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Gold-Konfiszierung wäre Unsinn

02.06.2020  |  Egon von Greyerz
Open in new windowWie man Gold konfiszieren? Das könnte passieren, natürlich. Verzweifelte Regierungen werden verzweifelte Maßnahmen treffen. Die Weltwirtschaft befindet sich im Sturz und ist jetzt auf dem Weg in eine hyperinflationäre Depression, unbegrenzte Geldschöpfung wird Währungszusammenbrüche verursachen, was wiederum zu einem steilen Anstieg der Goldpreise gemessen in wertlosem Papiergeld führen wird.

Die erste Frage, die wir uns stellen müssen, lautet also: Warum würden Regierungen umsichtige Sparer bestrafen, die sich Schutz gesucht haben gegen unverantwortliches Missmanagement der Wirtschaft und der Währung?


Gold: 0,5% der globalen Assets

Schätzungen der Credit Suisse zufolge liegt die Höhe der globalen Finanzanlagen bei 360 Billionen $. Davon sind 85 Billionen $ Aktien, oder 24%. Der globale Anleihemarkt kommt auf 100 Billionen $ (28%). Anlagegold liegt bei ca. 35.000 Tonnen oder 1,9 Billionen $. Und das entspricht gerade einmal 0,5% der globalen Finanzanlagen.

Wenn Anlagegold nur 0,5% der globalen Assets ausmacht, während der Aktienanteil bei 24% liegt, kann man sich fragen, warum die US-Regierung alles Erdenkliche unternimmt, um den Wert der Aktien mittels Geldschöpfung in die Höhe zu treiben, während sie gleichzeitig den Goldpreis drückt. Warum unterstützt man Aktionäre beim Reichwerden, während Goldhalter bestraft werden?

Regierungen fördern eindeutig steigende Aktienmarktkurse, weil es ihnen Wählerstimmen bringt. Da es aber nur so wenige Goldanleger gibt, verliert die Regierung kaum Wählerstimmen, wenn sie den Goldpreis nach unten manipuliert.


Werden die USA Gold konfiszieren?

Da wir jetzt in eine Phase starker Währungsentwertung und potentieller Hyperinflation eintreten, könnte man sich fragen, warum Regierungen Anleger davon abhalten sollten, Vermögenssicherung in Form von Gold zu betreiben. Würden die USA also das Gold der Amerikaner konfiszieren, anstatt Sparsamkeit und vorausschauende Vermögenssicherung zu fördern? Einige Beobachter, wie Jim Sinclair ("Mr. Gold"), denken, dass dies sogar US-Goldminen betreffen könnte. Er glaubt aber, dass etablierte, gängige Münzen wie der US-Eagle davon ausgenommen wären.

Die Goldkonfiszierungen unter Roosevelt 1933 fanden allerdings unter ganz anderen Bedingungen statt, die sich nicht mit heute vergleichen lassen. Damals befanden sich die USA in einer Wirtschaftsdepression, zudem war der Dollar an Gold gebunden. Die Wirtschaft war unter Druck und die US-Regierung entschied, dass der Dollar abgewertet werden müsse. Eine Entwertung des Dollars bedeutete also automatisch auch eine Neubewertung von Gold, da beide miteinander verbunden waren.

FDR (Franklin D. Roosevelt) entschied jedoch, dass US-Goldeigentümer nicht von der Goldaufwertung profitieren sollten. Also wurde das Gold konfisziert und von 20,67 $ auf 35 $ pro Unze aufgewertet. Gold in Bankenschließfächern wurde eingezogen, doch viele Amerikaner versteckten ihr Gold zu Hause. Goldbestände außerhalb der USA wurden allerdings nicht konfisziert.


Amerikaner halten Gold in vielen Ländern

Goldeigentum ist heute global. US-Investoren zum Beispiel lagern Gold legal in vielen verschiedenen Ländern - in Kanada, Singapur, Australien, Großbritannien und der Schweiz. In diesen Ländern werden erhebliche Goldmengen durch US-Bürger gelagert. Die Schweiz ist dabei ein wichtiges Goldzentrum, wo das Gold bei Großbanken aber auch vielen Privatbanken verwahrt wird. Zudem gibt es in der Schweiz zahlreiche private Goldlagereinrichtungen außerhalb des Bankensystems, wo beachtliche Mengen Gold verwahrt werden.

Es wäre völlig unpraktisch, Amerikaner zu verpflichten, das Gold in die USA zurückzuführen. Zudem würden viele Länder nicht kooperieren. Ich habe auch gehört, wie die Schweiz dafür kritisiert wurde, dass sie den US-Behörden nachgegeben habe und die Namen von Amerikanern preisgibt, die nicht deklarierte Goldbestände in der Schweiz halten - bei der UBS oder anderen Banken.

Als Schweizer bin ich ebenfalls der Auffassung, dass die Schweizer Regierung hier nicht hätte nachgeben dürfen (es war zudem ein Verstoß gegen die Schweizer Verfassung). Das Bankengeheimnis war zu dieser Zeit heilig und auch gesetzlich verankert. Aber auch von vielen europäischen Ländern kam Druck, dass die Schweiz sich des Steuerbetrugs mitschuldig machen würde. In der Schweiz war es kein krimineller Akt, Geldbeträge oder Einkommen nicht auszuweisen.


Automatischer Austausch aller Finanzinformationen

Die Schweiz gab damals also nach und die Banken mussten sich in die Bücher schauen lassen. Heute tauschen alle Banken der Welt Informationen auf Grundlage der OECD-Standards für Berichterstattung aus. Hierbei handelt es sich um einen Automatischen Informationsaustausch (AIA) zwischen praktisch allen Ländern der Welt. Auch Gold, das innerhalb des Finanzsystems gehalten wird, fällt unter diesen Informationsaustausch.

Grund für das Nachgeben der Schweiz war der enorme Druck, den man von den US-Behörden bekam (angeblich ging es sogar um das Einfrieren aller Assets der UBS-Geschäftsstellen in den USA). Aber auch moralisch musste die Schweizer Regierung nachgeben, da es kaum zu rechtfertigen war, dass Aktivitäten, die in der Schweiz zulässig waren, in den USA und den meisten anderen Ländern als Betrug galten.

Gold und andere Edelmetalle, die in privaten Lagereinrichtungen gehalten werden, müssen von Amerikanern derzeit nicht in Steuererklärungen angegeben werden. Dasselbe gilt für Immobilien- und Grundstückseigentum. Vor dem Hintergrund strikter Compliance (Einhaltung von Richtlinien) und Anti-Geldwäsche-Gesetzen (engl. AML) würde kein seriöses Unternehmen, das Edelmetalllagerung anbietet, undeklarierte Geldmittel oder Metalle akzeptieren. Folglich würde kein respektables Unternehmen, das mit Gold zu tun hat, Kundengeld oder Gold akzeptieren, das nicht konform ist mit den steuerlichen Bestimmungen des Landes, aus dem der Kunde stammt.

Also: Heutzutage sind Gold- und andere Edelmetallbestände, die von Amerikanern in der Schweiz gehalten werden, vollkommen steuerkonform. Aus diesem Grund bezweifele ich auch, dass der Schweizer Staat mit US-Steuerbehörden kooperieren würde, sollten diese die Rückführung des Goldes fordern.



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