 20 Prozent.

Unterstellt man langfristig einen Gleichlauf zwischen Geldmengenausweitung und Güterpreisen, wäre (soweit man die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ausklammert) ein einmaliger Preisanstieg von 10 bis 20 Prozent zu erwarten, der sich früher oder später in Konsumgüter- und/oder Vermögenspreisen zeigen würde. Das also wäre die Konsequenz der staatlichen "Rettungspolitik", wenn die Wirtschaft einbricht in nur einem Quartal!

In dieser Rechnung ist nicht berücksichtigt, dass auch die Betriebskosten der Unternehmen zu finanzieren wären (einschließlich des Schuldendienstes für ausstehende Bankkredite in Höhe von etwa 4.500 Mrd. Euro), um im "Lockdown" den Unternehmenssektor über Wasser halten zu können. Damit es also keine apokalyptischen Ausmaße annimmt, ist von dieser Perspektive aus gesehen nur zu hoffen, dass der Lockdown so schnell wie möglich beendet werden kann.



Was droht: Freiheitsentzug

Aus aktueller Sicht hat sich zweifelsohne eine bedrohliche Situation für das ungedeckte Geldsystem eingestellt; und die Wahrscheinlichkeit, dass es diesmal schiefgeht, liegt nicht bei null. Aber ein Zusammenbruch ist auch noch nicht zwangsläufig. Die Staaten und ihre Zentralbanken können noch "neue Kaninchen aus dem Zylinder" zaubern. Beispielsweise indem schwankende Banken rekapitalisiert werden, indem die Staaten neues Geld, das sie von der EZB bekommen, als Eigenkapital einzahlen. Fest steht jedoch eines: Ohne staatliche Eingriffe ist das ungedeckte Geldsystem nicht mehr zu halten. Das sollte die Bürger in größte Besorgnis versetzen.

Denn Krisen führen regelmäßig einen Machtzuwachs des Staates herbei, das gilt vor allem für Finanz- und Wirtschaftskrisen. Krisenursachen werden nämlich regelmäßig fehl- und umgedeutet: Der freie Markt habe versagt, so wird gesagt, und jetzt könne nur noch der Staat helfen.

Und das, obwohl doch der Staat und seine Zentralbank die Täter sind. Sie sind es, die mit ihrem ungedeckten Papiergeldsystem eine Schuldenwirtschaft in Gang gesetzt haben, die früher oder später in sich zusammenbrechen muss. Der Krisenauslöser ist diesmal die Sorge vor den Folgen des Corona-Virus, und es spielt hier eine bedeutsame Rolle, wie rabiat die Staaten in das weltweit Markt- und Gesellschaftssystem eingreifen; wie sie die Gunst der Stunde nutzen und ihre Macht ausweiten.

Je deutlicher zutage tritt, dass das staatliche ungedeckte Geldsystem nicht funktioniert, dass es zu Krisen führt, desto größer scheint leider auch die Neigung der Menschen zu werden, die Augen vor dieser Wahrheit zu verschließen; und desto hemmungsloser werden kollektivistisch-sozialistische Maßnahmen als "Rettungspolitiken" umgedeutet, von der breiten Öffentlichkeit begrüßt und für gut geheißen.

Doch jede Krise, für die das ungedeckte Papiergeldsystem sorgt, weitet die Macht der Staaten über das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben aus, und eine einmal erfolgte Staatsexpansion wird leider nicht wieder zurückgedreht. Dadurch verstricken sich die Volkswirtschaften durch Krisen und ihre "Bekämpfung" immer tiefer im Gestrüpp staatsozialistischer Politiken.

Wenn man sich nicht abkehren will vom ungedeckten Papiergeldsystem, dann wird früher oder später alles einem Ziel untergeordnet: den Staat zu stärken, ihn mit immer mehr Befugnissen, mit immer mehr Geld auszustatten; und das heißt, dass die freien Märkte (beziehungsweise was davon noch übrig ist) und damit auch die bürgerlichen und unternehmerischen Freiheiten zusehends ausgeschaltet werden. Mit Blick auf die aktuellen Ereignisse ist es daher alles andere als übertrieben zu sagen: Ohne "Bail-out" der Schuldner droht eine Weltwirtschaftskrise. Mit ihm die Knechtschaft.


Anleger und Investoren aufgepasst

Was macht man jetzt als Anleger? Drei Gedanken mögen an dieser Stelle hilfreich sein.

Erstens: Investiere dein Geld stets mit einem langfristigen Horizont, also mindestens für drei, fünf oder mehr Jahre. Das macht unabhängig von schwankenden Marktpreisen.

Zweitens: Halte daher physisches Gold als Teil der liquiden Mittel, tausche deine Termin- und Spareinlagen sowie Geldmarktfonds in das gelbe Metall ein - denn die offiziellen Währungen werden entwertet, Bankguthaben werden zum Verlustgeschäft.

Drittens: Vermeide ein "Euro-Klumpenrisiko". der Euro ist die gefährdetste der ungedeckten Papierwährungen. Und wer den Optimismus fasst, dass die arbeitsteilige Weltwirtschaft letztlich doch wieder auf die Beine kommt, der sollte sich auch im Aktienmarkt positionieren; und der jüngste Aktienkursverfall könnte vielleicht bereits eine Gelegenheit dazu sein.

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Quelle: Refinitiv; Graphiken Degussa.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Quelle: Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


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